Kultur 09.06.2018

Lenny Kravitz: Nach einer Krise wieder in Top-Form

© Bild: Mathieu Bitton

Der Gitarrist und Sänger machte mit seiner "Raise Vibration"-Tour in der Wiener Stadthalle Station.

„Eine Krise“, erzählte Lenny Kravitz dem Rolling Stone, habe er vor dieser Tour gehabt: „Ich war noch nie so verwirrt in Bezug auf das Musikmachen. Ich hab es nicht mehr gespürt!“

Dass er diese Krise überwunden hat, zeigte der 54-Jährige bei seinem Auftritt in der Wiener Stadthalle. Ja, er hatte hier schon mal wesentlich mehr Zuschauer – nur 6600 sind heute gekommen. Aber das stört ihn nicht. Kravitz drückt von Beginn an aufs Tempo. „Fly Away“ und „Dig In“ sind nicht nur aufgrund der groovigen Basis mitreißend, sondern auch, weil der Amerikaner schon diese ersten Songs mit unbändigem Elan in den Äther schleudert.

US-32ND-ANNUAL-ROCK-&-ROLL-HALL-OF-FAME-INDUCTION-CEREMONY---SHO
© Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/Mike Coppola

Reggae-Beat

Ähnlich geht es weiter: „American Woman“ kippt im letzten Drittel in einen Reggae-Beat. Drei Bläser kommen dazu, fallen in den Refrain von „Get Up, Stand Up“ von Bob Marley.

Die Band ist perfekt eingespielt. Bassistin Gail Ann Dorsey, die mehr als zehn Jahre lang an der Seite von David Bowie brillierte, ist in Bestform. Hier darf sie ihre Liebe zum Funk ausgiebig ausleben. Aber auch die zu Blues, Soul und Rock. Dazu solieren die Bläser und natürlich Kravitz selbst an der Gitarre.

Viel spricht er nicht. Aber er holt Chris auf die Bühne, der heute 18 geworden ist, später auch ein Mädchen im Rollstuhl, und macht Fotos mit ihnen. Es gibt keine Showeffekte, keine Videos. Firlefanz braucht hier auch keiner. Kravitz hat genug Hits, und die Leidenschaft und das Feuer, das er und seine Band in jeden Ton legen, reichen als Garant für beste Unterhaltung.

Zwei Songs aus dem im September erscheinenden Album „Raise Vibration“ hat Kravitz mitgebracht. „It’s Enough“ ist hochpolitisch und melodisch okay, aber „Low“ könnte sein nächster Hit werden.

Der Mittelteil ist ruhiger. Kravitz spielt Klavier und die akustische Gitarre, bevor er eine furiose Version von „Where Are We Runnin’?“ anstimmt. „Let Love Rule“ schon in der Zugabe wird mit Publikums-Chor und einem Ausflug in die Massen auf fast zehn Minuten ausgedehnt. Und „Are You Gonna Go My Way“ zeigt es dann noch einmal ganz deutlich: Kravitz spürt sie definitiv wieder – seine alte Liebe zur Musik!

( kurier.at , schoki ) Erstellt am 09.06.2018