Nach Berlusconi-Übernahme: ProSieben-Gruppe peilt 2026 mehr Gewinn an
Der neue ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani
Nach einem Gewinneinbruch im Vorjahr erwartet die deutsche Mutter von Puls4 und ATV, die ProSiebenSat.1 Media AG, für 2026 wieder bessere Geschäfte. Beim operativen Ergebnis (EBITDA) rechne man auch dank Kostendisziplin mit einem "hohen Anstieg" gegenüber den 241 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr, teilte die Senderfamilie am Donnerstag mit. Dieser operative Gewinn war 2025 um fast 53 Prozent gesunken. Beim Umsatz peile man ein leichtes organisches Wachstum an.
Aufgrund von Unternehmensverkäufen dürften die Gesamterlöse jedoch leicht unter dem Vorjahreswert von 3,68 Milliarden Euro liegen. In Österreich gehören u. a. die Sender Puls4 und Puls24 sowie ATV und ATV2 zum Unternehmen.
Berlusconi-Konzern will Kerngeschäft stärken
"Wir entwickeln ProSiebenSat.1 konsequent von einer diversifizierten Gruppe zu einem fokussierten und reichweitenstarken Entertainment-Haus im deutschsprachigen Raum", sagte der neue ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani, der im Auftrag des italienischen Mehrheitsaktionärs MFE den Konzern in Deutschland leitet. Dazu sollen lokale und Live-Inhalte gestärkt und über verschiedene Plattformen ausgespielt werden. Zudem setzt der Konzern auf Kostensenkung und hat sich von mehreren Firmen getrennt, die nicht zum Kerngeschäft zählen.
Der Eigentümer MFE-MediaForEurope treibt den Umbau von ProSiebenSat.1 voran. Die von der Familie des gestorbenen italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrollierte Gesellschaft will ProSiebenSat.1 wieder auf Fernsehen und Unterhaltung trimmen. MFE hält mehr als 75 Prozent der Anteile an ProSiebenSat.1.
Das Unternehmen hatte im Februar Eckdaten für 2025 veröffentlicht. Die finalen Zahlen sind ähnlich: Das bereinigte EBITDA von ProSiebenSat.1 sank wegen schwacher TV-Werbung um 28 Prozent auf 403 Millionen Euro. Der Umsatz fiel um 6,2 Prozent.
Europäischer TV-Konzern soll entstehen
Den Italienern schwebt ein europäischer TV-Konzern vor, der Synergien zwischen den einzelnen Märkten nutzt. Randgeschäfte, mit denen sich ProSiebenSat.1 weniger abhängig vom Fernsehmarkt machen wollte, sollen verkauft werden.
Zusammen mit der Bilanz für 2025 kündigte ProSiebenSat.1 an, das Vergleichsportal billiger-mietwagen.de an ein Konsortium unter der Führung der Beteiligungsgesellschaft Pivotum Capital zu verkaufen. Zudem wird CamperDays - eine Vergleichsplattform für Wohnmobile und Campervans - von einer Gruppe privater Investoren übernommen. Zuletzt ging das Wetter-Portal "wetter.com" für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an den Essener Medienkonzern Funke. Zudem übernimmt Pivotum Capital auch zwei Vermarkter von ProSiebenSat.1 - esome und Kairion.
Auch wegen der Verkäufe senkte ProSiebenSat.1 seine Nettoverschuldung 2025 um etwa 170 Millionen auf 1,34 Milliarden Euro. Die Dividende bleibt mit 0,05 Euro je Aktie unverändert.
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