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Interview
11/21/2019

Helen Hunt: "Keine von uns fühlte diese Power"

Die Schauspielerin im Gespräch über das Revival von „Verrückt nach dir“, ihre Regiearbeit und MeToo.

von Elisabeth Sereda

Als waschechtes „California Girl“ hatte Helen Hunt nie etwas anderes im Kopf als Schauspielerin zu werden.

Sieben Jahre als Hauptdarstellerin in der KultsitcomVerrückt nach dir“ (englischer Titel: „Mad About You“) katapultierten sie in die Sphären der erfolgreichsten Fernsehstars. Sie gewann Emmys und Golden Globes und schaffte den Sprung auf die Kinoleinwand mit dem Blockbuster „Twister“. Die romantische Komödie „Besser geht’s nicht“ mit Jack Nicholson brachte ihr den Oscar.

Danach wurde es still um sie, eine Zeit, die sie nutzte, um Drehbücher zu schreiben. Sie wechselte hinter die Kamera und wurde Regisseurin. Jetzt kehrt sie mit einem neuen „Verrückt nach dir“ auf den Bildschirm zurück.

KURIER: Haben Sie gezögert, das Angebot anzunehmen?

Helen Hunt: Die längste Zeit war nur Zögern. Es klang nach einer schrecklichen Idee. Aber dann begannen alle mit den Remakes von alten Serien, und „Will und Grace“ war großartig. Doch damit war es noch nicht getan, wir überlegten sehr lange, was wir zu sagen hätten und welche Themen wir behandeln würden. Dann kam die Zeitrechnung. Dass die Tochter im Collegealter sein und uns verlassen würde. Und das war der Ansatz, der Moment, wo uns klar wurde, okay, wir haben eine Geschichte.

Dennoch ließen Sie sich lange bitten?

Ja, Paul Reiser und ich mussten ja beide zustimmen. Was uns keiner sagte, als wir endlich zusagten war, dass sie nicht nur uns bitten mussten, sondern auch ein Studio, das es produzieren würde. Das war alles sehr seltsam.

Wie war es am ersten Tag am neuen Set?

Ich war high. Es war so ungewohnt und am zweiten Tag war es ungewohnt, weil es auf einmal nicht mehr ungewohnt war. Auf einmal waren wir alle wieder genau dort, wo wir vor Jahrzehnten aufgehört haben. „Verrückt nach dir“ hatte ein Eigenleben, und das hat sich nicht geändert.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich gesellschaftspolitisch sehr viel getan. Werden Themen wie die Rolle der Frau, die MeToo-Bewegung, Beziehungen usw. in der Serie behandelt?

Die MeToo-Bewegung ist mehr hinter den Kulissen spürbar. Wir beschäftigen 50 Prozent Frauen. Dadurch ist die Atmosphäre anders als sie während der Originalserie war. Gaststars bemerken das und kommentieren es positiv. Vor der Kamera ist „Verrückt nach dir“ das, was es immer war: eine klassische Show.

50 Prozent weibliche Mitarbeiter, das war vor 25 Jahren nicht einmal ein Traum, es war unvorstellbar. Wie haben Sie das früher erlebt?

Es sind schlimme Dinge passiert, auch mir, als ich eine junge Schauspielerin war. Und es war nicht so, dass uns verboten wurde, darüber zu sprechen. Es war in der Luft. Ich kann sehr viel zu diesen Verbrechen sagen. Und eins, das mit einem sexuellen Übergriff immer Hand in Hand geht, ist die unsichtbare Hand, die dir den Mund zuhält, die es dir unmöglich macht, darüber zu sprechen. Ein Psychologe könnte das besser beschreiben. Es braucht Zeit, bis deinem Hirn klar wird, was deinem Körper passiert ist. Und dann ist das Verbrechen oft schon verjährt. Keine Frau hatte vor MeToo das Gefühl, dass da eine Armee von anderen Frauen hinter ihr steht. Keine von uns fühlte früher diese Power, die wir hoffentlich jetzt alle spüren.

Sie hatten nach der Originalserie immer wieder Phasen, in denen Sie keine Arbeit fanden. Was tut man dann?

Ich habe zwei Drehbücher geschrieben, was irgendwie eine Strafe für sich ist. Aber ich dachte, okay, ich habe nichts zu tun, vielleicht sollte ich mir selbst etwas schreiben.

Und dann führten Sie auch gleich selbst Regie, bei „Then She Found Me“ und „Ride“.

Ja, weil wer sonst? Ich wollte nie ein Regisseur sein, der sich von Projekt zu Projekt hantelt und immer darauf angewiesen ist, dass ihm etwas angeboten wird, das ihm auch zusagt. Aber ich hatte meine Drehbücher, und Regieführen ist wie eine zweite Version schreiben. Du schreibst, während du besetzt, du schreibst, während du drehst, und ich meine das nicht wörtlich. Es ist wie Malen. Jede Phase eines Films ist ein neuer Pinselstrich. Eine Tapete für eine Kulisse aussuche, ist ein neues Detail im Drehbuch. Beide Filme waren mir sehr nah. Ich scherze immer, dass sie bei meinem Begräbnis gezeigt werden sollten, denn sie sind meine Biographie.

Und Sie haben auch jetzt bei der ersten Folge von „Verrückt nach dir“ die Regie übernommen. War das unvermeidlich?

Absolut. Ich sagte zu Paul (Reiser, Anm.), mir liegt diese Serie mehr am Herzen als jedem anderen außer dir, und du willst nicht Regie führen. Sollen wir diesen Job wirklich jemandem geben, der nicht unsere Connection dazu hat? Aber filmen und spielen ist hart. Und bei Folge 2 habe ich ganz schnell losgelassen, und war sehr froh, dass jemand anderer hinter der Kamera stand.

„Verrückt nach dir“
In den 90ern begleitete die Serie (im Original „Mad About You“) die frisch vermählten Eheleute Jamie und Peter Buchman durch die kleinen und großen Hürden des Alltags: Die Zuseher waren beim Kauf einer neuen Couch ebenso dabei wie bei der Geburt von Tochter Mabel. Nach sieben Staffeln wurde die Sitcom 1999 abgesetzt –  nun sind Jamie und Peter wieder zurück.    

Mabel ist mittlerweile ausgezogen, um aufs College zu gehen. Und das stellt die Eltern vor Herausfoderungen, die sie bisher nicht kannten. Die ersten sechs von zwölf neuen Episoden liefen diese Woche in den USA beim Streamingservice Spectrum an, neuer Showrunner ist Peter Tolan („Rescue Me“). Bisher ist nur eine Revival-Staffel geplant. Ob und wann die Fortsetzung der Serie zu uns kommt, ist noch nicht bekannt.

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