© Leopold Museum

Kultur
12/07/2011

Leopold: Schieles Geist schwebt über allem

Zum Zehn-Jahres-Jubiläum pocht eine Ausstellung zu Egon Schiele auf das Deutungsmonopol der Familie Leopold.

Die Idee der Seelenwanderung scheint in der Familie Leopold Tradition zu haben. Der 2010 verstorbene Sammler Rudolf Leopold sprach gern über seine Geistesverwandtschaft zu Egon Schiele - bis zu dem Punkt, an dem er Werke des Künstlers eigenhändig restaurierte. Nun, zur Feier des Zehn-Jahres-Jubiläums des Leopold Museums, stellte sich die Witwe des Sammlers der Presse als "Botschafterin von Rudolf Leopold" vor - eine Ansage, die man durchaus mit Schauer wahrnehmen kann.

Stutzig machte einerseits, dass Elisabeth Leopold erklärte, man wolle Beurteilungen zur Echtheit von Schiele-Werken "bei einfachen Entscheidungen" künftig ohne die weltweit anerkannteste Schiele-Autorität Jane Kallir treffen. Darüber hinaus zeigt aber vor allem die Schau "Melancholie und Provokation - das Egon-Schiele Projekt", die Witwe Elisabeth Leopold und ihr Sohn Diethard zum Jubiläum ausgerichtet haben, dass die Nachfahren des Sammlers die Deutungshoheit zu Egon Schiele gern im eigenen Haus behalten würden. Die sensible Balance zwischen Sammlerblick und Wissenschaftlichkeit ist dabei Kollateralschaden.

Elisabeth Leopold hat Schieles erste große Einzelausstellung in der Galerie Miethke 1911 als Ausgangspunkt genommen, um ihr Best-of des jungen Malers zu zeigen: Die mit Deckweiß umrandeten Körper, die Kauernden, Hockenden, Posierenden stammen dabei zum überwiegenden Teil aus der Sammlung des Hauses.

Auch die Schau bei Miethke wurde nachempfunden. Allerdings ist erst nach dem Vergleich mit dem ausgestellten Katalog von 1911 klar, dass die Werke an der Wand mit einer Ausnahme nicht mit denen von damals ident sind - meist sind
es Variationen derselben Motive.

Doch die Schau ist eben nicht streng wissenschaftlich, sondern nach dem Gefühl der Sammlerseelenbotschafterin gehängt - und da darf eben auch skurril kombiniert werden. So wird Schiele eine "geistige Verwandtschaft mit den seelenvollen Kunstwerken der Gotik" attestiert, die Rudolf Leopold ja auch sammelte - eine Figurengruppe aus dem 15. Jahrhundert soll diese Seelenwanderung belegen. Im nächsten Raum werden Schiele-Akte dann mit Schattenspielfiguren aus Bali kombiniert.

Den Großteil der Ausstellungsräume belegt jedoch die von Diethard Leopold verantwortete Zusammenführung zeitgenössischer Künstler mit Schiele, die oft schmerzlich an der Oberfläche bleibt.

Dass Aktionisten wie Günter Brus teils ähnliche Wege beschritten wie Schiele, lässt sich anhand von suggestiv nebeneinander gehängten Bildern nachvollziehen. Tiefere Argumentationen bleibt diese Schau aber schuldig. Die Künstlerin Claudia Bosse wiederum holte Schiele in eine interessante Rauminstallation, die jedoch die gezeigten Originale erdrückt.

Dass Elisabeth und Diethard Leopold vor der Presse noch ihre Meinungsverschiedenheiten zum frühen Schiele ausbreiteten, war da nur bezeichnend. Der neue museologische Direktor Tobias Natter ist in diesem Sinn um so mehr willkommen - steht er doch für eine Verankerung des Leopold-Museums im Diskurs außerhalb der eigenen vier Wände.

Möglicherweise hätte das Leopold-Museum schon vor 30 Jahren gebaut werden können: Es gab bereits Pläne von Hans Hollein und Wilhelm Holzbauer für ein Gebäude nahe dem heutigen MAK. Für die damals zuständige Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg hatte 1981 aber die Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung Priorität: So kamen wichtige Werke des deutschen Sammler-Paars Ludwig in den Besitz des heutigen MUMOK. Im Zuge der Planungen zum MuseumsQuartier entwickelten die Architekten Ortner & Ortner ab 1990 ihren Entwurf für das Leopold Museum.

1994 brachte Rudolf Leopold 5266 Werke aus seiner Sammlung (Schätzwert rund 575 Mio. €) in die Leopold Museum Privatstiftung ein. Der Bund zahlte umgerechnet 160 Mio.€. Als Stiftungszweck wurde u.a. der "Betrieb eines Museums" festgeschrieben, der Spatenstich erfolgte 1998.

Im selben Jahr wurde in New York das "Bildnis Wally" beschlagnahmt - es war der Beginn einer Raubkunst-Debatte, die das Museum bis heute beschäftigt.

Die seit 2007 tätigen unabhängigen Provenienzforscher haben erst einen kleinen Teil der Sammlung untersucht, in wichtigen Fällen wurden jedoch Vergleiche mit Erben geschlossen.
Mit einem Rekordwert von 360.000 Besuchern im Jahr 2010 zählt das Leopold Museum zu den großen Touristenattraktionen Wiens. Das jährliche Budget beträgt rund 5,2 Mio. Euro, 2,7 Mio. Euro steuert der Bund bei.

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