Maria Großbauer macht es den Großen in Wien nach. Ansatzweise.

Die Direktorin des Stadttheaters Wr. Neustadt präsentierte am Donnerstag ihr Programm. Vermittlung ist ihr ein zentrales Anliegen
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Es ist Mode geworden, das Programm nicht in einer Pressekonferenz vorzustellen, sondern in einer Matinee vor Publikum. Das spart auch lästige Fragen der Journalisten. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić hat damit vor ein paar Jahren begonnen, kommenden Sonntag lädt er wieder um 11 Uhr zur großen Show ein. Exakt eine Woche später, ebenfalls um 11 Uhr, tut es ihm Lotte de Beer, Chefin der Volksoper, gleich. Und schon am Donnerstag lud Maria Großbauer ein. Um 11 Uhr.

Das um 16 Millionen Euro prächtig sanierte, mit lichten Spannteppichen ausgelegte – eine Schöner-Wohnen-Idiotie, wie jeder Hausmann weiß! – Stadttheater von Wiener Neustadt, im November 2024 wiedereröffnet, ist natürlich nicht die Staatsoper, sondern in erster Linie ein Gastspielhaus an der Peripherie. Aber man muss ja irgendwo Maß nehmen. Und Maria Großbauer hat einst den Opernball organisiert. So begann sie gleich einmal wuchtig mit „Also sprach Zarathustra“ als Begleitmusik zur rasanten Doku über die Bauarbeiten.

Im Publikum saßen die Mitglieder des neuen Freundeskreises rund um den wohl wichtigsten Kunstmäzen der Stadt, Werner Trenker, und Schülerinnen sonder Zahl. Sie hörten u. a. eine abschreckende Operetten-Darbietung, aber auch Luke Andrews, der einst als Lukas Ehrenhöfer das Licht der Welt erblickte und am BORG Wiener Neustadt maturierte. Er wird im September mit Band auftreten. Und er steht äußerst sympathisch für das, was Großbauer will: den Nachwuchs fördern, mit Musikschulen kooperieren, ein attraktives Programm samt reizvollen Vermittlungsangeboten machen. Dazu gehört auch die Reihe „Tonspiele“ der NÖ Tonkünstler für Familien und junges Publikum (ab 4) sowie „Erklärt. Erlebt!“: Vor der Pause zerpflückt Albert Hosp mit dem Orchester Symphonien etwa von Robert Schumann und Joseph Haydn, nach der Pause hört man das Werk noch einmal. Die Tonkünstler bestreiten natürlich wieder das „Requiem“ von Mozart, sie fusionieren zudem mit Herbert Pixner und so weiter.

Großbauer bringt auch Jazz und Volksmusik, Sing-Along, Film (die Erwachsenen dürfen mit „Vino ins Kino“) und Kabarett. Und was in keine Schublade passt, labelt sie unter „Spielwiese Bühne“: Konrad Paul Liessmann zum Beispiel legt Schallplatten auf, Philippe Jordan spielt Klavier, an drei Abenden gibt es einen „Ghost Walk“ der Gruppe Glashauskollektiv durchs Haus (die Geisterstunde findet schon um 18.30 statt).

Und das Schönste, auch wenn es mächtig Ärger gab: Im Stadttheater gibt es keine Parteiveranstaltungen mehr. Großbauer füllt das Haus mit Kunst: Die Zahl der Veranstaltungen stieg von 111 in der (verkürzten) Saison 2024/’25 auf 135 – und steigt nun auf 152. Die Einnahmen konnte die beherzte Kämpferin um 20 Prozent steigern, die Konzerte sind quasi ausverkauft, die Zahl der Tonkünstler-Abos (420 in der letzten Saison) hätte Ex-Volkstheaterdirektor Kay Voges gerne gehabt. Vergleichsweise schlecht ausgelastet sind nur die Gastspiele des Landestheaters NÖ.

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