ProSiebenSat.1Puls4 baut in Österreich bis zu 45 Stellen ab
Der Abbau von Arbeitsplätzen in österreichischen Medienhäusern setzt sich rasant fort. Am Donnerstag gab die Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 in einer Aussendung bekannt, dass 45 Stellen abgebaut werden. Das entspreche neun Prozent der Belegschaft. Betroffen seien die Sportredaktion, der Studiobetrieb und das Textangebot. Der Fokus liege künftig auf Bewegtbild, Qualitätsjournalismus und Unterhaltung, hieß es.
Zur P7S1P4-Gruppe gehören die Fernsehsender Puls 4, Puls 24, ATV und ATV2 und im Streamingbereich die Plattform Joyn. "Diese Maßnahmen sind eine schwere, aber notwendige Entscheidung, die wir in Österreich eigenständig und aus unternehmerischer Verantwortung getroffen haben", wurde Co-CEO Thomas Gruber zitiert. Seit dem Vorjahr ist der italienische Medienkonzern MFE Mehrheitseigentümer des deutschen Mutterkonzerns ProSiebenSat.1, was u.a. zu einem Wechsel im Topmanagement des deutschen Privatsenderkonzerns führte.
Sparen bei Text, Sport und im Studio
Gruber betonte, dass weiterhin rund 50 Prozent der finanziellen Mittel ins Programm fließen werden. Co-CEO Bernhard Albrecht begründete den Stellenabbau damit, die Investitionsfähigkeit von P7S1P4 zu erhalten und Wachstumsperspektiven zu sichern.Die weitere Fokussierung auf das Kerngeschäft bedeute nun, dass "Textnachrichten rund um die umfangreichen Bewegtbildnachrichten des Hauses reduziert werden".
Umkämpfter Sportrechtemarkt
Die Sportredaktion wird künftig organisatorisch enger mit der tagesaktuellen Redaktion verzahnt - sprich dort eingegliedert. Ziel sei es zwar weiterhin, Sport abzubilden. Doch: "Der Markt um Premium-Sportrechte ist umkämpft und als wirtschaftlich agierendes privates Medienhaus in Österreich sind diese aktuell nicht darstellbar", hieß es. Man setze weiterhin auf die US Open, DFL oder auch ausgewählte Nations-League-Spiele.
Einige Stellen fallen zudem durch Automation in den Regien und im Studiobetrieb weg. Weitere Effizienzmaßnahmen betreffen laut der Privatsendergruppe Verwaltungs- und Managementbereiche inklusive der Auflösung von Doppelfunktionen.
Online-Redaktion vergangenes Jahr aufgelöst
Zuletzt wurde im August des Vorjahres bekannt, dass 9 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter der Online-Nachrichten-Redaktion ihren Job verlieren. Diese wurde de facto aufgelöst bzw. in Joyn integriert, mit deutlich geringerem Textaufkommen. Bei ProSiebenSat.1Puls4 hielt man damals fest: "Die Dominanz von US-amerikanischen und chinesischen Unternehmen im Medienmarkt nimmt zu, besonders in den sozialen Medien. Mit Joyn haben wir eine erfolgreiche Antwort am Markt positioniert."
In einem KURIER-Gespräch hatten die ProSiebenSat.1Puls4-Chefs Thomas Gruber und Bernhard Albrecht im vergangenen Jahr einen Mitarbeiterabbau, aber "keinen Big Bang" angesprochen. "Wir planen aktuell hier in Österreich mit sinkenden Personalzahlen."
Personalabbau "mit Verantwortung"
Das Management befinde sich aktuell "in konstruktiven Verhandlungen" mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan, hieß es in einer Aussendung. Ziel sei, betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "bestmöglich finanziell abzufedern".
Geschäftsleiterin Human Resources bei ProSiebenSat.1Puls4, Birgit Moser-Kadlac, wird zu den aktuellen Schritten folgendermaßen zitiert: „Wir wissen, dass dieser Schritt für viele unserer Kolleg:innen eine große Belastung bedeutet. Gerade deshalb ist es uns ein Anliegen, diesen Prozess fair, transparent und mit Verantwortung zu gestalten." Betriebsratsvorsitzender Christoph Woska-Kiefmann sagt dazu: „Dass es nun in unserer Unternehmensgruppe einen solchen Schritt benötigt, bedauern wir zutiefst. Es zeigt erneut, vor welchen Herausforderungen die gesamte Medienbranche in Österreich aktuell steht." Er plädiert für eine Arbeitsstiftung für die Branche, "denn leider gehen wieder Medienjobs nachhaltig verloren“.
ProSiebenSat.1Puls4 ist mit dem Mitarbeiterabbau nicht alleine. Etliche Medienhäuser mussten in den vergangenen Jahren teils drastisch Personal abbauen, um angesichts schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen den Betrieb zu sichern. Eine Ursache ist etwa der rasante Werbegeldabfluss in Richtung internationaler Plattformen.
Übernahme des Mutterkonzerns
Der italienische Konzern Media for Europe (MFE) der Familie des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi hatte im September des Vorjahres nach einem großen Aktienankauf die volle Kontrolle über den Mutterkonzern ProSiebenSat.1 übernommen. Die von Pier Silvio Berlusconi geführte Gruppe besitzt bereits Fernsehketten in Italien und in Spanien und plant einen europäischen Verbund. ProSiebenSat.1 ist neben der RTL-Familie der zweite große private Fernsehkonzern in Deutschland.
Kurz darauf kam es zu einem Wechsel der Führungsmannschaft in Unterföhring bei München. Damals reagierten die Redaktionen von ATV, Puls4 und Puls24 auf die Personalentscheidungen. "Die Konzernzentrale von ProSiebenSat1 hat unter den verschiedensten Eigentümern noch nie den geringsten Versuch gemacht, Einfluss auf die Redaktion oder unsere Informationsinhalte zu nehmen - und wir hätten das auch nicht zugelassen. Das wird sich in Zukunft nicht ändern", wurde in einer Aussendung betont.
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