Kultur
24.02.2018

Leberkässemmerl nach der Auferstehung

"Der Jüngste Tag des Peter Gottlieb": Im Wirtshaus lässt der Vorarlberger Christian Mähr wird über die Menschheit verhandeln.

Es gibt 18 Milliarden Menschen, die tot sind, und die treffen einander regelmäßig um 18 Uhr und überlegen, ob sie "oben" eingreifen sollen.

Darüber hat der Vorarlberger Chemiker, ehemalige Wissenschaftsjournalist und Krimi-Spezialist Christian Mähr in "Semmlers Deal" geschrieben.

Das Außergewöhnliche steht in seinen Büchern fest im Bodenständigen.

Jetzt sitzen der Herr Hildmeyer und der Herr Liri rauchend auf der Friedhofsmauer der Ortschaft Holzgarten und wundern sich:

Wieso ausgerechnet sie? Wieso NUR sie? Hinter ihnen liegen so viele im Grab. Stehen die denn nicht auf? Es sind tatsächlich nicht viele, die sich unter die Lebenden mischen. Ohne Zombie-Getue. Der erschlagene Polizist Inspektor Stieger stellt sich wieder in den Dienst und fährt zu seinem Mörder, um ihn zu verhaften. Niemand will Menschenfleisch essen. Sondern eine Leberkässemmel, wenn’s geht bitte.

Entschuldigung

Mährs Freund Michael Köhlmeier freut sich, dass ihn "Der Jüngste Tag des Peter Gottlieb" am Kragen gepackt hat.

Sagen wir so: Der Roman ist sehr kurzweilig. Er hat keine langen Durchhänger. Er hält dich auf Trab – gleich ab jener Anfangsszene, in der nachts ein Spaziergänger auf der Landesstraße vor ein Auto läuft, in hohem Boden durch die Luft fliegt, dann aufsteht und sich beim Lenker für die Unannehmlichkeiten entschuldigt.

Im Wirtshaus "Lamm" trifft man sich zum Jüngsten Gericht, "der Herr" führt den Vorsitz – und erfreut sich an sauren Pfefferoni ...

Bei allen Blödeleien: Das Buch hat Hirn. Es ist ein Roman über Religion, über den Glauben. Sind wir zu retten? Muss, was entsteht, zugrunde gehen?

Bei Mähr merkt man nicht sofort, dass der Weg weiter und tiefer geht. In "Alles Fleisch ist Gras", vom ORF als Landkrimi verfilmt, wurden Menschen in der Dornbirner Abwasserreinigungsanlage zergatscht und zu Dünger granuliert. Auch das war Spaß – aber die Frage war: Wer hat keine Lust, jemanden verschwinden zu lassen? Wo ist Abel?


Christian Mähr: „Der
Jüngste Tag des Peter
Gottlieb“
Braumüller
Verlag.
340 Seiten.
24 Euro.

KURIER-Wertung: ****