„Bergdoktor“-Ersatz im ZDF: Doris Schretzmayer als neue Tierärztin

Am 26. März und am 2. April laufen im ZDF-Hauptabend zwei Pilotfolgen von „Die Maiwald“. Hauptdarstellerin Doris Schretzmayer spricht über ihre neue TV-Rolle als Landtierärztin.
„Bergdoktor“-Ersatz im ZDF: Doris Schretzmayer als neue Tierärztin

Da der „Bergdoktor“ nicht das ganze Jahr ordinieren kann, braucht das ZDF nach dem Auslaufen der Krankenhausserie „Doktor Ballouz“ für den Sendeplatz am Donnerstag frische Ware fürs Gemüt. Derzeit werden zwei neue Formate mit Pilotfilmen ausprobiert. Neben „Einfach Elli“ ist dies „Die Maiwald“ mit Doris Schretzmayer als vielbeschäftigter Tierärztin im Salzburger Land.

Die Szenerie ähnelt dem „Bergdoktor“, statt dem Wilden Kaiser dient das Hochkönigmassiv als alpine Kulisse. Gedreht wurde in Maria Alm und Umgebung. Für die gebürtige Tullnerin (NÖ), die viel in Deutschland dreht, ist es auch eine Art Heimkommen, hatte sie ihre erste Fernsehhauptrolle doch 1997 in der Krimiserie „Die Neue“, die im oö. Salzkammergut spielte. „Da kamen schon Erinnerungen“, sagt Schretzmayer im Gespräch. „Grundsätzlich drehe ich gerne am Land, weil es weniger Ablenkungen gibt. Wenn man viel arbeitet, will man eher Ruhe.“

MEHR: Weiter unten finden Sie die Langversion. Darin spricht Doris Schretzmayer auch über Rollen für Frauen über 50 und darüber, dass sie bei der „Braunschlag“-Fortsetzung nicht zum Zug kam.

Viel zu tun

Auch Dr. Johanna Maiwald hat alle Hände voll zu tun, schupft sie ihre idyllisch gelegene Praxis doch alleine – vom verletzten Hunderl bis zur ausgewachsenen Kuh mit Blähungen ist alles zu unter- und besuchen. Nach Verstärkung wird eifrig gesucht, doch die meisten winken sofort ab, wenn sie den entlegenen Arbeitsort erfahren. „Diese Problematik gibt es tatsächlich“, sagt Schretzmayer. Bei der Vorbereitung hätten ihr Tierärztinnen berichtet, dass man in der Stadt für eine Kastration doppelt so viel verlangen könne. Am Land wäre das „einerseits zu teuer, andererseits geht man auf einem Hof auch anders mit Tieren um als jemand, der in einer Stadtwohnung mit Katze oder Zwergpudel wohnt. Es geht sicher auch um die Verdienstmöglichkeiten.“

Ein Tierarzt untersucht eine braune Katze auf einem Behandlungstisch in einer modern ausgestatteten Praxis.

Den frisch von der Uni kommenden Dr. Kami Karner (Atrin Haghdoust) bringt die Maiwald nur mit einem Trick zum Vorstellungsgespräch – was zu dicker Luft führt. Schretzmayer über den deutsch-iranischen Schauspielkollegen: „Atrin und ich, wir sind ein Spitzenteam. Sobald ein Tier reinkommt, schalten wir auf Ruhe und reden nur noch ganz wenig. Wir tunen uns quasi energetisch auf das Tier ein.“

Intensiv habe sie sich auf die Arbeit mit Kühen vorbereitet. „Wir haben eine Woche lang bei den Kühen gedreht. Das war für mich eine der schönsten Drehwochen. Man muss aber wissen, wo man besser nicht stehen soll und auf welche Mini-Signale man achten soll.“

Neben zwischenmenschlichen Konflikten und Herzensangelegenheiten werden auch gesellschaftliche Probleme und Lokalpolitik angesprochen. Schließlich ist Maiwalds Bruder (Michael A. Grimm) der Bürgermeister. „Es bleibt natürlich ein moderner Heimatfilm“, sagt die Schauspielerin, „Konflikte werden so erzählt, wie es in diesem Rahmen möglich ist. Mir war wichtig, dass Johannas Haltung sichtbar wird – wenn zum Beispiel ihr Bruder einen neuen Lift bauen will. Falls es tatsächlich zu einer Reihe ausgebaut wird, hoffe ich, dass wir ihre Ansichten weiter ausbauen, um ihr ein klareres Profil zu geben.“

Zwei Frauen stehen in einer Tierarztpraxis, eine hält einen Vogel, während die andere ihn untersucht.

