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Trotz Hilfe von Keanu Reeves: Netflix-Preller zu Haftstrafe verurteilt

US-Filmemacher Carl Rinsch, der mit Reeves „47 Ronin“ drehte, kassierte vom Streamingdienst rund elf Millionen Dollar, ohne eine vereinbarte Sci-Fi-Serie je fertigzustellen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Mann im Anzug vor einer 47-Ronin-Pressewand.

Hollywood-Autor und -Regisseur Carl Rinsch wurde am Montag zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, nachdem er wegen Betrugs an Netflix schuldig gesprochen worden war. Das berichtet unter anderem die Associated Press (AP). Rinsch wurde vorgeworfen, dem Streamingdienst 11 Millionen Dollar für eine nie fertiggestellte Science-Fiction-Serie entlockt zu haben.

Unterstützer, darunter Keanu Reeves, hatten das Gericht um Milde gebeten. Rinsch, der vor allem durch den Samurai-Fantasyfilm „47 Ronin“ aus dem Jahr 2013 bekannt ist, war bereits im Dezember wegen Betrugs mittels elektronischer Kommunikation (Wire Fraud) und anderer Delikte verurteilt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und Zeugenaussagen hatte er Netflix erklärt, er benötige 11 Millionen Dollar zur Fertigstellung einer Serie namens „White Horse“; stattdessen leitete er das Geld auf ein Privatkonto um und gab schließlich enorme Summen für Luxusautos, Uhren, Kleidung und Haushaltsgegenstände aus – darunter 638.000 Dollar allein für zwei Matratzen. Der 48-jährige Rinsch und seine Anwälte erklärten vor Gericht, sein Verhalten sei durch psychische Probleme und Schwierigkeiten mit Medikamenten bedingt gewesen; diese Probleme gehe er nun mit einem neuen medizinischen Betreuer an.


 

„Dieser Prozess hat mich gezwungen, mich mit Aspekten meiner Gesundheit, meines Urteilsvermögens und meines Lebens auseinanderzusetzen“, sagte Rinsch. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, räumte ein, dass „tatsächlicher Schaden entstanden ist“, und erklärte: „Ich habe die Gefahr meines damaligen Zustands nicht erkannt.“ Seine psychischen Probleme wurden vor Gericht nicht näher erörtert; auch er selbst und seine Anwälte lehnten es im Anschluss ab, Einzelheiten dazu zu nennen. 

"Blanke Gier"

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine fünfjährige Haftstrafe für Rinsch, der zudem zur Zahlung von rund 11 Millionen Dollar Schadenersatz verpflichtet ist. „Herr Rinsch genoss alle erdenklichen Vorteile“, darunter ein Familienvermögen, eine Elite-Ausbildung, berühmte Freunde und eine steile Karriere, führte Staatsanwalt David Markewitz vor Gericht aus. Rinschs Motiv, so der Staatsanwalt, sei „blanke Gier“ gewesen. 

Rinsch, der beruflich auch unter dem Namen Carl Erik Rinsch auftrat, stammt aus der Gegend von Los Angeles und begann bereits als Jugendlicher mit dem Drehen von Kurzfilmen. Später führte er bei Werbespots Regie und erregte schließlich mit dem Film *47 Ronin* Aufmerksamkeit, in dem Reeves die Hauptrolle spielt. Dessen Figur führt eine Gruppe ausgestoßener Samurai an, die den Tod ihres Meisters rächen wollen.

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Rinsch (re.) mit seinem Team von "47 Ronin", in der Mitte: Keanu Reeves.

Rinsch „bereitet den Menschen in seinem Umfeld außergewöhnliche Freude und Wärme“ und vermittelt anderen „durch seine Kreativität und Vision schöpferische Inspiration“, erklärte Reeves in einem Schreiben an das Gericht im Vorfeld der Urteilsverkündung. Der „Matrix“-Star äußerte, er kenne zwar nicht die Einzelheiten des Falls, räumte jedoch ein, dass Rinsch dazu neige, „sich selbst zu sabotieren, indem er Ausmaß, Umfang und Dimensionen dessen, was ursprünglich vereinbart worden war, maßlos aufbläht“. Er hoffe, dass das Urteil gegen den Regisseur „von Milde, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit geprägt sein“ werde.

Rolls-Royce, Ferraris und Uhren

Der Staatsanwaltschaft zufolge zahlte Netflix 2018 und 2019 zunächst rund 44 Millionen Dollar an Rinsch für das Projekt „White Horse“ und stellte 2020 weitere 11 Millionen Dollar bereit, nachdem dieser angegeben hatte, für den Abschluss der Produktion mehr Geld zu benötigen. Doch anstatt die Gelder in die Serie fließen zu lassen, leitete Rinsch die Summe auf ein Privatkonto um und tätigte eine Reihe gescheiterter Investitionen; laut Staatsanwaltschaft und Zeugenaussagen verlor er innerhalb weniger Monate etwa die Hälfte der 11 Millionen Dollar. Die verbleibenden Mittel investierte er demnach in den Kryptowährungsmarkt und erzielte dabei Gewinne, die er auf sein eigenes Bankkonto übertrug. Darauf folgten laut Staatsanwaltschaft kostspielige Anschaffungen: Rinsch kaufte fünf Rolls-Royce-Fahrzeuge, einen roten Ferrari, Uhren und Kleidung im Wert von 652.000 Dollar sowie teure Matratzen und weitere Luxus-Bettwaren für 295.000 Dollar. Zudem beglich er mit einem Teil des Geldes Kreditkartenrechnungen in Höhe von rund 1,8 Millionen Dollar.

US-Bezirksrichter Jed S. Rakoff erklärte, Rinschs psychische Probleme „mögen einige der Exzesse erklären“, änderten jedoch nichts an der Schlussfolgerung des Gerichts, dass er „entschlossen gelogen hat, um beträchtliche Summen von Netflix zu erhalten, und anschließend gelogen hat, um dies zu vertuschen“. Während Rakoff die Haftstrafe verkündete, notierte Rinsch etwas auf einem Blatt Papier, das vor ihm auf dem Tisch lag. Einer seiner Anwälte, Benjamin Zeman, klopfte dem Regisseur auf den Rücken. Nach der Verhandlung umarmte Rinsch – der seine Haftstrafe im September antreten muss – mehrere Personen, die gekommen waren, um ihn zu unterstützen. Er und seine Anwälte lehnten beim Verlassen des Gebäudes eine Stellungnahme ab; lediglich Anwalt Daniel McGuinness äußerte, man sehe der Berufung in diesem Fall erwartungsvoll entgegen. Netflix wollte sich nicht zu seinem Strafmaß äußern.

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