© Werner Kmetitsch

Kritik
12/19/2021

Oper Graz mit "Perlenfischer" und "Schwanda": Zweierlei aus dem Opernfundus

Die Oper Graz zeigt mit Bizets „Die Perlenfischer“ und Weinbergers „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ Raritäten (Von Helmut Christian Mayer).

„Au fond du temple saint“ („Aus der Tiefe des heiligen Tempels“): Edel sind die Worte des Freundschaftsduett aus den „Perlenfischern“. Georges Bizet hat sie in eine wunderbar anrührende Melodie geformt, die leitmotivartig immer wiederholt, zu einem echten Hit wurde. Aber damit sie ihre Wirkung erzielt, bedarf es exzellenter Stimmen.

Dem Opernhaus Graz gelingt dies mit kleinen Einschränkungen: Der Tenor Andrzej Lambert verfügt als Nadir über ein wunderbar lyrisches Timbre und sicherere Höhen. Präsent, kraftvoll und mit weichem Bariton, allerdings mit kleineren Intonationsproblemen zu Beginn, ist sein Rivale Dariusz Perczak als Zurga zu hören.

Übertroffen werden sie jedoch von der von beiden heißbegehrten Priesterin Leíla von Tetiana Myius mit Flexibilität und glasklaren Spitzentönen gesungen. Etwas eindimensional: Daeho Kim (Nourabad). Bei den Grazer Philharmonikern blüht unter dem Dirigat von Marcus Merkel das exotische Kolorit immer wieder herrlich klangvoll auf. Es wird nuanciert, ausgewogen und sängerfreundlich musiziert.

Naturalistisch ist die Szenerie von Ben Baur (gemeinsam mit Beate Vollack auch für die altmodisch wirkende Inszenierung verantwortlich). Man sieht meist arrangierte, statische Tableaus.

Zum Teufel in die Hölle

Genau das Gegenteil davon erlebt man bei „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ von Jaromír Weinberger. Denn Jux bedeutet der Name des Titelhelden wörtlich. Und wenn dieser mit einem Räuber aufbricht, um eine verzauberte Königin mit einem Eisherz zu suchen, dann zum Teufel in die Hölle rutscht, um schließlich wieder zu seiner Frau zurückzukehren, ist dies wohl die Ausgelassenheit in Person.

Ausgelassen, skurril, überbordend an Ideen ist die revueartige Inszenierung von Dirk Schmeding: Auf einer scheibenartigen Showbühne (Martina Segna) wird der Plot aus der böhmischen Märchenwelt und dem Landleben mit allerlei Federvieh, einem Pinguin-Ballett in der Eiswelt, einer Richtstätte und einer Höllensauna mit einem riesigen hängenden Brathendl und extrem dicken, nackten Teufeln gezeigt.

Musikalisch enthält die raffiniert instrumentierte Musik reiche, abschattierte Farben der Spätromantik, die Robert Jindra am Pult der Grazer Philharmoniker mit reizvoll folkloristischen Wirkungen und reichen Nuancen verwirklicht.

Petr Sokolov ist ein dunkelgefärbter Titelheld. Herausragend singt Polina Pastirchak seine Frau Dorotka. Matthias Koziorowski im Glitzersakko wie ein Showstar ausstaffiert, hört man als Räuber Babinský mit hellem Tenor. Kalt: Ester Pavlu (Königin), böse: Daeho Kim (Magier), köstlich witzig und stimmgewaltig: Wilfried Zelinka als Oberteufel mit dickem Hängebauch. Mächtig singt in beiden Opern der Chor.

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