Kultur
05.10.2018

Mavi Phoenix startet in ganz Europa durch

Die 23 Jahre alte Rapperin aus Linz spricht über ihren Erfolg, böse Kritiker und ihr Coming-out per Musikvideo

Ihrem Publikum „ein bisschen in den Hintern treten“, und ihre zurückhaltend-höfliche Art beim Auftritt hintanstellen – das musste Mavi Phoenix schon, als sie Ende September auf England-Tour war. Denn noch steht sie dort am Anfang, spielt anders als in Österreich und Deutschland vor einem Publikum, das keinen ihrer Songs kennt. Aber mit ein bisschen Anfeuern und ihrer kantigen Mischung aus Hip-Hop und Electro-Pop brachte Phoenix sogar die reservierten Briten zum Tanzen.

Für die Linzerin war die Tour ein weiterer Höhepunkt im Erfolgsjahr 2018, in dem sie bei so renommierten ausländischen Festivals wie Roskilde, Primavera oder Rock am Ring auftrat. Bevor sie Ende Oktober wieder auf Europa-Tour geht, veröffentlicht sie heute, Freitag, noch die EP „Young Prophet II“. Dabei rappt Phoenix über die Anliegen ihrer Generation, aber auch die Liebe. Und dabei deklariert sie sich jetzt erstmals klar, küsst im Video zum Song „Ibiza“ eine Frau.

Keine Pop-Göre

„Im privaten Umfeld bin ich immer offen mit meiner sexuellen Orientierung umgegangen“, sagt sie im Interview mit dem KURIER. „Im Musikbusiness war ich bisher noch nicht bereit dazu. Aber als der Medien-Hype begann, wurde ich in das Eck Pop-Göre gedrängt. Das bin ich aber nicht. Außerdem wurde ich bei Interviews mit Pop-Zeitschriften immer wieder gefragt, ob ich einen Freund habe. Da musste ich dann immer wieder drum herum reden. Und ich bekomme auf Facebook sehr viele Meldungen von Männern – auch unschöne. Also habe ich mir gedacht: Sag es doch einfach – dass alle Menschen wissen, wer ich wirklich bin.“

Auch in der musikalischen Entwicklung spielte die sexuelle Orientierung eine Rolle. Durch das früh einsetzende Gefühl „anders als meine Freundinnen zu sein“ zog sich die am 1. September als Marlene Nader geborene Musikerin als Kind gerne mit ihrem Walkman zurück. „Das war Freiheit, da konnte ich mich in eine andere Welt träumen – in die der Musiker, wo jeder so sein durfte, wie er war. Wo das auch noch gefeiert wurde.“

Aber das war nicht der einzige Grund, warum Phoenix das Gefühl hatte, nicht in ihr Umfeld zu passen. Der Großvater mütterlicherseits war ein syrischer Flüchtling. Sie kannte ihn nicht, aber seine Gene hinterließen Spuren. „Ich habe normal sehr dunkle Haare. Deshalb haben sie zu mir und meiner Mutter immer wieder gesagt, wir sehen ‚rassig‘ aus. Ich hab das nicht wirklich als Beleidigung empfunden. Aber cool war es auch nicht.“

 

Aus dem „sich weg träumen“ mit dem Walkman wurde ein „sich weg werken“ mit Musiksoftware. „Mit elf Jahren hat mir mein Papa seinen Laptop geschenkt. Da habe ich angefangen, erste Loops zu basten und darüber zu singen. Auf dem Laptop war auch seine ganze Musik-Bibliothek drauf, weshalb meine Anfangshelden schon so interessante Künstler wie David Bowie, N.E.R.D., Daft Punk und Queens Of The Stone Age waren.“

Noch in der Schule hatte Phoenix 2014 mit dem Song „Green Queen“ ihren ersten FM4-Hit. Sie veröffentlichte ein paar weitere Songs und kam 2017 mit dem ersten Teil von „Young Prophet“ raus, der den Hype um ihre Person begründete.

Doch schon bald spürte Phoenix auch die Nachteile und die Missgunst, die eine Bekanntheit in der Szene mit sich bringt: „Da gab es gleich einen Backlash. Nach der ersten Medienpräsenz kamen so viele böse Kommentare, dass Hunderte Produzenten hinter mir stecken würden. Sie haben nicht geglaubt, dass das bei einem so jungen Mädel alles aus Eigeninitiative entstanden ist.“

Probleme anpacken

Diesen Kritikern erteilt Mavi Phoenix mit „Los Santos“ eine wenig zimperliche Abfuhr. Positiver wendet sich die ehemalige Politikwissenschafts-Studentin mit „Prime“ an ihre Generation.

„Das ist der Aufruf: ‚Packen wir die Probleme an! Wir sind in unseren besten Jahren und haben die Kraft dazu!‘ Das ist ein politischer Song. In meiner Generation gibt es viele, die sich schwarz-blau-mäßig nach festen Regeln sehnen und glauben, eine Entschleunigung bedeutet, in allen Belangen zurück ins Mittelalter zu gehen. Und es gibt Leute wie mich, die sich als Weltenbürger sehen. Im Song lasse ich offen, wie wir es anpacken. Aber die, die mich ein wenig kennen, wissen, in welche Richtung ich tendiere.“

INFO: Mavi Phoenix geht im Herbst auf Österreich-Tour:

20. 11. Salzburg/Rockhouse 
21. 11. Graz/PPC 
22. 11. Wien/Flex 
23. 11. Innsbruch/p.m.k. 
24. 11.  Linz/Posthof 

Die Karten für alle fünf Konzerte gibt es unter www.oeticket.com