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Kultur
07/08/2021

Matthias Liener: Konservatismus-Kritik auf den Spuren von Falco

Der Wiener Musiker schließt mit dem komödiantischen Elektropop-Song "Ganz Wien ist clean" an den Falco-Hit "Ganz Wien" an

von Brigitte Schokarth

Als riesengroßer Falco-Fan sieht sich Matthias Liener nicht. Trotzdem hat der in Wien lebende Musiker mit seiner neuen Single „Ganz Wien ist clean“ einen Song geschrieben, der direkt an Falcos Hit „Ganz Wien“ anschließt. Dieser Ansatz eignet sich für den Ex-Sängerknaben, der jetzt seine Solo-Karriere startet, nämlich prächtig dafür, den neuen Konservatismus, der sich in Mitteleuropa breit gemacht hat, aufzuzeigen.

 „Ich sehe in gewissen Gesellschaftskreisen antihedonistische Strömungen und wollte das abbilden. Man muss heutzutage viel leistungsorientierter sein, ist am besten ein die Drogen verweigernder, antialkoholischer Vegetarier. Es gibt extrem kurze Studienzeiten und jede Bildung muss eine Ausbildung sein. Deshalb drehe ich die Drogenhymne von Falco um, sage, wir tun das alles nicht ,und bringe sozusagen als Ersatzdroge den Zuckerbäcker-Mehlspeisen-Charme, der Wien anhaftet, ins Spiel.“

Musikalisch hat der unter dem Künstlernamen Liener auftretende 30-Jährige das in zickigem Elektropop verpackt, der sowohl bei Falco als auch bei klassischen Chören Anleihen nimmt, und mit einer großen Portion komödiantischer Überzeichnung gewürzt ist. Begleitet wird der Song von einem Video, das zuerst die beklemmende Stimmung von konservativer Bürgerlichkeit karikiert, dann aber in einer zuckerlbunten Discoparty mit rosa Neonlicht und Glitzeroutfits endet.

Wohl auch wegen des Videos wurde der Song bei Erscheinen sofort von Conchita geteilt und verbreitete sich so in der LGBT-Community. Darauf angelegt, sagt Liener im Interview mit dem KURIER, hatte er es aber nicht: „Es ist großartig, wenn man meine Songs als Stärkung dieser Community sieht, weil ich immer etwas machen wollte, bei dem nichts unmöglich ist und ich grundsätzlich nicht in heteronormativen Bahnen denke. Aber ich bin da kein Aktivist. Ich bin einfach ein Freund von Operetten, von Freddie Mercury und der Band Queen, dem Theatralischen und großen Gesten.“

Durch die Freude am Theater und dem Singen kam Liener in seiner ersten Karriere zu den Sängerknaben. Weil er „auffällig viel“ gesungen hat, riet die Volksschullehrerin seinen Eltern, mit ihm zu einem Tag der offenen Tür bei dem Knabenchor zu gehen. „Das war in Schönbrunn und ich wusste gleich dort, dass ich das machen will. Ich bin dann ins Internat eingetreten und wir waren überall auf Tournee, zwei Mal auch in den USA. Ich habe in der Carnegie Hall von New York das Alt-Solo von „A Ceremony of Carols“ von Benjamin Britten gesungen. Und ich bin als Volksschüler in der Staatsoper in den Kinderchören von ,Carmen' und ,Tosca' aufgetreten.“

Eine Zeit, an die er sich sehr gerne zurück erinnert. Auch wenn danach gleich die Phase der Hinwendung zum Pop und Rock kam, er erste Bands gründete, später mit den Spritbuam auch in Österreichs Nachbarländern auf Tour war und dann als Bühnendarsteller in Musiktheater-Produktionen und in der Neuen Oper Wien auf der Bühne stand.

Trotzdem ist Liener heute noch „mit Stolz“ Vereinsmitglied bei den Sängerknaben: „Ich finde es großartig, dass dort jungen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, Musik zu fühlen, zu erleben und auszuführen. Und das für einen minimalen Internatsbeitrag, der geringer ist als alles, was ich von Privatschulen kenne. Deswegen kommen dort Burschen aus allen Schichten und den unterschiedlichsten Regionen der Welt zusammen, die das Gemeinsame in den Vordergrund stellen.“

In der Diskussion darüber, bei dem Chor auch Mädchen zuzulassen, bleibt Liener neutral: „Ich verstehe beide Seiten, denn ich bin grundsätzlich gegen das Separieren. Andererseits ist das eben ein Knabenchor, der ganz anders klingt, als ein gemischter. Und der ist eine Weltmarke. Ich finde es ist notwendig, dass die erhalten bleibt.“

INFO

Liener live gibt es am 18. 7. in der Szene Wien

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