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Kultur Medien
02/29/2020

Ex-ORF-Manager Scolik: "Wer sich jetzt nicht bewegt, bleibt zurück"

Der Medienlegionär und Fernseh-Direktor des Bayerischen Rundfunks über Gebühren, Streaming und den Total-Umbau interner Strukturen.

Die Laune könnte beim aus Wien stammenden Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks, Reinhard Scolik, sehr gut sein. 2020 setzt sich der Positiv-Trend beim Publikum fort, der im Vorjahr die höchsten Marktanteile seit 15 Jahren brachte. Jüngster Höhepunkt war die „Fastnacht in Franken“ – 30 Prozent Marktanteil bei der jungen Zielgruppe, knapp 50 Prozent beim Gesamtpublikum. „Ein ,Lagerfeuer‘ im Fernsehen“, sagt Scolik.

Dem könnte aber in den nächsten Jahren die Kraft ausgehen. Und das trübt die Laune. In Deutschland soll 2021, so die Ministerpräsidenten zustimmen, nach 12 Jahren und einer Senkung (!) der Rundfunkbeitrag erhöht werden – um nur 86 Cent pro Monat. „Das heißt, dass wir alle Preissteigerungen irgendwie abfangen müssen. Gleichzeitig wollen wir die Vielfalt der Angebote erhalten und, vor allem, weiterentwickeln“, erklärt der 61-Jährige. Denn der Wettbewerb ums Publikum sowie um Talente vor und hinter der Kamera ist intensiv.

Freund und Feind

Mit die größte Herausforderung auch für den BR ist der Boom der Streaming-Anbieter – die aber auch als Partner wahrgenommen werden. „Wir haben keinerlei Berührungsängste, wir haben vielmehr Berührungsnotwendigkeiten, vor allem finanzieller Natur.“ So produziert der BR mit dem Telekom-Angebot Magenta die aufs jüngere Online-Publikum ausgelegte Serie „Das Institut – Oase des Scheiterns“. Die neue Staffel um ein deutsches Sprachinstitut im fiktiven Kisbekistan mit dem Österreicher Robert Stadlober startet am 19. März im Fernsehen, ist aber jetzt schon in der BR-Mediathek zu sehen.

„Online first ist ein Grundprinzip. Der BR stellt alles, was im Fernsehen gesendet wird, bis auf wenige Ausnahmen, davor zum Abruf bereit“, erläutert der frühere ORF-Programm-Direktor. Der dazu geplante nächste Schritt ist aber ein großer. „Wir wollen die BR Mediathek, auch wenn sie – noch – diesen Namen trägt und so etwas wie ein Archiv impliziert, zu einem eigenständigen, dynamischen Programm-Angebot entwickeln.“ Womit man im Gleichklang mit der ARD marschiert. Unterstützt werden soll das durch entsprechende Angebote für soziale Medien. „Wichtig in dieser Flut ist, dass für die Konsumenten klar die Marke BR erkennbar bleibt.“

Inhalte zählen

Die Herausforderungen des digitalen Wandels schlagen beim BR bis in die höchsten Hierarchie-Ebenen durch. Ab Juli sind Fernseh- oder Hörfunkdirektion Vergangenheit, an ihre Stelle rücken die beiden medienübergreifenden Programmdirektionen „Information“ und „Kultur“. „Die Zuständigkeiten sind dann nach Inhalten verteilt. Für das Funktionieren der neuen Aufstellung ist es aber wichtig, dass die Ausspielwege – Fernsehen, Radio, Internet – und die Content-Produktion letztlich von einem Direktor gesamtverantwortet werden.“

In der dann gelebten Trimedialität ist Scolik Kultur-Direktor und zuständig für ein Spektrum, das von Unterhaltung und Film über Radiosender (Bayern 2, BR Heimat, BR Klassik) bis hin zu drei Klangkörpern reicht. Dazu kommen noch Zuständigkeiten in der ARD etwa für 3Sat und, neu, die Koordination für Kultur und Wissen. Scolik: „Wir haben bei den internen Veränderungen ein hohes Tempo angeschlagen. Das ist auch notwendig. Als BR sind wir gerade noch rechtzeitig dran, um unsere Marken in der neuen Angebotswelt zu etablieren, wo selbst Akteure der ersten Stunde unter Druck stehen. Wer sich jetzt nicht bewegt, wird zurückbleiben.“

Spagat gefragt

In der für Konsumenten und Macher immer komplexer werdenden Medienwelt soll der BR der durch sanfte Schritte modernisierte Heimat-Hafen bleiben, aber auch die Tür zur Welt sein. Ein Spagat, der zu gelingen scheint: Die vom BR co-produzierte Kino-Komödie „Leberkäsjunkie“ wurde eben beim bayerischen Filmpreis vom Publikum geehrt, das Drama „Little Joe“ konnte in Cannes mit dem Darsteller-Preis für Emily Beecham überzeugen. Da (Schauspieler Simon Schwarz) wie dort (Regisseurin Jessica Hausner) spielen Österreicher eine wesentliche Rolle.

Das gilt auch für Produktionen des BR Fernsehen mit Verena Altenberger („Polizeiruf 110“) oder, jüngst, Adele Neuhauser in der Doku-Reihe „Lebenslinien“. „Dazu braucht es aber keinen Programmdirektor aus Wien. Österreichische Kreative werden in Deutschland sehr geschätzt, haben großes Gewicht und das schon lange“, betont der künftige Kultur-Direktor.

"Pumuckl"

Eine legendäre Serie kehrt zurück: Morgen, Sonntag (9.30 Uhr, BR sowie BR Mediathek), feiert der „Pumuckl“ sein Comeback. 38 Jahre nach der Premiere treibt der Kobold mit dem feuerroten Haar in einer digital restaurierten Fassung und in HD 52 Folgen lang „Meister Eder“ in den Wahnsinn.  

"Tatort"

Blutrot ist hingegen die dominierende Farbe beim vom BR für die ARD produzierten „Tatort: Die Nacht gehört dir“ aus Franken (Sonntag, 20.15, ORF2). Eine Kollegin ermordet eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit einem Sushi-Messer, das sie von  der Toten bekommen hatte. Kriminalhauptkommissarin Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Kollege Voss (Fabian Hinrichs) haben bald ein Geständnis vorliegen, aber kein Motiv  …

Österreicher

Juergen Maurer  gibt in der  ORF/BR-Co-Produktion „Südpol“ am 11. März (20.15, ARD) einen Mann, der, von einem Moment auf den andern sein bisheriges Leben völlig auf den Kopf stellt.

Im Herbst wird Michael Ostrowski erstmals als dubioser Detektiv in  „Ein Krimi aus Passau“ im ARD-Hauptabend zu sehen sein; im Vorabend kehrt die ebenfalls vom  BR produzierte Serie  „Watzmann ermittelt“ mit Peter Marton („Vorstadtweiber“) wieder.

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