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Kultur Medien
11/25/2019

Abschied von "Big Bang Theory": Die Couch am Ende des Universums

Auch auf ProSieben und im ORF heißt es nun, Abschied zu nehmen. Das ist mehr als das Ende einer Serie.

von Georg Leyrer

Es hat alles, heißt es im Hochgeschwindigkeitstext des Introsongs, mit dem Urknall, dem Big Bang angefangen.

Und nun endet nicht nur die nach diesem benannte Hitserie. Sondern wohl auch eine weitere Phase (Ära ist zuviel gesagt) des regulären Fernsehens: Mit dem Finale der „Big Bang Theory“ verlieren auch die Serienfans jenes TV-„Lagerfeuer“, um das sich das Publikum für ein halbes Jahrhundert gemeinsam geschart hat, über das man am nächsten Tag mit allen in der Schule oder im Büro reden konnte. Die Chancen stehen gut, dass „Big Bang Theory“ in vielerlei Aspekten die letzte US-Massenserie gewesen sein wird.

Die Popkultur

Und was für eine. Die Serie um die tief in der Popkultur – Star Wars, Star Trek, Comics, Games – verwurzelten Physiker-Nerds hat selbst wiederum die Popkultur geprägt wie keine andere. Ja, auch nicht „Game Of Thrones“ oder „Breaking Bad“. Denn die Kultur, die „Big Bang Theory“ aus der Schmuddel- bzw. Teenager-Ecke geholt und mitten in den TV-Hauptabend gebeamt hat, ist zur vorherrschenden geworden.

In den Kinocharts gibt es außer Superhelden eigentlich nur noch animierte Superhelden und versprengte Fantasy-Abenteuer. Und in dem starken Jahrzehnt seit dem Start von „Big Bang Theory“ (2007) sind diejenigen, die sich mit dieser Art Kultur auskennen, vom potenziellen Schulhof-Watschenopfer zu den neuen Helden geworden.

Die Nerds beherrschen die Wirtschaft – liebe Grüße an Google, Facebook, Amazon und Elon Musk, der zwischen Heldenfantasien und Spinnertum selbst ein würdiger Hauptdarsteller der „Big Bang Theory“ wäre.

Ganzer Tag auf ProSiebenBereits heute, Montag, gibt es das Doppel-Finale auf ProSieben (20.15 Uhr), alte Folgen zur Einstimmung  ab 7.15 Uhr.

Im ORF am DienstagIm ORF folgt dann morgen das Finale: Ab 18.40 Uhr gibt es zwei Final-Folgen und ein Special.

 

Die lukrativste Filmserie der bisherigen Kinogeschichte dreht sich, erraten, um (Marvel-)Superhelden.

Disney verdient sich eine goldene Nase mit der „Big Bang Theory“-Kultur und hat sogar einen eigenen Streamingdienst gegründet, der genau das anbietet.

Und genau dort (und auf den Konkurrenzplattformen von Netflix, Amazon etc.) werden Serien mit Hitpotenzial künftig verschwinden.

Deswegen ist das Finale von „Big Bang Theory“ nicht nur ein Abschied von Sheldon, Leonard und den anderen. Sondern von einer Form des Fernsehens. Und sie ist auch der Abschied von einem Makel des Fernsehens in Österreich und dem umgebenden Europa.

Dass nämlich hier jetzt erst der große Tränenabschied zu sehen ist, fühlt sich nach dem großem medialen Aufsehen (und den zahlreichen Spoilern, die im Internet lauern) fast schon absurd an.

Derartige Wartezeiten (das Finale lief in den USA bereits am 16. Mai) sind künftig im Streaming Geschichte – und werden jungen Menschen so skurril vorkommen wie Drehscheiben-Telefone.

Die nun auch im ORF abgespielte letzte Staffel war dabei überfällig. Schon längst war den Serienmachern der Schmäh ausgegangen, die „Big Bang Theory“ hat sich in einen recht gewöhnlichen Beziehungs-Klamauk-Strudel ausgezogen.

In der letzten Staffel nun gab es allerlei Wunscherfüllungen, eine Art Best-of der Dynamiken und Neues vom kaputten Aufzug. Im Finale sitzen alle ein letztes Mal gemeinsam auf der Couch.

Doppelfolge zum Finale

ProSieben zeigt heute (20.15 Uhr), der ORF morgen die zwei letzten Folgen hintereinander – „Die Keine-Konstante-Katastrophe“ um 18.40 Uhr und „Das Stockholm-Syndrom“ um 19.05 Uhr (nein, bei letzterem geht es nicht um Peter Handke).

Danach (19.30 Uhr) heißt es in „Bye Bye Big Bang Theory“ endgültig Abschied zu nehmen: Im Special zum Serienhit erinnern sich Kaley Cuoco (Penny) und Johnny Galecki (Leonard) an Stargäste, legendäre Szenen und werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Und noch danach?

Keine Frage, „Big Bang Theory“ wird prompt in den ewigen Kreislauf der TV-Wiederholungen, irgendwo zwischen den „Simpsons“ und „Malcolm mittendrin“, in Dauerschleife eingehen.

Manch einer in Österreich wird froh sein, dass wieder eine der – nur noch hier kulturabschätzig verächtlich gemachten – US-Serien ihr Ende gefunden hat.

Und die hiesigen TV-Macher werden noch weniger Ahnung haben, wie sie junges TV-Publikum langfristig an sich binden sollen. Denn auch wenn den US-Serien gerne eine Art von bildungsbürgerlichem Defizit umgehängt wird – ohne ein Angebot an US–Pflichtfernsehen als Einschalt-Impuls wird das künftig noch schwieriger.