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MAK-Skandal
11/01/2012

MAK: Kulturministerium übte "große Nachsicht"

Das Museum legte falsche Rechnungen über Subventionen vor. Und zahlte für ein Zwei-Seiten-Gutachten 10.000 Euro.

von Georg Leyrer

Das wird kaum einer Kulturinstitution sonst jemals passieren: Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) hat 2001 beim Kulturministerium um knapp 400.000 Euro für kulturwissenschaftliche Stipendien angesucht – und das Doppelte bekommen.

Ohne heute nachvollziehbare Gründe, warum es zur Verdoppelung kam, empfahl der Rat für Forschung und Technologieentwicklung nicht 397.000, sondern 799.000 Euro zu überweisen.

Was das Ministerium auch tat. Und es dürfte dies bereut haben. Denn das MAK hat laut Rechnungshof-Rohbericht mehrere Jahre gebraucht, um belegen zu können, wofür die Gelder verwendet wurden.

Bis spätestens März 2003 erbat sich das Ministerium den Gebarungsbericht. Bis dahin konnte das Museum aber nur die Verwendung von 593.000 Euro belegen. Oder besser: mehr oder weniger belegen. Das Ministerium musste feststellen, dass die Angaben des MAK mit der Einreichung "nicht vergleichbar" waren, schreibt der Rechnungshof (RH) in seinem dem KURIER in weiten Teilen vorliegenden Rohbericht zum MAK.

Es dauerte bis 2005, bis ein endgültiger Gebarungsbericht vorlag. In dem fehlten immer noch wesentliche Daten, etwa Begründungen für Einladungen oder Original-Reisebelege. Das Kulturministerium akzeptierte die Abrechnung letztlich. Wenn auch nur "mit großer Nachsicht", wie der RH festhielt. Schriftliche Entlastung für das MAK gab es keine.

Teures Buch, falsche Rechnungen und Sponsoring ohne Konzept

Der RH zählt noch weitere Beispiele für den lockeren Umgang mit Steuergeldern auf, der im MAK in der Ära des 2011 entlassenen Langzeitdirektors Peter Noever offenbar betrieben wurde. Eine Buch über Noever etwa wurde vom MAK gezahlt, rund 11.000 Euro Personalkosten fielen an. Verkauft wurden im MAK-Shop insgesamt elf Stück. Erlös: 385 Euro. Die MAK Art Society, ein privater Förderverein des MAK, kaufte weitere 1000 Stück um 11.600 Euro. 362 Stück wurden verschenkt.

Mit 45.000 Euro förderte der Verein KulturKontakt 2010 ein Schulprojekt des MAK. Mittel, die das MAK letztlich teils "zu Unrecht in Anspruch genommen hat", wie der RH festhielt. Denn die vorgelegten Abrechnungen des MAK enthielten Leistungen im Ausmaß von fast 8000 Euro, die "nicht oder nur teilweise erbracht worden" sind.

So verrechnete das MAK 1700 Euro an KulturKontakt für Schülerführungen, obwohl die Schulen bereits 1550 Euro für diese Führungen gezahlt hatten. Der RH empfiehlt, "die zu Unrecht in Anspruch genommenen Mittel (...) zurückzahlen und künftig Projekte wahrheitsgemäß abzurechnen".

Der RH suchte auch um die Vorlage eines Sponsoringkonzeptes des MAK an, das auflistet, welche Pflichten das Museum gegenüber Sponsoren hat. Bekommen hat der RH ein zweiseitiges "Basispapier MAK Sponsoring", für das das Museum 10.000 Euro an eine Mitarbeiterin der MAK Art Society gezahlt hatte. Offenbar kein Schnäppchen: In dem Papier fehlten laut RH "wesentliche Aspekte" eines Sponsoringkonzeptes.

Reaktion: Noever will "Vorwürfe entkräften"

"Wir arbeiten bereits intensiv daran, die vom Rechnungshof aufgezeigten Mängel der Vergangenheit zu beseitigen", erklärte der amtierende MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein am Donnerstag dem KURIER. "Ich stehe für ein neues MAK – ein Vorzeigemuseum für angewandte Kunst." Thun-Hohenstein hat für kommenden Montag eine Pressekonferenz mit einer "Standortbestimmung" angesetzt.

Sein Vorgänger Peter Noever will von Mängeln offenbar nichts wissen: Er könne "die in der Berichterstattung gegen ihn erhobenen Vorwürfe jederzeit entkräften", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Deshalb habe er auch den Weg der Befassung unabhängiger Gerichte gewählt. Den Rohbericht habe er nie zu Gesicht bekommen, so Noever.

Kulturministerin Claudia Schmied (SP), die derzeit im Ausland weilt, ließ über ihre Sprecherin ausrichten, dass das BMUKK erst zum Endbericht eine Stellungnahme abgeben werde. Dieser liege noch nicht vor. Andreas Treichl, Vorsitzender des MAK-Kuratoriums, erklärt, man werde den Rohbericht "eingehend analysieren". "Das Kuratorium hat bei den ersten Anzeichen gehandelt, einen Wirtschaftsprüfer engagiert und sofort Konsequenzen gezogen", so Treichl in Anspielung auf Noevers Entlassung 2011. "Jetzt geht es darum, Schlüsse für die Zukunft zu ziehen." Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl betont indes, dass seine Partei bereits 2010 Alarmglocken geläutet und den Rechnungshof-Bericht gefordert habe.

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