Schauspiel-Ikone Mario Adorf in Paris verstorben

Mario Adorf wurde 95 Jahre alt. Über 200 Rollen machten den deutschen Schauspieler zur Legende.
Mario Adorf

Schauspieler Mario Adorf starb am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris. Nach kurzer Krankheit sei er friedlich eingeschlafen, wie sein Management bestätigte.

Über Jahrzehnte hinweg stand Adorf vor der Kamera und verkörperte mehr als 200 Rollen. Er wurde vielfach ausgezeichnet, so 1995 mit der KURIER-ROMY.

Romy 1995

Mario Adorf hatte viele Rollen gespielt, am Theater, im Fernsehen und im Kino. Die einen liebten ihn als protzigen Fabrikanten aus der Kultserie "Kir Royal", andere kannten ihn als Bösewicht Santer in den Karl-May-Filmen oder als Vater Matzerath in der Günter-Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel"

Verheiratet war er mit Monique Faye, mit der er viel Zeit in ihrer Heimat in Südfrankreich verbrachte. Viele Erinnerungen hatte der Schauspieler zudem an Italien, die Heimat seines Vaters. Adorf lebte dort viele Jahre und drehte Filme. "Dass ich dieses Dolce Vita mitmachen konnte, das habe ich sehr genossen", sagte er einst.

Mario Adorf: Start als Klassenclown

Eine Schauspielkarriere zeichnete sich in seiner Jugend im kleinen Städtchen Mayen in Rheinland-Pfalz allerdings erst mal nicht ab. Während andere am Schultheater spielten, gab Adorf den Klassenclown und bekam einen Spitznamen, der ihn als eher begriffsstutzig darstellte. "Mein Lateinlehrer, ein Kölner, nannte mich 'Antonius Maximus, den Obertünnes'", schreibt er in der Biografie "Mario Adorf. Zugabe". "Angestrengt habe ich mich nur, wenn ich es unbedingt musste, wenn ich merkte, dass die Noten zu schlecht wurden und wenn meine Mutter unzufrieden wurde mit mir."

Nach der Matura zog es Adorf dann doch zur Schauspielerei. Er studierte er an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Danach ging er ans Theater und zum Film. Es war der Start einer großen Karriere mit einer enormen Bandbreite an Rollen. Der Durchbruch kam 1957 mit "Nachts, wenn der Teufel kam" mit seiner Darstellung des vermeintlichen Frauenmörders Bruno Lüdke, eines geistig Behinderten. 

"Eigentlich war ich da kein Bösewicht, sondern ein geisteskranker Massenmörder", sagte Adorf in einem KURIER-Interview zu der Rolle. "Aber persönlich hatte ich nie etwas gegen Bösewichte. Gerade am Theater sind das die begehrtesten Rollen: Jeder will den Jago, den Franz Moor oder Richard III. spielen. Ich fühlte mich auch nie auf eine Rolle fest gelegt."

Adorf war fortan auf die Rolle des Schurken abonniert. Regelrecht zum Publikumsfeind wurde er, weil er 1963 in "Winnetou" als Halunke Santer Winnetous Schwester Nscho-tschi erschoss.

Karriere auch in Hollywood

Aber auch international machte Adorf Karriere - lebte zeitweise in Italien und bekam Aufträge aus Hollywood. Als er merkte, dass er dort auf die Rolle des Mexikaners abonniert blieb, kehrte er wieder nach Europa zurück. 

"Im Großen und Ganzen war Hollywood keine Option für mich", sagte er im Rückblick dem KURIER. "Meine erste Rolle war die eines Mexikaners, nachdem ich nicht den blonden Deutschen spielen konnte wie Curd Jürgens oder Hardy Krüger. Es dauerte nicht lange, und die zweite Rolle, die man mir anbot, war wieder die eines Mexikaners, und die dritte auch. Und so hätte das weiter gehen können. Da hab’ ich gesagt: ,Das ist nicht mein Bier.'"

Dort besetzte ihn Volker Schlöndorff in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und danach in der mit dem Oscar ausgezeichneten Verfilmung "Die Blechtrommel". Für Helmut Dietl spielte er im Kinoerfolg "Rossini" oder in der Serie "Kir Royal". Legendär wurde sein Generaldirektor Haffenloher, der den Klatschreporter Baby Schimmerlos anblaffte: "Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld, dass du keine ruhige Minute mehr hast." 

Über 200 Rollen spielte der Vater der Schauspielerin Stella Maria Adorf, darunter in Klassiker wie "Allein gegen die Mafia", "Der große Bellheim", "Der Schattenmann" oder "Die Affäre Semmeling". Mal war er Bösewicht, mal Patriarch, eitler Geck oder Feingeist. Und er arbeitete bis ins hohe Alter:

"Ja, es ging immer weiter", sagte er dem KURIER. "Und es gab schon Schauspieler, die in ein Loch fielen. Ich hatte Glück. Aber ich glaube, das lag auch daran, dass ich sehr früh angefangen habe, ältere Rollen zu spielen. Ich hatte nie dieses Bild von mir selbst als gutaussehenden Mittdreißiger. Als jüngerer Schauspieler empfand ich mich nie als fertig. Ich schwärmte auch nicht für Gérard Philipe, sondern wollte eher Spencer Tracy und Jean Gabin ähnlich sein."

Feierte 95. Geburtstag im September

Privat galt Adorf als höflich, humorvoll und charmant. Ein Gentleman, der das Leben genoss und die Menschen unterhielt, weshalb er auch als Sänger und Entertainer auf Tournee ging. Und er war ein gern gesehener Gast auf Filmpremieren und Partys. 

Seine Gefühle zum 95. Geburtstag im Vorjahr: "Eine Mischung von Dankbarkeit und Erstaunen", sagt Adorf damals der dpa.

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