Uschi Glas an Bord

In den ersten zwei Filmen spielen mit Uschi Glas und August Schmölzer zwei Schauspielroutiniers mit. Mit Glas habe sie zum ersten Mal gearbeitet, erzählt Schretzmayer. „Ich bin von ihr begeistert. Sie war wirklich sehr offen und angenehm im Spiel, weil sie so

fit und lustig ist. Man weiß auch sehr schnell, woran man bei ihr ist, und kann sehr offen mit ihr sprechen.“

Offen spricht Schretzmayer auch darüber, warum sie nach der ORF/Sat1-Koproduktion „Die Neue“ vorwiegend im Nachbarland gebucht wurde: „In Deutschland waren sofort viele Türen offen für mich. In Österreich war ich vielleicht eine Zeit lang noch die Moderatorin (u. a. Ö3, Anm.), dieses Etikett wollte man nicht so schnell beiseitelegen.“

Eine Frau und ein Mann stehen in einem Stall bei einer braun-weißen Kuh und unterhalten sich ernst.

Beim Casting für „Die Maiwald“ habe sie „schon das Österreichische ausgepackt. Grundsätzlich bin ich es ja gewohnt, dass ich im Beruf so rede, dass man das Österreichisch nicht gleich hört. Das ist im deutschen Fernsehen oft wichtig. Aber in diesem Fall dachte ich: Entschuldige, sie wohnt in Salzburg, da kann ich auf jeden Fall Niederösterreichisch reden“, meint sie mit einem Lachen. Beim Dreh fand sie es „schön, wenn ich gefragt wurde: Wie würdest du als Österreicherin das jetzt sagen?“

Ob sie auch in weiteren Folgen als Dialekt-Beraterin fungieren kann, sollte sich bis Ende April entscheiden.

Frau mit locker hochgesteckten Haaren sitzt lächelnd an einem Holztisch und stützt den Kopf auf die Hand.

Langfassung des Interview mit Doris Schretzmayer 


KURIER: Wie ist es zur Zusammenarbeit für "Die Maiwald" gekommen?
Doris Schretzmayer: Also in dem Fall wirklich ganz klassisch, es kam eine Anfrage an meine Agentur von der Casting-Direktorin. Ich habe mir das sofort vorstellen können und
hatte viele Bilder im Kopf

Wollte man bewusst eine Österreicherin für die Titelrolle haben?
Soweit ich weiss, gab es einige deutsche Schauspielerinnen in
der Auswahl, vielleicht ist man durch mich auf den Geschmack gekommen. Ich habe
beim Casting schon das Österreichische ausgepackt. Grundsätzlich bin ich es ja gewohnt,
dass ich im Beruf so rede, dass man das Österreichisch nicht gleich hört. Das ist im deutschen Fernsehen oft wichtig. Aber in diesem Fall dachte ich: Entschuldige, sie wohnt
in Salzburg, da kann ich jeden Fall Niederösterreichisch reden. (lacht) Dieser Charme, den
diese Sprache hat, ist gut angekommen.


„Die Neue" hat ja auch in einer ähnlichen Gegend gespielt.
Als ich gehört habe, dass das im Salzburger Land spielt,
habe ich mir schon gedacht: Das ist jetzt aber lustig, weil es jetzt fast 30 Jahre her ist. Da
kamen schon Erinnerungen. Aber es ist eine ganz andere Landschaft. Grundsätzlich drehe ich gerne am Land, weil es weniger Ablenkungen gibt. Wenn man viel arbeitet, will
man eher Ruhe und muss nicht am Abend auch noch ins Kino gehen oder jemanden treffen.


Aber die Maiwald hat ja auch alle Hände voll zu tun.
Oh ja, da gibt es durchaus Parallelen!
 

