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alfred polgar
02/03/2015

Wie das Blut ins Träumen geraten ist

"Marlene": Das im Nachlass entdeckte Porträt des Filmstars erfreut allein durch das Nachwort.

von Peter Pisa

Das Buch, das in den 1930er- Jahren hätte erscheinen sollen, ist dieser Tage erschienen.

Es bringt zwei Berühmtheiten zusammen, den Schriftsteller Alfred Polgar (1873–1955) und Marlene Dietrich (1901–1992).

Das Manuskript wurde in Polgars Nachlass in New York entdeckt, und dass man es jetzt mit rund 80 Jahren Verspätung lesen kann, ist ... ja, es ist.

Mehr aber nicht.

Denn dieses frühe Porträt des Filmstars (mit dem der vielgerühmte "Meister der kleinen Form" bekannt, aber nicht befreundet war) ist immer wieder peinlich, ist schleimig und mit heutigem Wissensstand unfreiwillig komisch.

Ein Beispiel, Zitat aus "Marlene": "Vorerst bringt sie es zur glücklichen Ehefrau. Sie lernt den Film-Produktionsleiter Rudolf Sieber kennen und heiratet ihn. Ein Jahr später hat sie die Rolle, die ihr bis heute die liebste ihres Lebens geblieben ist: die der glücklichen Mutter. Ein Mädchen. Es erhält den zärtlichen Namen Heidede."

Das Leben der Marlene Dietrich

marlene dietrich

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Terminkalender

Von Heidede (= Maria) sollte Jahrzehnte später der erhellende Satz kommen:

"Sich im überfüllten sexuellen Kalender meiner Mutter zurechtzufinden, ist ein Ding der Unmöglichkeit."

Gut ist auch, wenn Polgar – er gibt ja immerhin zu, verliebt gewesen zu sein – Marlene Dietrich fragt: "Was für schlechte Eigenschaften haben Sie?"

Zitat: "Marlene, sanft, erkältet und auf manches gefasst, überlegt ein Weilchen, dann sagt sie schlicht: Keine. Herr Sieber kommt ins Zimmer und bekräftigt nachdrücklich die Auskunft seiner Frau."

Na dann.

Wer hätte sich gedacht, einmal über Alfred Polgar sagen zu müssen: Bitte, hören Sie auf!

Kommentar

Sehr wohl aber ist das Nachwort wunderbar und interessant und mit rund 50 Seiten (plus 30 Seiten Anmerkungen) ebenso umfangreich wie Polgars Text. Der Wiener Germanist Ulrich Weinzierl hat es geschrieben. Gemeinsam mit Marcel Reich-Ranicki hatte Weinzierl in den 1980er-Jahren eine sechsbändige Polgar-Werkausgabe editiert hatte.

"Marlene" hätte da nichts verloren gehabt. "Marlene" gehört kritisch kommentiert, und das ist nun geschehen. Erstens, was die Ikone betrifft. Zweitens, was den Verehrer betrifft, dessen Blut (angesichts der Beine und der Stimme) ins Träumen geraten war ..

INFO: Alfred Polgar: „Marlene“ Herausgegeben von Ulrich Weinzierl. Zsolnay.Verlag. 160 Seiten. 18,40 Euro. Präsentation im Burgtheater-Kasino am 25. Februar.

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