© Universal Music/Chantal Anderson

Solo-Debüt von Matt Berninger
10/12/2020

Matt Berninger solo: Spektakulär durch zarte Melancholie

Der Frontmann von The National, legt mit „Serpentine Prison“ ein eindringliches Solo-Album vor

von Brigitte Schokarth

„Es fühlte sich an, als wären wir alle in einem Spionage-Thriller. Dieser isolierte Wartezustand war nervtötend!“

Matt Berninger, den Frontmann der Indie-Band The National, hat der Lockdown, das gibt er gern zu, ordentlich aus der Bahn geworfen. Er wollte 2020 mit The National auf Tour sein, mit der Band das zehnjährige Jubiläum ihres Durchbruchsalbums „High Violet“ feiern.

Kommenden Freitag veröffentlicht der 49-jährige Amerikaner stattdessen sein erstes Solo-Album „Serpentine Prison“, das allerdings schon vor der Corona-Krise so gut wie fertig war. Berninger liefert damit zehn Song-Perlen, die sich unaufdringlich aber nachhaltig in die Gehörgänge schleichen.

Auch als Solo-Künstler entfernt sich Berninger nicht weit vom Sound von The National: Sachte akustische Gitarren, schwebende Keyboards, dazwischen ein paar raffiniert gesetzte Piano-Tupfer, dazu hier eine Violine und dort eine wuchtigere E-Gitarren-Passage. Darüber legt Berninger seine mit erzählerischer Melancholie präsentierten Texte, die wie immer von Sehnsucht, Liebe und Enttäuschung handeln. Was diese strukturell unspektakulären Songs exzeptionell macht, ist das emotionale Gewicht und die dichte Atmosphäre, die Berninger mit diesen schlichten Mitteln, seinem Songwriting und Gesang hineinleget.

Produziert wurde „Serpentine Prison“ von der 75-jährigen Soul-Legende Booker T. Jones. Berninger hatte den Namensgeber der Band Booker T. & the M.G.’s vor zwölf Jahren kennengelernt, als er auf dessen Album „The Road From Memphis“ einen Song sang. 2018, als er mit dem Solo-Album begann, für das er eigentlich nur Cover-Songs aufnehmen wollte, rief er bei Booker T. Jones an.

„Als ich ein Kind war, war eines der Lieblingsalben meines Vaters ,Stardust’ von Willie Nelson“, erzählte Berninger dem Billboard-Magazine. „Er hat dafür Standards von Irving Berlin und George Gershwin aufgenommen. Irgendwie hat sich diese Musik in meine Seele eingeschlichen, denn sie hatte eine Zartheit und einen Optimismus, der mich glücklich machte und mir Sicherheit gab. Das tut sie auch heute noch. Booker hatte ,Stardust’ produziert, und ich wollte auch so einen Sound für mein Cover-Album.“

Booker T. Jones war sofort begeistert von der Idee, das zu produzieren. Doch während der Arbeit an den Cover-Songs begann Berninger, ihm auch selbstverfasste Songs vorzuspielen, und Jones, schlug vor, sich lieber darauf zu konzentrieren.

Die dichte Atmosphäre auf der Platte kommt aber nicht nur von der „musikalischen Kompetenz und Autorität“ von Booker T. Jones, sondern auch von Berningers Einstellung zur Studio-Arbeit: „Ich will meine – und die Zeit meiner Mitmusiker – nicht verschwenden, indem ich an Songs arbeite, die nur okay für mich sind. Sie müssen mich selbst bewegen, zu Tränen rühren, zum Schreien oder Lachen bringen, damit ich sie veröffentlichen will. Die Kunst ist der beste und und für mich einzige Platz für Emotionen wie Wut, Angst, Lust, Selbsthass, Trauer und Depressionen. Sonst musst du zu einem Therapeuten gehen. Aber für mich war es immer besser, in einen Rock-Club zu gehen.“

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