Ist es generell so angedacht, dass immer wieder gesellschaftliche Probleme am Rande vorkommen?
Es bleibt natürlich ein moderner Heimatfilm, Konflikte werden so
erzählt, wie es in diesem Rahmen möglich ist. Es wird auch gezeigt, wie man sich untereinander Sachen zuschachert, das ist auf der ganzen Welt so und natürlich auch am
Land. Mir war auch wichtig, dass Johannas Haltung zu verschiedenen Dingen sichtbar
wird. Wenn zum Beispiel ihr Bruder einen neuen Lift bauen will, dann sollte die Maiwald auch eine klare Haltung dazu haben und ihre Meinung vertreten. Falls es tatsächlich zu einer Reihe ausgebaut wird, hoffe ich, dass wir ihre Ansichten weiter ausbauen, um ihr ein klareres Profil zu geben. 

Es wird das Problem angesprochen, dass es schwer ist, Tierärzte zu finden, die dort hingehen.
Diese Problematik gibt es tatsächlich. Ich habe mich mit zwei
Tierärztinnen vorbereitet, die gemeinsam eine Praxis führen. Die eine macht die Großtiere, die andere macht die Haustiere. Im Film ist es anders, da macht die Maiwald sozusagen alles. Die Tierärztin, die die Kleintiere macht, hat erzählt, dass sie für eine Kastration 170
oder 180 Euro verlangt. Aber in Salzburg Stadt würde es das doppelte kosten. So einen Preis könnte sie aber niemals von einem Bauern verlangen, da würde keiner die Katze kastrieren lassen. Einerseits wäre das zu teuer, andererseits geht man auf einem Hof auch anders mit Tieren um, als jemand, der in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit einer Katze oder mit einem Zwergpudel wohnt. Es geht sicher auch um die Verdienstmöglichkeiten. Johanna ist bestimmt nicht reich.
 

Aber die Praxis ist trotzdem immer voll.
Die Praxis ist voll, weil hier niemand sonst den Job machen will.

Das heißt, sie haben sich vorher auch diese tägliche Arbeit ein bisschen angesehen?
Ja, vor allem bei den Kühen. Wir haben eine Woche lang bei den
Kühen gedreht. Das war für mich eine der schönsten Drehwochen, ich mochte die Bauern von dem Hof sehr und das lag nicht nur an dem frischen Kuchen, den wir täglich
bekommen haben. Und auch mit dem Tier ist es schön zu drehen, das macht Spaß. Man muss aber wissen, wo man besser nicht stehen soll und auf welche Mini-Signale man achten soll.

Inwieweit hat das für sie auch den Blick auf die Tiere geändert?
Die Vorbereitung hat ein bisschen meinen Blick auf die Tiere verändert. Ich mag Tiere grundsätzlich gern, obwohl ich keine Haustiere mehr habe. Tiere
sind wie Menschen Lebewesen, die viel erlebt haben. Und wenn ungute Dinge dabei waren, können diese durch das Gegenüber aktiviert werden. Wenn man als Mensch
schlechte Erfahrungen gemacht hat und jemand triggert dann etwas, das diesen Menschen an etwas Negatives erinnert, dann wird die Beziehung eher konfliktbeladen
sein. Bei Tieren ist das ähnlich, nur, dass sie es noch weniger ausdrücken können. Wenn
sie sich unwohl oder bedroht fühlen, können sie treten, beißen, oder was ihnen sonst zur Verfügung steht.

Gibt es da generell Anekdoten zu erzählen vom Dreh?
Man weiß ja, dass Katzen immer das machen, was sie selbst wollen und selten das, was der Besitzer oder die Besitzerin möchte. Wir hatten immer eine Tiertrainerin oder einen Tiertrainer am Set. Bei den Katzen waren es zwei Frauen. Diese
beiden Katzen sollten krank wirken, also einfach so da liegen, als wären sie ganz marod. Den Katzen ging es aber wahnsinnig gut bei uns am Set, sie waren quietschvergnügt
und sehr interessiert an Allem.

Wirklich nachhelfen darf man da ja nicht, oder?
Nein, auf gar keinen Fall. Mit Thunfischpaste ja, aber Medikamente natürlich nicht. Wann iimmer irgendetwas nur ansatzweise gelungen ist, hat die
Tiertrainerin die Katze schon damit gefüttert. Auch da muss man Illusionen zerstören: Es funktioniert alles übers Fressen. Und die Tiertrainerin hat eine ausgeklügelte
Zeichensprache angewendet. Ausserdem durfte ich die Katze nur zu ausgewählten Zeiten berühren. Dass man sich diese Tiere dauerhaft gefügig machen will, funktioniert nicht, das ist die falsche Taktik und davor habe ich auch Respekt. Man will als Mensch ja
auch nicht von jedem überm Kopf gestreichelt werden. (lacht)

Eine neue Umgebung ist auch schwierig bei Katzen.
Mein Kollege Atrin Haghdoust, der den Kami Karner spielt, und ich,
wir sind ein Spitzenteam. Sobald ein Tier reinkommt, schalten wir auf Ruhe und reden nur noch ganz wenig. Wir tunen uns quasi energetisch auf das Tier ein. Da haben wir uns in der Arbeit wirklich gefunden, das ist ja nicht selbstverständlich.

