Babler und die Medienkompetenz: Auftritt in neuem Puls4-Magazin

Ein Mann und eine Frau im Fernsehstudio
Der Medienminister war zu Gast bei "Breaking Media" und sprach übers Thema Social-Media-Verbot. Das Thema Medienkrise fand hauptsächlich im Stream bei Joyn statt.

* Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Ein neues Medienkompetenzmagazin muss natürlich mit einem Interview mit dem Medienminister starten. Muss es das? Es könnte natürlich auch ein Medienexperte oder eine Medienexpertin sein, es geht schließlich um Medienkompetenz.

Vielleicht würden solche Experten auch die Gegenfrage stellen, warum man so ein neues Magazin als „Medienkompetenzmagazin“ bezeichnet, wäre doch gewachsene Medienkompetenz ohnehin die Folge, wenn man Berichterstattung über Medienerscheinungen verfolgt. Puls4 hat sich aber bewusst zum Ziel gesetzt, mit „Breaking Media“ die „digitale Selbstbestimmung“ der Zuseherinnen und Zuseher zu stärken. Auf verständliche Weise soll die Medienlandschaft beleuchtet werden, mit dem Blick über den nationalen Tellerrand hinaus. „Praxisnahe Tipps zur kritischen Mediennutzung“ werden versprochen.

Puls4 hat sich jedenfalls dazu entschieden, zum Start von „Breaking Media“ Andreas Babler einzuladen.

"Das mache ich einfach"

Auf die Frage von Moderatorin Gundula Geiginger, ob er im Rahmen eines Social Media-Verbots für Jugendliche auch Whatsapp und die Spieleplattform Roblox verbieten würde, sagt der Medienminister und Vizekanzler: „Es ist für mich denkbar und ich greife aber immer zurück auf die Expertise – das mach ich einfach – von Menschen, die sich tagtäglich damit beschäftigen.“

Diese Experten haben ihm offenbar auch empfohlen, Parteifernsehen über Youtube zu machen. Auch über SPÖ Eins hat Geiginger mit Babler gesprochen. Aber dazu muss man sich die Langversion auf Joyn ansehen.

Daher zurück zum Social-Media-Verbot für Jugendliche. Babler erkennt darin „eines der größten Probleme, demokratiepolitisch aus der Kindersicht“. Kinder sollen nicht gestraft werden, die Bundesregierung wolle sie schützen, meint Babler, "und gleichzeitig auch die Eltern sozusagen schützen und die Plattformen in die Verantwortung nehmen".

Er sei dabei für „große Geschwindigkeit“, sagt Babler. „Es muss wahnsinnig schnell gehen, bei Meta zum Beispiel sei „viel verschlafen worden beim Kinderschutz“. Wenn es auf europäischer Ebene zu lange dauert, dann müss ma auch nachdenken über Altersbeschränkung im Social Media Bereich, weil wir wissen, was hier mit unseren Kindern passiert. Wie ungeschützt sie manchmal sind“, sagt Babler. 

Was unter „zu lange“ verstanden wird, beantwortet der Vizekanzler mit: „Na, dass wir heuer noch vorgehen.“

Pröll preschte vor

Mittlerweile ist ihm aber Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll von der ÖVP vorgeprescht - nachdem SPÖ-Staatsschutzstaatssekretär Jörg Leichtfried vorgeprescht war. Im Ö1-"Morgenjournal" sagte Pröll bereits Dienstagmorgen, dass ein Social Media Verbot für unter 14-Jährige noch mit Beginn des neuen Schuljahres in Kraft treten soll. Bis dahin wolle man schon „konkrete Umsetzungsschritte getätigt haben“. 

Ob geplant oder ungeplant, war das ein klassisches Abschießen des Interviews mit Babler, das „aus Termingründen“ bereits am Montag geführt worden war. Der SPÖ-Chef konnte also nicht einmal darauf reagieren. Vielleicht lernt das Medienkompetenzteam um „Breaking Media“ daraus ja, dass Inhalte heutzutage sehr schnell altern können.

Im Meldungsblock wurde die Wortmeldung Prölls aber freilich aufgegriffen.

"Demokratiepolitisch wichtig"

Zurück zum Gespräch mit Babler. Auf die Frage von Moderatorin Geiginger, ob er Social Media die gleichen medienrechtlichen Richtlinien wolle wie bei klassischen Medien, sagte er: „Genau. Wir sehen auf der europäischen Ebene, das wir beispielsweise den Digital Service Act haben, das ist ein Grundgerüst, das die Basis geben könnte, aber er ist zu wenig stark.“ Er fordere daher, „dass wir eine europäische Lösung brauchen und wenn nicht dann muss man nationalstaatliche Maßnahmen überlegen. Wohlwissend, dass es sehr schwer ist – aber es ist demokratiepolitisch vor allem wichtig.“

Auch das von Babler veranstaltete „Forum Medienverantwortung“ sprach Geiginger an. Sie wollte wissen, welche Vertreter von sozialen Medienplattformen dabei gewesen seien.

