„Meine brillante Karriere“: Schreiben und Schmachten im Outback
Es ist schon wieder ein halbes Jahr her, dass Netflix uns die letzte Dosis emanzipiert-fröhlichen Kostüm-Dramas präsentiert hat, in dem sich junge Frauen gegen das Verheiratetwerden wehren (etwa, weil sie ihr Leben viel lieber schreibend verbringen wollen), sich dann aber doch unsterblich verlieben. Und weil gerade keine neue Staffel von „Bridgerton“ bereitlag, wurde nun eine neue Geschichte ins Streamingrennen geschickt: „Meine brillante Karriere“, basierend auf dem semi-autobiografischen Roman der australischen Schriftstellerin Miles Franklin aus dem Jahr 1901 und Ende der 70er bereits einmal verfilmt.
Im Mittelpunkt steht die freigeistige Sybylla Melvyn (Philippa Northeast), die mit ihrer Familie auf einer Farm im Outback lebt. Die unbeschwerten Tage dort, an denen sie mit ihren Schwestern durch die Natur streift und Gedichte schreibt, enden jäh, als ein Brief hereintrudelt. Sybylla soll zur gestrengen Großmutter ziehen, um in die Gesellschaft eingeführt – und unter die Haube gebracht zu werden.
Die exzentrische Augusta (r.) glaubt an Sybyllas schreiberisches Talent.
Davon ist Sybylla alles andere als begeistert, willigt aber dennoch ein. Schließlich stehen bei der wohlhabenden Großmutter die Chancen besser als auf dem Land, tatsächlich als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Während ihr das breitbeinige Sitzen und Gähnen ohne vorgehaltene Hand abtrainiert wird, findet Sybylla in der exzentrischen Augusta, einer Freundin der Großmutter, tatsächlich eine Förderin.
Und natürlich dauert es nicht lange, bis zwei gut aussehende junge Männer ihren Weg kreuzen: Augustas Neffe Harry (Christopher Chung, „Slow Horses“), der ihr gleich seinen auftrainierten Oberkörper präsentiert, und der zurückhaltendere Brite Frank (Jake Dunn).
Sybylla lernt den feschen Harry kennen.
Es wird dann doch recht viel geschmachtet und geflirtet – aber nicht nur. Selbstbestimmung, Familiendynamiken, Vorurteile und die Diskriminierung der nicht-weißen Bevölkerung in Australien spielen ebenfalls eine Rolle. Erzählt wird modern und mit Augenzwinkern, aber manchmal etwas träge, mit aktuellen Songs im Hintergrund und bunten Schriftzügen, die Ortswechsel markieren. Philippa Northeast spielt Sybylla als sympathische und aufgeweckte Rebellin.
Im Gegensatz zu „Bridgerton“ ist die romantische Komponente schlussendlich weniger bedeutend. Anstelle der opulenten Ausstattung der britischen Erfolgsserie muss man sich hier allerdings mit dem kargen australischen Hinterland begnügen.
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