© ORF/ORF/MR Film/Czech Television/Julie Vrabelová

Interview
12/28/2019

Dornhelm über "Maria Theresia": "Mir war der freche Zugang lieber"

Der Regisseur des TV-Events (Samstag, 20.15, ORF2) im Gespräch über Quoten, Stefanie Reinsperger und Antisemitismus.

von Gabriele Flossmann

Die Herrscherin im Kreis ihrer Familie, fast gemütlich. In dieser Pose ließ sie sich oft porträtierten. Maria Theresia sah sich gerne in der Rolle der "Schwiegermutter Europas", da sie trotz der Kriege die Heiratspolitik den Eroberungen durch Kampf vorzog. Für sich selbst setzte sie zwar eine Liebesheirat mit Franz Stephan von Lothringen durch, zwang aber mehrere ihrer 16 Kinder zu politisch motivierten Eheschließungen. Vierzig Jahre lang regierte Maria Theresia ihr Reich – gegen den Widerstand vor allem des preußischen Königs Friedrich II.

Stoff zum Erzählen liefert ihr reiches Leben mehr als genug. Kein Wunder also, dass nach dem großen Publikumserfolg von Teil 1 und 2 der royalen Saga im Jahr 2017 die Erwartungen für die Fortsetzung (Teil 4 ist heute, am Samstag um 20.15 Uhr in ORF2 zu sehen, Teil 3 lief am Freitag und ist in der TVthek verfügbar) entsprechend hoch sind. Die Drehbücher für Teil 5 und 6 sind bereits geschrieben.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Habsburg-Dynastie ist für Regisseur Robert Dornhelm beim KURIER-Interview ein Anlass zu betonen, dass er "sicherlich kein Monarchist" sei, sondern dass dadurch vielmehr seine "demokratischen Überzeugungen bestätigt" wurden.

KURIER: Sie waren und sind offenbar für den ORF und alle Fernsehanstalten, die Ihre Filme koproduzieren, ein Quotenbringer. Und das, obwohl Sie Ihre Karriere ja als Dokumentarist und mit kleinen, künstlerischen Produktionen begonnen haben. Wie ist das gekommen?

Robert Dornhelm: Ich sehe keinen Widerspruch darin, künstlerisch anspruchsvolle Filme zu machen und damit viele Zuschauer anzusprechen. Aber dass ich deshalb mit einer möglichst hohen Quote liebäugle, wie mir immer wieder vorgeworfen wird, das stimmt einfach nicht. Um es kurz auszudrücken: Ich geniere mich nicht dafür, dass das Publikum meine Filme mag.

Die neuen Folgen Ihrer "Maria Theresia"-Reihe kann man mit der Netflix-Serie "The Crown" vergleichen. In beiden steht eine gekrönte Frau im Mittelpunkt. Während die britische Königin Elisabeth II. aber nur mehr eine konstitutionelle Funktion hat, verkörpert Maria Theresia die Hochblüte der Monarchien in Europa. War das der Grund Ihrer Faszination für diese Figur?

Wäre die Reihe als Würdigung der Habsburg-Dynastie gedacht gewesen, dann wäre ich dafür der falsche Mann. Mich haben das großartige Schauspieler-Ensemble und die Opulenz der Schauplätze und Kostüme gereizt. Für eine kritische Auseinandersetzung mit historischen Figuren ist ein Doku-Drama die bessere Form. Mir war dieser freche Zugang viel lieber, bei dem man historische Ungenauigkeiten hinnehmen kann, wenn das Sittenbild der Zeit und die Psyche der Figur stimmig ist.

Sind Sie auch der Meinung von Peter Morgan, dem Autor und Produzenten von "The Crown", dass man mit einem fiktionalen Zugang dem wahren Charakter einer historischen Figur näher kommt, als durch oft nur spärliche vorhandene Fakten, die man dokumentarisch verwerten kann?

Peter Morgan hat es natürlich viel schwerer als ich, weil er sich mit der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzt und dadurch auch mit der Kritik von Leuten konfrontiert ist, die "Enthüllungen" der Boulevard-Presse für wahr halten. Beinahe dreihundert Jahre nach Maria Theresia gibt es keine Augenzeugen mehr, die uns eines Besseren belehren wollen. Ich stimme mit Peter Morgan völlig überein, dass man mit künstlerischer Freiheit oft authentischer eine Epoche schildern kann, als aus der eingeengten Perspektive einer historischen Genauigkeit – die es meiner Meinung nach sowieso nicht gibt. Es ist ohnehin schwierig genug, sich mit einer Frau zu identifizieren, die 16 Kinder hatte und daneben Kriege führte, Politik machte und sich dazu noch mit Liebes- und Eheproblemen herumschlagen musste. Trotzdem soll man die Frau, die in dieser Herrscherin steckt, verstehen können. Und dazu trägt die wunderbare Stefanie Reinsperger, die unsere Maria Theresia spielt, sehr viel bei.

Stefanie Reinsperger hat die Rolle der Maria Theresia von Marie-Luise Stockinger übernommen, die sie in den ersten beiden Folgen verkörperte. Was waren der Grund für diese Umbesetzung?

Es gab praktische Gründe, aber vor allem wollte ich einen Gangwechsel. Ich wollte mich nicht wiederholen. Aus diesem Grund habe ich bisher auch nie Serien gemacht. Eine Ausnahme war der von Steven Spielberg produzierte Mehrteiler "Into the West" (2005). Darin ging es um die zum Teil sehr blutigen Auseinandersetzungen zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und den Siedlern, die vor allem aus Europa kamen. Ich habe Steven Spielberg damals gesagt, dass ich nur beim ersten Teil Regie führen will und er hat meinem Wunsch entsprochen. Ich habe das nicht aus Arroganz gesagt, sondern aus dem Wissen, dass eine Serie einen durchgehenden Stil haben muss und ich die Ästhetik anderer Regisseure nicht nachahmen kann und will. Das gilt auch für meine eigenen Filme. Hauptgrund für die Umbesetzung war aber, dass Stefanie Reinsperger viel besser zum Lebensabschnitt der Maria Theresia passt, den wir in Teil 3 und 4 zeigen.

Maria Theresia war sehr katholisch und bisweilen auch sehr antisemitisch eingestellt. Zeigen Sie auch diese Seite von ihr?

Ihre katholische Grundhaltung kommt zum Ausdruck, ihren Hang zum Antisemitismus zeigen wir nicht. Unter anderem deshalb, weil die Geschichte, die wir erzählen, ohnehin schon überreich an Facetten ist. Außerdem ist der Antisemitismus nicht typisch für Maria Theresia und auch nicht für Österreich. Ich möchte da den Philosophen Jean-Paul Sartre zitieren, der sagte: "Wenn es keinen Juden gäbe, dann hätte der Antisemit ihn erfunden". Er drückte damit aus, was bis heute gang und gäbe ist – nämlich den Mechanismus der Politik, Sündenböcke für alles haftbar zu machen, was in der Gesellschaft falsch läuft. Jede Form von Rassismus und die Abneigung vor "Fremden" wurzelt ja in einer nicht immer definierbaren Angst vor einem wirtschaftlichen Niedergang. Die populistische Politik funktioniert bis heute so. Und was Maria Theresia betrifft – die hat in den späteren Jahren ihrer Regentschaft mit den Juden auch Geschäfte gemacht. Sie ist im Alter weiser geworden. Aber davon erzählen wir vielleicht in den nächsten beiden Teilen, so sie zustande kommen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.