Kultur
23.11.2018

Mavi Phoenix live: Authentischer, kompromissloser Hip-Hop

Im Wiener Flex spielte die Aufsteigerin des Jahres ihre erste Headline-Show in der Wahlheimatstadt.

In Rom, Antwerpen, Reykjavik, und Köln war sie gerade. Nach Barcelona, Madrid, München und Basel kommt Mavi Phoenix auf ihrer ersten Headline-Tour noch. Dazwischen, am Donnerstagabend, das erste Wien-Konzert als Star des Abends im restlos ausverkauften Flex. Daheim legt die Wahlwienerin forsch los, macht mit „7 Eleven“ und „Bite“ gleich zu Beginn klar, dass sie live härter und weniger poppig klingen will, als auf den Platten. 

Auch in ihrer Bühnenpräsenz ist Phoenix weit mehr die starke Frau, die redet und rappt, wir ihr der Schnabel gewachsen ist, und nicht die Pop-Göre, die zu Beginn ihrer Karriere einige aus ihr machen wollten. Sie schreit „fuck“ wenn ihr danach ist, hüpft, tanzt, stemmt die Faust in die Luft und macht Headbanging als wär das ein Metal-Konzert. Aber es ist eine hoch professionelle Hip-Hop-Show. Begleitet von einem Drummer, einem DJ und einem Bassisten, der auch Keyboards spielt, liefert die 22-Jährige Oberösterreicherin ein Set, dass den Live-Act so mancher länger dienender US-Rapper in den Schatten stellt. 

Das Programm besteht hauptsächlich aus den Songs der EPs „Young Prophet“ und „Young Prophet II“. Da ist das schleppend dahin plätschernde „Quiet“, das fröhliche „Fly“, der Erstlingshit „Green Queen“ von 2014 mit dem markanten Tempowechsel und „Los Santos“  mit der wütend rausgerotzen Antwort an all ihre Kritiker.

Zwischen den Songs plaudert Phoenix über die Zeiten, als sie noch von Linz, wo sie herkommt, nach Wien fuhr, um mit Freunden ins Flex zu gehen. Erst bemüht sie sich noch - etwas unsicher - um Hochdeutsch. Aber irgendwann, fühlt sie sich so wohl auf dieser Bühne, dass sie doch in den Dialekt kippt und den Song „Ibiza“ mit „I war scho auf Ibiza, oba Wien is vü schena“ ankündigt. Das ist authentisch.

Genauso wie die Botschaften, die sie unaufdringlich einfließen lässt. Zum Schluss wickelt Phoenix sich in die Regenbogen-Fahne, dem Symbol der Schwulen- und Lesben-Bewegung, und plädiert vor dem Song „Prime“, der davon handelt, was ihre Generation bewegen kann, für Einigkeit und Gemeinsamkeit - weil „überall auf der Welt, aber auch in Österreich, so Vieles gerade so schlecht läuft“.

Klar, der ausgiebige Gebrauch von Auto-Tune (einem Effekt, der die Stimme verzerrt), der im Internet so heiß diskutiert wird, ist auch live ein bisschen überdosiert. Und als Phoenix bei der Zugabe mit der Gitarre auf die Bühne kommt, „Love Longtime“ in einer Akustik-Version zum Besten gibt und daran noch in „Ring Of Fire“ von Johnny Cash anhängt, wird klar, dass ihr als Sängerin stimmlich Grenzen gesetzt sind. Aber als Rapperin, ist sie wirklich gut. So gut, dass sie vor drei Wochen sogar in Los Angeles, der Wiege dieses Genres, dafür bejubelt wurde.