Vater Milo (Murathan Muslu) und Tochter Alma (Alina Schaller)

© ORF/Hubert Mican

Kultur Medien
09/23/2019

Alina Schaller: Ein "Vorstadtweibchen" mischt mit

2017 war Alina Schaller die jüngste Nominierte beim Nestroy. Ab heute ist sie Alma, die Revoluzzerin in der Vorstadt (20.15, ORF1).

Im Kindertheater hat Alina Schaller erste berufliche Erfahrungen gemacht, eine Theater-Schule aber nicht besucht. Trotzdem steht die 22-Jährige aus Purkersdorfer bei Wien heute auf Bühnen und gibt am Montag als Alma in der vierten Staffel der „Vorstadtweiber“ ihren Einstand (20.15, ORF1). Ein Interview über den Einstieg in die Schauspielerei und ungewöhnliche Wege zu ersten Erfolgen.

KURIER: Wer ist Alma?

Alina Schaller: Alma ist ein junges Mädchen, das aus München in die Vorstadt Wiens zieht. Sie war dort eine freche Revoluzzerin – wie man sich als Teenager eben gegen seine Eltern wendet. Almas Mutter, die von Brigitte Hobmeier gespielt wird, ist sehr bedacht auf ihr Image und das der Familie. Ihr Vater Milo, den Murathan Muslu spielt, ist ein cooler „Gangster-Typ“. Alma steht also direkt zwischen dem Vater, der sie unterstützt, und der Mutter, die sie in ein Korsett zwängt.

Sie sind einer von mehreren Neuzugängen. War es schwer, in ein eingespieltes Team einzusteigen?

Es sind ja viele Schauspieler neu dazugekommen – neben Hobmeier zum Beispiel auch meine Serien-Großmutter Andrea Eckert. Es ist eine Riesenfreude, wenn man mit den „Vorstadtweibern“ spielen kann. Weil sie ein eingespieltes Team sind, ist da eine ganz andere Energie am Set. Es ist toll, ich bin 22 Jahre alt und darf mit Andrea Eckert und Nina Proll spielen. Diese Leute haben einen Riesennamen, eine große Karriere und tolle Erfahrungen gemacht. Es ist echt schön, an diesem Kuchen ein bisschen „mitknabbern“ zu können.

Macht das auch nervös?

Das macht eher Freude.

Was ist as Spannende an der Rolle der Alma für Sie?

Als Schauspielerin kann man in so viele verschiedene Leben hineinschnuppern. In jeder Rolle gibt es einen kleinen Lebenstipp, den man in die Tasche gesteckt bekommt und mitnehmen kann. Von Alma habe ich mitgenommen, dass man zu sich stehen muss. Egal, wie furchtbar das Umfeld ist. Egal, wie oft dir dieses Umfeld sagt: „Das, was du tust, passt hier nicht her“. Alma sagt trotzdem: „Hey, das ist mein Leben, und du nimmst mir das nicht weg.“ Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es wird noch spannend, weil sie sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für einen anderen Menschen einsetzen muss.

Haben Sie selbst im Vorfeld „Vorstadtweiber“ geschaut?

Ja. Ich habe früher mit meiner Mutter jeden Montag „Desperate Housewives“ geschaut. Immer. Daher habe ich mich über ein „Desperate Housewives auf Österreichisch“ irrsinnig gefreut. Dazu kommt, dass ich die österreichische Schauspielerszene interessant finde. Ich musste diese Serie schauen!

Schauen Ihre Freunde Ihre Projekte?

Schon, ja. Grundsätzlich ist es nicht selbstverständlich, dass man von seinen Freunden und seiner Familie so unterstützt wird. Ohne dieses liebevolle Umfeld und alle Menschen, die meine Arbeit schön finden, wäre ich nie so weit gekommen. Klar ist es bei TV-Produktionen viel leichter, einfach seinen Fernseher einzuschalten. Da braucht man keinen Termin. Deswegen schauen meine Freunde glaube ich eher die Fernsehproduktionen.

Die haben auch eine größere Breitenwirkung. „Vorstadtweiber“ ist ja eine der erfolgreichsten österreichischen Serien.

Das habe ich, glaube ich, etwas unterschätzt. Als ich die Rolle bekommen habe, habe ich mir schon gedacht: „Geil!“. Aber ganz realisiert habe ich es nicht. Ich war mir bis zum ersten Drehtag nicht wirklich sicher, ob das jetzt tatsächlich passiert. Es war so irre, weil es so schnell und unkompliziert geklappt hat.

Wie sind Sie dazu gekommen? Wie war da der Auswahlprozess?

Meine Agentin hat mich angerufen und gesagt, dass ich ein Casting für „Vorstadtweiber“ habe. Dort war auch schon Regisseurin Mirjam Unger. Normalerweise hat ein Casting mehrere Runden und es sitzen dort vier Mädchen, die genauso aussehen wie man selbst. Aber dort war außer mir niemand und man hat sich viel Zeit für mich genommen. Und dann kam die Zusage. Ich habe mir gedacht: „Was? So einfach?“

Das ist nicht der Normalfall.

