"Schonungslose Durchleuchtung": ORF richtet Transparenzbeirat ein
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher.
Die interimistisch bestellte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher setzt einen ORF-Transparenz-Beirat ein, laut einer Aussendung "als erster Schritt" der Aufarbeitung der Causa Roland Weißmann. Die Expertinnen und Experten seien beauftragt worden, "die Vorwürfe der letzten Wochen – weisungsfrei – zu untersuchen, Fehlverhalten lückenlos aufzudecken und erforderliche Konsequenzen aufzuzeigen".
Das Ziel der Arbeit des ORF-Transparenz-Beirats sei, "nach einer unabhängigen Aufarbeitung nicht nur angezeigte Konsequenzen einzufordern, sondern auch Empfehlungen zur nachhaltigen Verbesserung der internen Organisation des ORF in den Bereichen Compliance und Governance zu geben".
Am Beginn stehe "eine schonungslose, vom Auftraggeber unbeeinflusste Durchleuchtung von Vorgängen, die aktuell öffentlich diskutiert werden".
Die Mitglieder des Beirats gehören den Bereichen Recht, Governance und Compliance an und sollen den ORF bei dieser Aufgabe unterstützen. Den Vorsitz des ORF-Transparenz-Beirats übernimmt Bettina Knötzl, Rechtsanwältin sowie Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria. Der Beirat werde seine Arbeit sofort aufnehmen, heißt es.
- Bettina Knötzl, Rechtsanwältin, Partnerin bei KNOETZL, Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria und Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer Wien, als Vorsitzende, zuständig für Transparenz, Antikorruption, Compliance und die rechtliche Aufarbeitung;
- Elisabeth Brameshuber, Universitätsprofessorin am Institut für Arbeits- und Sozialrecht, für arbeitsrechtliche Fragestellungen;
- Susanne Kalss, Universitätsprofessorin für Unternehmensrecht, für Corporate-Governance-Fragen;
- Andrea Pilecky, LL.B., Gründerin und Geschäftsführerin der rosa elefant OG, für die Prüfung und Weiterentwicklung der Compliance-Strukturen;
- Christopher Schrank, Partner bei BRANDL TALOS, für die externe juristische Begleitung konkreter Sachverhalte;
- Alfred Autischer, Unternehmens- und Kommunikationsberater, für die kommunikative Begleitung dieses Veränderungsprozesses
"ORF lebt vom Vertrauen"
ORF-Generaldirektorin Thurnher, die am 12. März im ORF-Stiftungsrat gewählt wurde, wird folgendermaßen zitiert: „Ich habe bei meiner Bestellung versprochen, rasch Verantwortung zu übernehmen und alles dafür zu tun, den ORF mit Professionalität durch diese schwierige Phase zu führen. Die ersten Tage in dieser Funktion habe ich daher genutzt, um die notwendigen Gespräche zu führen, externe Expertise einzubinden und erste konkrete Maßnahmen zu setzen. Für mich geht es dabei vor allem darum, Klarheit zu schaffen und Klartext zu reden. Denn: Vertrauen entsteht nur durch Transparenz und Konsequenz."
Der ORF lebe vom Vertrauen, so Thurnher weiter, "vom Vertrauen unseres Publikums und vom Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus. Genau dieses Vertrauen müssen wir sichern. Der ORF gehört nicht der Geschäftsführung, nicht dem Stiftungsrat und nicht der Politik. Der ORF gehört uns allen. Seine Existenzberechtigung ist unser Publikum.“
Ergebnisse vor Sommer erwartet
Mit ersten Ergebnissen ist wohl noch vor dem Sommer zu rechnen. Hat der Beirat seine Aufträge abgearbeitet, wird er wieder aufgelöst.
Indes hat auch die Compliance-Stelle ihre Arbeit rund um die Vorwürfe gegen Weißmann aufgenommen. Laut Medienberichten wurden sowohl Weißmann als auch die ORF-Mitarbeiterin in der Vorwoche angehört. Konkret soll der Medienmanager sie zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Mittlerweile ließ Weißmann eine Strafanzeige gegen zwei Personen einbringen. Bei der Staatsanwaltschaft Wien läuft eine Anfangsverdachtsprüfung.
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