Leopold Museum: Der Maler wird plastisch, der Bildhauer malerisch
Ein schöner Kontrast mit Parallelen: In diesem Paradox oszilliert eine poetische Schau, bei der „eine gewisse Atmosphäre, ein gewisser Klang zwischen den Kunstwerken erzeugt werden sollte“, sagt Kurator Hans-Peter Wipplinger.
„Herbert Boeckl – Hans Josephsohn. Archetypen des Figuralen“ im Leopold Museum zeigt oft raue und widerständige Arbeiten zweier Künstler, die nicht Modernität, sondern Ursprünglichkeit suchten. Der eine behandelte die Malerei wie ein Bildhauer. Der andere behandelte die Skulptur wie ein Maler.
Bei Boeckl ist die pastöse Malweise ein zentrales Stilmittel, vor allem in seiner expressiven Realismus- und Stilllebenphase der 1920er-Jahre. Und am Porträt „Die Berlinerin“ (1921), einer Frau mit Knollennase, zeigt sich: „Er baut“, so formulierte es schon der Kunsthistoriker Otto Breicha treffend, „Bilder geradezu wie ein Maurer.“
Kunst der Verdichtung
Josephsohns Figuren stehen, sitzen oder liegen. Mehr geschieht nicht. Keine erzählende Bewegung. Keine Geste. Kein dramatischer Moment. Seine Figuren sind Zustände. Fast wie geologische Formationen.
Alberto Giacometti reduzierte den Menschen auf Distanz, Fragilität und Einsamkeit. Josephsohn verdichtete ihn zu Masse, Gewicht und Präsenz. Gips ist sein bevorzugtes Material – für ihn „ein Mittelding zwischen Modellieren und Steinbearbeiten“. In der Oberfläche bleibt der Arbeitsprozess sichtbar. Zu erkennen sind Fingerabdrücke, Spachtelzüge, Beilschläge und aufgesetzte Gipsbrocken.
Die Körper stehen nicht im Raum. Sie sind Raum gewordene Masse. Sie entstanden zwar nach realen Modellen, oft Frauen aus seinem persönlichen Umfeld. Sie sind aber am Ende unkenntlich. Details verschwinden. Gesichter lösen sich fast vollständig auf. Denn Josephsohn modelliert keine Individuen.
Archaische Präsenz
Was bleibt? Eine, elementare, eine allgemeine menschliche Präsenz. Etwas Archaisches. Der Körper trägt Spuren von Brüchen und Verletzungen und erscheint als etwas Gelebtes. Nicht als Idealform.
Auch Boeckl malt nicht nach einem fertigen inneren Bild. Seine Gemälde entstehen in Schichten. Farbe wird aufgebaut, wieder zerstört, übermalt, verdichtet. Komposition oder Stil spielen keine Rolle. Es geht ums Suchen.
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