© Simon Rainer

Kultur
10/20/2021

Manu Delago musiziert mit Orgelpfeifen beim Paragliding

Der Hangspieler und Komponist hat sein Album "Environ Me" der Umwelt und dem, was die Menschheit daraus macht, gewidmet

Am Wandertag seiner Schule war Manu Delago einstmals bei einem der Gletscher im Ötztal. „22 Jahre später war ich wieder dort“ erzählt der Tiroler Hang-Spieler und Musiker im Interview mit dem KURIER. „Ich habe dasselbe Foto wie damals wieder gemacht, und es war erschütternd, wie viel Eis abgeschmolzen war. Man kennt die Berichte darüber. Aber wenn man mit eigenen Augen sieht, wie viel da im Laufe des eigenen Lebens zerstört wurde, geht das schon noch viel tiefer.“

Dieses Erlebnis war aber nur einer der Gründe, warum sich der zwischen Tirol und London pendelnde Österreicher mit seinem jüngsten Projekt, dem Album „Environ Me“, der Umwelt und dem, was die Menschheit daraus macht, gewidmet hat.

In den zwölf größtenteils instrumentalen Tracks bindet Delago, der als Percussionist und Hang-Spieler Mitglied von Björks Band ist, Elemente wie Wald, Autos oder Feuer in seine Kompositionen ein und bildet damit ein breites emotionales Spektrum ab, das von verträumten Ambient-Klängen bis zu harten, hektischen Beats reicht.

Basis dafür sind sein Spiel auf dem Hang (zwei miteinander verklebte Halbkugelschalen aus Stahlblech, die mit der Hand angeschlagen werden) und Umweltgeräusche, die entstehen, wenn zum Beispiel auf Hochspannungsmasten Rhythmen geklopft werden.

„Wir haben zu jedem Aspekt der Umwelt, den wir ein binden wollten, ein Video gedreht. Die Tonspur, die wir dabei aufgenommen haben, wurde am Album verwendet“, erzählt Delago. „Viele dieser Drehs waren sehr abenteuerlich: Für den Wasser-Track ,Liquid Hands‘ haben wir in einem See unter Wasser eine Choreografie mit den Händen aufgenommen. Das war im November. Der See war schon zugefroren, wir mussten erst ein Loch freihacken und waren viele Stunden im kalten Wasser. Für den Wald-Track ,Trees For The Wood‘ haben 20 Cellistinnen in einem gefällten Wald ihre Bässe auf die Baumstümpfe gestellt.“

Je nach einzubindendem Umgebungselement schrieb Delago die dazugehörige Komposition vor oder nach den Videodrehs: „Für ,Acoustic Aviation‘, das für Luft steht, bin ich mit einem Paraglider geflogen und hatte dabei in jeder Hand eine Orgelpfeife, die durch das Fliegen zum Klingen gebracht wurde. Da wusste ich vorher, ich brauche die Töne G und D. Das Feuerstück ,Emberplay‘ war improvisiert. Wir haben ein Lagerfeuer angezündet, ich habe daneben Hang gespielt. Ich wusste ja vorher nicht, wie schnell das runter brennt und welche Klänge rauskommen, also musste ich mit denen interagieren. Und die Sounds des Hang habe ich dann für das Album noch elektronisch bearbeitet.“

Zurzeit ist Delago mit „Environ Me“ auf Tour und am 21. 10. in Salzburg (ARGEkultur) und am 23. 10. in Wien (Porgy & Bess) zu sehen. Alle weiteren Termine: www.manudelago.com

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