© APA/JERZY BIN

Kultur
07/12/2019

"Land des Lächelns" in Mörbisch: Großes Spektakel mit Rührseligkeit

Kritik: Franz Lehárs „Land des Lächelns“ beeindruckt bei den Seefestspielen in Mörbisch. (Von Helmut C. Mayer)

Als der gigantische Drachenkopf, begleitet von Feuerfontänen, um die Ecke biegt und dann fast die gesamte Bühne dominiert, brandet im Publikum starker Applaus auf. Er schaut aber auch imposant und bedrohlich aus, kann mit seinen Augen gefährlich rot funkeln und durch die Nase Rauch blasen.

Auch sonst beeindruckt bei Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“, der diesjährigen Operettenproduktion der Seefestspiele in Mörbisch, das Bühnenbild von Walter Vogelweider. Es ist das zweite Jahr unter der künstlerischen Leitung von Peter Edelmann, der es zu seinem Credo gemacht hat, nur die erste Garde dieses Genres auf der größte Open-Air-Operettenbühne der Welt am Neusiedler See zu zeigen.

In Wiens Wurstelprater spielt der erste Akt anfänglich mit Attraktionen wie einer Drachenbahn, dem Calafati und einem Panoptikum, später dann in einem wunderbaren grün-bläulichen Jugendstilsalon. Der zweite und dritte Akt in China wird in dieser imposanten „Drachenlandschaft“, wo auch mit den fernöstlichen Klischees und Pomp nicht gespart wird, gezeigt.

Geschmack

Und alles ist geprägt von großer, fantasievoller Schönheit. Wie überhaupt bei dieser Produktion die Ästheten am Werk sind. Denn auch die Kostüme von Christof Kremer sind von erlesenem Geschmack und Schönheit. Dazu kommt mit Leonard Prinsloo noch ein Regisseur und Choreograf, der der Musik vertraut und die sentimentale Geschichte um die gescheiterte Liebe einer Wiener Grafentochter und eines chinesischen Prinzen ganz klar mit intimen kammerspielartigen Momenten, dem notwendigen Schuss an Rührseligkeit aber auch als großes, ungemein vitales Spektakel traditionell inszeniert.

Akrobatik

Viele Szenen werden von Prinsloo immer wieder mit mitreißendem Ballett aufgefettet, aber auch mit Akrobatik mit roten Tüchern in schwindelnder Höhe, was immer wieder Szenenapplaus hervorruft. Und über allem befindet sich ein neuer, die gesamte Bühne umspannender Bogen, auf dem immer wieder Projektionen zu sehen sind und der vor allem mit seinen neuen Lautsprechern eine Verbesserung der Akustik bewirkt.

Dies hört man beim sehr gut zusammengestellten Ensemble: Elissa Huber singt die Lisa mit schön geführtem Sopran und feiner Höhe. Ihren geliebten Prinzen Sou-Chong singt Won Whi Choi mit einem wunderbar schmelzigen, leicht baritonalem Tenor und strahlender Höhe. Vor allem der Ohrwurm „Dein ist mein ganzes Herz“ gelingt ihm anrührend.

Seine quirlige Schwester Mi spielt und singt Katerina von Bennigsen mit flexiblem, leichtem Sopran. Ideal besetzt ist auch Maximilian Mayer als Graf Gustav. Die stark aufgewertete Rolle des Obereunuchen wird vom Ex-Intendanten von Mörbisch, dem unverwüstlichen Harald Serafin, gegeben. Der Text für sein nur bedingt witziges Couplet wurde von ihm und Felix Dvorak erdacht.

Das fernöstliche, an Puccini gemahnende Kolorit, aber auch die wienerischen Farben werde vom Festival Orchester Mörbisch unter Thomas Rösner ungemein sensibel und klangvoll zum Klingen zu bringen. Jubel!