"Schonungslose Durchleuchtung": ORF richtet Transparenzbeirat ein

Expertinnen und Experten sind von ORF-Generaldirekorin Ingrid Thurnher beauftragt worden, die Vorwürfe der vergangenen Wochen weisungsfrei zu untersuchen.
Eine Frau mit blondem, schulterlangem Haar trägt einen grauen Blazer und steht vor einer Wand mit ORF-Logos.

Die interimistisch bestellte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher setzt einen ORF-Transparenz-Beirat ein, laut einer Aussendung "als erster Schritt" der Aufarbeitung der Causa Roland Weißmann. Die Expertinnen und Experten seien beauftragt worden, "die Vorwürfe der letzten Wochen – weisungsfrei – zu untersuchen, Fehlverhalten lückenlos aufzudecken und erforderliche Konsequenzen aufzuzeigen".

Das Ziel der Arbeit des ORF-Transparenz-Beirats sei, "nach einer unabhängigen Aufarbeitung nicht nur angezeigte Konsequenzen einzufordern, sondern auch Empfehlungen zur nachhaltigen Verbesserung der internen Organisation des ORF in den Bereichen Compliance und Governance zu geben".

Am Beginn stehe "eine schonungslose, vom Auftraggeber unbeeinflusste Durchleuchtung von Vorgängen, die aktuell öffentlich diskutiert werden".

Die Mitglieder des Beirats gehören den Bereichen Recht, Governance und Compliance an und sollen den ORF bei dieser Aufgabe unterstützen. Den Vorsitz des ORF-Transparenz-Beirats übernimmt Bettina Knötzl, Rechtsanwältin sowie Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria. Der Beirat werde seine Arbeit sofort aufnehmen, heißt es.

 

"ORF lebt vom Vertrauen"

ORF-Generaldirektorin Thurnher, die am 12. März im ORF-Stiftungsrat gewählt wurde, wird folgendermaßen zitiert: „Ich habe bei meiner Bestellung versprochen, rasch Verantwortung zu übernehmen und alles dafür zu tun, den ORF mit Professionalität durch diese schwierige Phase zu führen. Die ersten Tage in dieser Funktion habe ich daher genutzt, um die notwendigen Gespräche zu führen, externe Expertise einzubinden und erste konkrete Maßnahmen zu setzen. Für mich geht es dabei vor allem darum, Klarheit zu schaffen und Klartext zu reden. Denn: Vertrauen entsteht nur durch Transparenz und Konsequenz." 

Der ORF lebe vom Vertrauen, so Thurnher weiter, "vom Vertrauen unseres Publikums und vom Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus. Genau dieses Vertrauen müssen wir sichern. Der ORF gehört nicht der Geschäftsführung, nicht dem Stiftungsrat und nicht der Politik. Der ORF gehört uns allen. Seine Existenzberechtigung ist unser Publikum.“

Ergebnisse vor Sommer erwartet

Mit ersten Ergebnissen ist wohl noch vor dem Sommer zu rechnen. Hat der Beirat seine Aufträge abgearbeitet, wird er wieder aufgelöst.

Indes hat auch die Compliance-Stelle ihre Arbeit rund um die Vorwürfe gegen Weißmann aufgenommen. Laut Medienberichten wurden sowohl Weißmann als auch die ORF-Mitarbeiterin in der Vorwoche angehört. Konkret soll der Medienmanager sie zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Mittlerweile ließ Weißmann eine Strafanzeige gegen zwei Personen einbringen. Bei der Staatsanwaltschaft Wien läuft eine Anfangsverdachtsprüfung.

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