In diesem Beruf arbeitet man echt hart, und es gibt oft Phasen, in denen man nicht gewollt wird und Niederlagen einstecken muss. Man muss eine Kämpfernatur sein. Das ist das Interessante an diesem Job, dass man einerseits diese dicke Haut braucht, und gleichzeitig wahnsinnig verletzlich sein muss, wenn man auf der Bühne oder vor der Kamera steht. Da braucht man eine ganz dünne, feine Emotionalität. Das müssen vor allem junge Menschen in dieser Branche erst lernen, den Schalter umzulegen.

Sie haben während der Dreharbeiten auch in „Schlafende Männer“ im Schauspielhaus gespielt. Spielen Sie auf der Bühne anders als vor der Kamera? Legt man da auch einen Schalter um?

Ja! Auf der Bühne hast du die direkte Reaktion vom Publikum. Du spürst wirklich die Menschen. Dieser Moment, den du mit dem Publikum und deinen Mitspielern kreierst, passiert jetzt, und den gibt es dann nicht mehr. Das ist ein Zauber. Beim Film ist es wiederum toll, dass die Kamera wirklich alles einfängt. Wenn sich eine Emotion nur in deinen Augen verändert, kommt das trotzdem bei den Zusehern an. Wenn ich auf der Bühne etwas mit den Augen mache, na haha! Die dritte Reihe sieht es schon nicht mehr. Da gibt es demnach schon einen technischen Unterschied. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, beides zu machen.

Was bedeutet eine wiederkehrende Serienrolle für Sie als Schauspielerin? Gibt es da einen „Vorstadtweib-Stempel“? Oder „Vorstadtweibchen“-Stempel?

Der Begriff stammt von Nina Proll. Sie hat mich am Set einmal mit „Alina! Mein Neo-Vorstadtweibchen!“ gerufen, und ich habe das übernommen. Die „richtigen“ Vorstadtweiber sind ja doch Nina Proll, Martina Ebm, Maria Köstlinger und Hilde Dalik. Ich glaube schon, dass das eine Rolle ist, auf die ich jetzt mehr angesprochen werde, aber es ist nicht die einzige.

Wie waren Ihre ersten Schritte als Schauspielerin?

Ich war ein sehr schüchternes Kind, das hat mich ein bisschen zur Außenseiterin gemacht. Meine Eltern haben mich dann auf die Bühne gestellt, damit ich mehr aus mir herauskomme. Da konnte ich mich nicht hinter dem Vorhang verstecken oder ins Publikum laufen und sagen: „Öh, ich schau jetzt zu.“ Das geht nicht. Ich fand es als Kind spannend, die Welt anderer Personen zu erforschen und meine Fantasiewelt aufzubauen. Es war schön, diese kindlichen Fantasiewelten dann auch ins Erwachsenenleben mitnehmen zu dürfen. Das hat auch Max Reinhardt gesagt, dass man seine Kindheit in die Tasche packen muss.

Sie sind einen ungewöhnlicheren Weg gegangen.

Ich hatte viel Glück, dass ich mit den richtigen Leuten zusammengearbeitet habe, von den richtigen Kollegen gelernt habe, und die richtigen Projekte machen durfte. Normalerweise macht man zuerst eine Schauspielschule und steigt dann in den Beruf ein. Ich habe ohne Schauspielschule angefangen, in Projekten mitzuwirken. So richtig begonnen hat es mit „Hangmen“ im Volkstheater, wofür ich für den Nestroy nominiert war, was eigentlich nie passiert, bevor man nicht in der Schauspielschule war. Aber auch einige bei den „Vorstadtweibern“ waren dort nie. Ich habe es einfach probiert. Klopf auf Holz, bis jetzt funktioniert es!

Was würden Sie Kindern oder jungen Menschen raten, die schauspielern wollen?

Bleibt in eurer Fantasie. Spielt einfach weiter. Kinder sind eigentlich Schauspieler. Die machen das die ganze Zeit, was wir dann mit harter Arbeit wieder hochzuholen versuchen. Ansonsten: Nicht aufgeben. Es gibt Phasen, wo es nicht gut läuft. Man darf das nicht persönlich nehmen und muss einfach weitermachen.

Auch „Schlafende Männer“ geht am 30. Oktober weiter. Wie sieht da Ihre Rolle aus?

Das ist eine Produktion des Schauspielhaus-Intendanten Tomas Schweigen und eine Art moderne Version von „Who’s afraid of Virginia Woolf?“. Darin treffen ein älteres und ein jüngeres Paar aufeinander und verbringen eine Nacht zusammen. Das eskaliert komplett, bis man plötzlich mit Blut um sich wirft, ähnlich wie bei Hermann Nitsch und den Wiener Aktionisten. Diese Referenzen findet man dann auch im Stück. Autor Martin Crimp hat auch viele Bezüge zu Maria Lassnig eingewoben, deren Bilder derzeit in der Albertina zu sehen sind. Auch wir haben nachgemachte Lassnig-Bilder im Bühnenbild.

Sind Sie auch in Staffel 5 der Vorstadtweiber zu sehen oder sterben Sie einen dramatischen Serien-Tod?

Ich möchte nicht zu viel verraten. Schauen wir mal! (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Bianca Rose

Info: Alina Schaller im ORF-Interview. Abrufbar bis Montag, 18.10 Uhr.