Neue "Bridgerton"-Folgen: Sexszenen, Hochzeitsglocken und England ohne Regen
Bunte Törtchen türmen sich auf Etageren, die üppige Blumendeko wird noch schnell zurechtgerückt und die letzte dreckige Schuhsohle hastig abgeputzt – Eingeweihte wissen, was das bedeutet: Eine neue Saison von „Bridgerton“ ist eingeläutet.
In der vierten Staffel der erfolgreichen Netflix-Serie, deren erste Hälfte nun abrufbar ist, soll Benedict (Luke Thompson), der zweitälteste der Bridgerton-Söhne, unter die Haube kommen. Eigentlich vergnügt er sich lieber in fremden Betten – bis er auf einem Maskenball die geheimnisvolle Sophie (Yerin Ha) kennenlernt. Am Ende, mit dieser Prognose lehnt man sich nicht weit aus dem Fenster, werden wohl auch hier die Hochzeitsglocken läuten – unter den wachsamen Augen von Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern. Seit dem Start im Jahr 2021 ist „Bridgerton“ ein Riesenhit für Netflix, die Staffeln 1 und 3 residieren auf den Plätzen 7 und 9 der populärsten Serien des Streamingdienstes.
Verwunderlich ist das kaum: Schließlich ist der Stoff, der auf Romanen der US-Amerikanerin Julia Quinn beruht, in guten Händen – Produzentin Shonda Rhimes steckt auch hinter dem nicht totzukriegenden Krankenhaus-Hit „Grey’s Anatomy“.
Und so wird auch die aktuelle „Bridgerton“-Staffel wieder die Fan-Herzen höher schlagen lassen: Verzückt kann man hier ins heile Fantasie-London der Regency-Ära eintauchen und vor den Bildschirmen schmachten, wenn sich die Liebenden endlich in den Armen liegen. Probleme, für die sich nicht innerhalb von acht Episoden eine Lösung fände, gibt es nicht.
Die Serie vereint die Sonnenseiten einer kitschigen Historienromanze (die Kostüme! Die schönen Menschen! England ohne Regenwetter!) mit einem modernen Anstrich. Zumindest ein bisschen. Das oberste Ziel ist schließlich immer noch die Eheschließung und die Produktion eines männlichen Erben. Und die Protagonisten gehören selbstverständlich zur gut betuchten Oberschicht.
Diese wurde dafür divers besetzt: So ist die Queen (Golda Rosheuvel) eine Woman of Color, mit Nicola Coughlan gab bereits eine mehrgewichtige Person den Love Interest, und die Protagonistin der vierten Staffel wurde mit einer asiatischstämmigen Schauspielerin, Yerin Ha, besetzt.
Knistern am Maskenball: Benedict Bridgerton (Luke Thompson, re.) verliebt sich in die mysteriöse Sophie (Yerin Ha).
Korsett
Für den zeitgemäßen Touch sorgt auch die Musik: Hits von Stars wie Taylor Swift, Billie Eilish oder Ariana Grande werden in klassisches Gewand gepackt. Und natürlich sind da die vielen Sexszenen, in denen die weiblichen Figuren (und Zuschauerinnen) auf ihre Kosten kommen dürfen.
Die Protagonistinnen schielen auch in ihren Aussagen ins 21. Jahrhundert: Benedicts Schwester Eloise beschwert sich regelmäßig lautstark über das Korsett der gesellschaftlichen Erwartungen gegenüber Frauen. Doch alles im Rahmen – am Schluss muss schließlich geheiratet werden.
„Bridgerton“ ist ein Märchen und so ist es nur konsequent, dass die Handlung nun auch an ein solches angelehnt ist: Die neuen Folgen sind von Aschenputtel inspiriert (inklusive klischeehaft böser Schwiegermutter). Anstelle eines Schuhs wird jedoch ein Handschuh verloren. So vorhersehbar wie die Handlung ist auch die Sogwirkung: „Bridgerton“ kann man sich nur schwer entziehen.
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