Kultur
06.11.2018

Lucky Lukes neues Abenteuer: Madame Bovary seufzte

In "Ein Cowboy in Paris" (Bild: Ausschnitt aus dem Cover) beschützt er die Freiheitsstatue bzw. die Freiheit generell.

Lucky Luke beschützt die Freiheitsstatue auf ihrem Weg von Paris, wo alle Teile aus Stahl und Kupferplatten gebaut wurden, in den Hafen von New York.
Der Gegner der Freiheit (sozusagen) ist diesmal ein Gefängnisdirektor, der  auf Liberty  Island Mauern errichten, Leute  einsperren, alles überwachen will.
Eine  gute, aktuell klingende Idee für Band 96, „Ein Cowboy in Paris“.
Viel zum Schauen: Lucky Luke trifft Victor Hugo sowie die unglückliche Madame Bovary (sie seufzt, als er sich leider verabschiedet) … mit Showdown auf dem Kopf der Statue, ähnlich wie bei Hitchcock auf Mount Rushmore.
Humor aber fehlt  – sieht man von der Schiffsfahrt nach  Europa ab, die Lucky Lukes Pferd Jolly Jumper mit Sonnenbrille an Deck genießt.
Der Deutsche Klaus Jöken ist seit 1995 hochgelobter spritziger Übersetzer von  Lucky Luke  (und von Asterix seit  2005).

KURIER: Dass der Cowboy ein  fader Kerl ist, hat selbst Morris, sein Erfinder, festgestellt. Seine Lieblingsfiguren waren die Daltons. Wie ist das bei Ihnen?
Klaus Jöken: Mein Liebling ist Jolly Jumper. Die trockenen Kommentare seines Pferdes verleihen Lucky Luke erst  Relief und Witz, um unser Interesse zu wecken. Das ist ja bei fast allen Helden so. Asterix, Superman … sind im Grunde langweilige Genossen, die erst durch die Nebenfiguren lebendig wirken. Das hat ja auch Morris erkannt und irgendwann den Asterix-Autor René Goscinny hinzugezogen. Der hat die Daltons, Rantanplan usw. dazu erfunden und damit die Lucky-Luke-Welt erschaffen.

Gibt es aktuell jemanden, der Ihnen  ans Herz wuchs?
Kaum jemand weiß, wie der Bildhauer heißt, der die Freiheitsstatue schuf. Für mich war es ein Vergnügen, Auguste Bartholdi dem Publikum näher zu bringen. Wir in der Auvergne, meiner zweiten Heimat, sind stolz auf das Denkmal des Vercingetorix (Fürst der Kelten, der die Römer besiegte) in Clermont-Ferrand, das Bartholdi ebenfalls geschaffen hat. Womit sich auch der Kreis zu den Galliern schließt.

Wo ist Rantanplan? Dass er  als steinerne Figur auf der Notre Dame auftaucht, ist zu wenig.
Rantanplan hatte schon länger keine größere Rolle mehr, und mir fehlt er ehrlich gesagt auch.

Sie mussten beim Übersetzen diesmal nicht besonders lustig sein. Jedenfalls  viel weniger als bei Asterix. War  Lucky Luke für Sie also fast Erholung?
Stimmt, Texter Jul hat mir diesmal nicht so viel an Wortspielen zugemutet. Der Akzent  liegt auf Situationskomik und kulturellen Anspielungen. Aber man darf das nicht unterschätzen. Ich hoffe, die vielen historischen Anspielungen, die jeder Franzose begreift, sind in meiner Übertragung  verständlich. Außerdem wimmelt es  von Bemerkungen über aktuelle Politik. Es war also nicht meine schwierigste Arbeit, aber bei Weitem kein Spaziergang!

Stimmt es, dass bei Asterix Ihre Übersetzungen vom „Asterix-Konzern“ rückübersetzt werden, um zu prüfen, ob’s für die Franzosen in Ordnung ist?
Ja, die allerersten Asterix-Übersetzungen (im Kauka Verlag) waren so katastrophal, dass die Autoren seitdem darauf bestehen, noch einmal alles zu kontrollieren.

Kommt 2019 wieder Asterix?
Angepeilt war, dass alle zwei Jahre ein Band erscheinen soll. Aber alles unterliegt so strenger Geheimhaltung, dass selbst ich zu einem möglichen neuen Abenteuer  nicht einmal Gerüchte vernommen habe.

 

Achdé (Zeichnungen) und Jil (Text):
„Ein Cowboy in Paris
Übersetzt von Klaus Jöken.
Egmont Ehapa.
50 Seiten.
7 Euro.
Ab Donnerstag im Handel.

KURIER-Wertung: ****