Muss man beim Drehen mit Tieren mehr Zeit einkalkulieren?.
Eigentlich nicht, wir haben ein sehr straffes Drehpensum. Es gibt ja leider allgemein immer weniger Drehtage. Ein Tartort hat mittlerweile meist 20 bis 21. Und wir hatten 18. Da bin ich jeden Tag 12 Stunden am Set. Der Bergdoktor hat 16, aber die sind halt total eingespielt, mit immer gleichen Drehorten. Auch wir haben in der Praxis, die in einen Stadl reingebaut wurde, durchgehend 2,5 Wochen gedreht. Auch die anderen Drehorte sind rund um Maria Alm gewesen. Der maximale Anreiseweg war fünf Kilometer.

Wie ist Ihr Gefühl, ob das als Reihe weitergeht?
Bis Ende April wird eine Entscheidung getroffen, Einschaltquoten
werden berücksichtigt und alle Klicks in der Mediathek gezählt.

Um noch einmal über die Rolle zu sprechen. Man hat das Gefühl, dass die Maiwald sich am wenigsten um sich selbst kümmert.
Das gibt es als Phänomen, dass Ärzte sich sehr gut um andere Menschen kümmern können, aber um ihre eigene Gesundheit gar nicht so sehr. In dieses Muster fällt sie auch. Sie liebt einerseits diesen Beruf, aber die eigene Überforderung bekommt sie gar nicht mit. Es geht ja vielen Menschen so, dass sie zum Beispiel ein Burnout erst sehr spät realisieren.

Wie sehen Sie den zurückgekehrten Reindlbauer Junior?
Der ist als Love Interest angelegt, aber wir wollten die Maiwald als Frau Anfang 50 etablieren, die jetzt gerne allein lebt. Wir alle fanden es nicht gut, sie sich gleich verlieben zu lassen.

Und der Physiotherapeut?
Der ist eher on-off, Freundschaft plus, minus. Ich habe es sehr
genossen, dass sie bei Beziehungen ambivalent ist. Ja, nein, vor, zurück. Ich fände interessant, das noch auszubauen.

Wie war das Teamgefüge?
Die Hälfte des Teams war deutsch, mit vielen Norddeutschen, und die andere Hälfte bestand aus Österreicher. Da gab natürlich auch Unterschiede im Humor. (Lacht). Aber wir haben uns gut zusammengefunden.

War das auch bei der Regie so?
Tina Kriwitz ist auch Norddeutsche. Sie ist Tieren gegenüber eher zurückhaltend und war froh, dass sie eine Hauptdarstellerin hatte, die gar keine Berührungsängste hatte. Es gibt viele Menschen, die beim Kontakt mit Kühen eher Sorgen
haben. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ich wurde bewusst auch als Österreich-Botschafterin eingesetzt und akzeptiert. Das betraf zum Beispiel den Akzent, wo man beim Deutschen die Spitzen ein bisschen runternehmen musste, damit die Unterschiede nicht so riesengroß sind. Wenn ich den Humor zu trocken fand, habe ich auch gesagt, wie man das mit österreichischer Färbung auflockern könnte. Ich fand es schön, wenn ich gefragt wurde: Wie würdest du als Österreicherin das jetzt sagen? Für die bayerischen
Kollegen war das natürlich einfacher.

Wie war es mit Uschi Glas zu drehen?
Ich hatte noch nie mit ihr gearbeitet und bin von ihr als Schauspielerin und Mensch begeistert. Wir hatten immer wieder Textänderungen, es ist auch für Dreißigjährige nicht ohne, längere Szenen umzubauen. Aber sie macht das mit Freude und Konzentration. Sie hat natürlich den jungen Kolleginnen mit all ihrer
Erfahrung Tipps gegeben. Sie war wirklich sehr offen und angenehm im Spiel, weil sie so fit und lustig ist. Man weiß auch sehr schnell, woran man bei ihr ist und kann sehr offen
mit ihr sprechen.