Hier lavierte Babler etwas herum, erwähnte, das der Eindruck entstanden sei, dass es bei Beschwerden, die bei derlei Plattformen eingebracht werden, oft nicht einmal eine Antwort gebe.

Keine Antwort gab Babler zunächst auch auf die Frage nach den Stakeholdern beim „Forum Medienverantwortung“. Auf Nachfrage nannte er als Beispiel, das Vertreter von Meta anwesend gewesen seien.

Medienkrise - nur auf Joyn

Aber wie bereits erwähnt, konnte man manche Inhalte des Gesprächs nur auf Joyn sehen. Und die betrafen hauptsächlich jene große Medienkrise, die im einleitenden Beitrag behandelt wurde. Warum es dann im Magazin hauptsächlich um das Social-Media-Verbot für unter 14-jährige ging, muss man wiederum der Medienkompetenz der Sendungsmacher überlassen.

 

Babler kämpfe jedenfalls dafür, „Medien mehr Resilienz zu geben“. Dazu gelte es, die Medienförderung aufzustellen. Bisher glänzte die Regierung aber in diesem Bereich eher damit, den Geldhahn schmaler fließen zu lassen, Stichwort: Deutliche Reduzierung der Inserateschaltungen.

Geiginger sprach an, dass der Medienminister damit vor allem die Boulevardmedien gegen sich aufgebracht habe und daher seither schlechte Presse bekomme. Eingeblendet wurden (wie gesagt nur auf Joyn) Schlagzeilen wie „SPÖ könnte mit Kern sogar eine Kurz-ÖVP überholen“ („Krone“) oder, „Regierung ruiniert Österreichs Medien“ (oe24).

Auch Geiginger fragte, ob die Streichung von Inseraten nicht „ein weiterer Nagel im Sarg“ der klassischen Medien sei.

Babler meinte, dass ein Wildwuchs an Inseraten der Demokratie nicht gut tue – wo ihm ja durchaus beizupflichten ist. Die Beteuerung, dass im Gegenzug sogar mehr Geld an Qualitätsförderung fließe, klingt gleich weniger überzeugend.

Die Medienberichte wolle er jedenfalls nicht kommentieren, weil ihm als Medienminister nicht zukomme, die Berichterstattung zu beurteilen. Hier verwies Babler wieder auf sein Expertenteam.

Puls 4 wiederum zeigte Babler einen Tiktok-Clip, in dem er sehr wohl auf medial erhobene Vorwürfe antwortete. Es ging dabei um Inserate bei Social-Media-Plattformen. Es sei wichtig in diesen Kanälen vorzukommen – auch um Sachen richtigzustellen, meinte Babler. Diese Präsenz müsse man aber davon unterscheiden, wie man politisch das Regelwerk für diese Plattformen bewerte.

Babler arbeitet auch "während ich hier sitze"

Wichtig sei ihm die neue Vertriebsförderung, und das Digitalabo für junge Menschen, um „die Medienkompetenz zu stärken, dass sie besser geschützt sind und erkennen, wann ein Algorithmus hinter einer Nachricht steht.“

Und wann das komme, will Geiginger wissen.

Babler: „Wir arbeiten, während ich hier sitze, auch mit meinem Team, dass wir das schnell umsetzen.“

Die Medienkompetenz dürfte bei 99 Prozent der Zuschauenden groß genug zu sein, um einzuschätzen, dass das ein bisschen schiefes Bild ist. Die Bilokation beherrschen zu können, also an zwei Orten gleichzeitig zu sein, wird von Babler niemand verlangen.

Gehirnfäule

„Breaking Media“ beleuchtete in einem weiteren Beitrag die Auswirkungen von Social-Media-Nutzung auf kognitive Fähigkeiten (Stichwort: „brain rot“) und befragte dazu den IT-Trainer Daniel Wolf. Der riet unter anderem: „Wenn ich mich richtig konzentrieren will, muss ich Tiktok zum Beispiel für eine Weile löschen.“ Jugendliche seien da aber kurioserweise „Profis, die kennen ihre Droge ziemlich genau.“

Weitere Praxistipps bringt „Breaking Media“ jeweils dienstags um 22:20 Uhr auf Puls 4, samstags auf Puls 24 und im Stream auf Joyn. Als Gäste in kommenden Sendungen sind Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP), profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer oder Medienmanager Gerhard Zeiler (Time Warner International) angekündigt.

Kommentare