Wenn man in Ihre Vita schaut, dann sind da viele Rollen im deutschen Fernsehen. Woran liegt das?
Das war bei mir von Anfang an so, keine Ahnung warum. Als ich
"Die Neue" gedreht habe, war ich 24, das war eine Koproduktion von ORF und SAT 1. In Deutschland waren sofort viele Türen offen für mich. In Österreich war ich vielleicht eine Zeit lang noch die Moderatorin, dieses Etikett wollte man nicht so schnell beiseitelegen. Ich war dann von 2000 bis 2006 in Berlin.

In „Braunschlag“ haben Sie eine Psychologin gespielt.
Ich spiele sehr gern Psychologinnen. Bei Braunschlag war das ja eine Tantra-Therapeutin. David Schalko wollte diese Figur eigentlich wieder aufleben
lassen, aber aus Budgetgründen musste einiges gekürzt werden, und dem ist auch meine Rolle leider zum Opfer gefallen. Schade ..

Warum spielen sie gern Psychologinnen?
Weil das meist sehr schlaue Frauen sind und weil ich psychologische Konzepte sehr interessant finde. Ich erarbeite mir auch meine Rollen gern psychologisch. irgendwann muss man das natürlich über Bord werfen, weil Psychologie kann man nicht spielen. Aber ich beschäftige mich in der Vorbereitung gern damit. Wenn ein Mensch verschiedene Dinge erlebt hat, welchen Einfluss hat das auf bestimmte Begegnungen? Ich baue mir für meine Figuren schon eine Psychologie im Hintergrund.
Zum Beispiel: Wer war das Lieblingskind vom Vater oder von der Mutter und welche
Prägungen und Werte sind durch welche Erfahrungen entstanden?

Mit dem Theater haben Sie spät begonnen.
Ja, das habe ich mich vorher nicht getraut. Weil ich einige Schauspieler, die vom Film kamen, auf der Bühne gesehen habe und sie nicht so überzeugend fand. Erst als ich gewusst habe, ich kann das ausfüllen und tragen, hab ich das gemacht, mein Debüt hatte ich im Rabenhof. Aber ich würde gerne wieder auf der Bühne spielen.

Gibt es im Film noch immer zu wenig Hauptrollen für Frauen?
In dieser Hinsicht war meine Laufbahn immer etwas
durchwachsen. Da gab es öfter zwei, drei tolle, größere Rollen hintereinander und dann wieder weniger. Das ging immer so hin und her. Zwischen 35 und 40 waren es weniger Rollen nach meinem Gefühl. Das ist individuell verschieden, generell wird derzeit etwas weniger produziert als vor ein paar Jahren.

Ist es für Frauen über 50 schwierig, gute Rollen zu bekommen?
Eine Freundin von mir hat gesagt hat, es gibt jetzt viele Rollen für
ältere Schauspielerinnen. Sie meinte damit "Baby Girl" mit Nicole Kidman, oder "The Substance" mit Demi Moore. Es stimmt, das sind beides tolle Rollen, vor allem "Baby Girl" finde ich psychologisch sehr spannend. Aber mich würde interessieren, wie diese Filme
ausschauen, wenn sie eine Schauspielerin spielt, die wirklich so aussieht, wie sie mit Ende 50 oder Anfang 60 aussieht - wenn sie also nicht so viele Eingriffe gehabt hat. Aber da sind wir so schnell wieder bei einer Wertung. Die, die etwas machen haben lassen sind ja
auch nicht böse. Das Aussehen spielt bei Frauen halt eine größere Rolle. Vielleicht gewöhnt man sich daran, dass jetzt Frauen in diesem Alter so ausschauen müssen wie
Nicole Kidman. Aber da gibt es glücklicherweise auch Gegenbewegungen. Ich bin
jedenfalls in der Gegenbewegung. (lacht)

Und es geht auch darum, wie viele Rollen es überhaupt gibt.
Eine Kollegin und Freundin, sie ist 65, hat gerade in einem deutschen Fernsehfilm eine Hauptrolle gespielt, die ursprünglich für einen Mann geschrieben war. Drei Wochen vor Drehbeginn hieß es: Wir haben schon so viele Männer
drin, wir schreiben das jetzt um für eine Frau. Und dann hat sie das gekriegt. Auch das gibt es – eine Rolle für Männer weniger. Sie werden es verkraften (lacht)

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