Kultur 09.02.2017

Kurt Wagner: "Ich habe eine viel zu große Klappe"

Kurt Wagner, Sänger und Songwriter von Lambchop. © Bild: KURIER/Franz Gruber

Vor dem Wien-Konzert spricht der Lambchop-Boss über R&B-Beats und seine Politiker-Gattin.

Ein angeschnittenes Gesicht, ein halber Torso und eine Hand, die in herzlicher Umarmung auf der Schulter des Torsos ruht.

Dieses Gemälde ziert das Cover von Lambchops jüngster CD "Flotus". Die Hand ist die von Michelle Obama. Der Torso gehört Mary Mancini, der Gattin von Lambchop-Sänger Kurt Wagner.

"Auf ,Flotus‘ geht es um die Beziehung zu Mary", erzählt Wagner im Interview mit dem KURIER. "Als ich sie kennenlernte, war sie Club-Besitzerin in Nashville. In den letzten Jahren hat sie aber als Politikerin Karriere gemacht, ist jetzt Vorsitzende der Demokratischen Partei von Tennessee. Deshalb traf sie Michelle Obama. Als ich das Foto sah, musste ich es für das Cover haben."

Für seine Frau kam das aber nicht infrage. Also ließ Wagner das Foto nachzeichnen und hatte damit das ideale Bildnis für "Flotus". Denn das Wort steht wahlweise für "For Love Often Turns Us Still" oder "First Lady Of The United States".

Lamchop Cover Flotus honorarfrei…
Lamchop Cover Flotus honorarfrei © Bild: /City Slang

"Jede der beiden Deutungen repräsentiert genau das, was ich auf dem Album besinge", sagt er. "Denn die eine Seite unserer Beziehung ist, dass wir einander seit 21 Jahren in allen Lebenslagen unterstützen. Die andere ist, dass sie in der Politik tätig ist."

Geschmacklos

Oft, sagt Wagner, begleite er seine Frau jetzt zu politischen Veranstaltungen und musste so ein noch viel stärkeres politisches Bewusstsein entwickeln: "Es ist eine Sache, privat eine Meinung zu haben, aber eine andere, mit Politikern darüber zu kommunizieren."

War das in den letzten Monaten nicht besonders aufreibend? "Hey ja –natürlich! Je länger wir als Familie in die Politik involviert sind, desto bizarrer und geschmackloser kommt uns das vor. Aber es ist wie in jedem anderen Business: Man trifft auch Leute, die goldrichtig und absolut anständig sind."

Auch wenn Partei-Kreise jetzt sein soziales Leben bestimmen, hält sich Wagner in den Songs mit politischen Kommentaren zurück: "Ich finde, wenn man die Songs weniger spezifisch macht und Dinge poetischer sagt, dass die Lieder dann – wenn du sie über viele Jahre hinweg singst – je nach den Strömungen der Zeit eine andere Bedeutung annehmen. So können sie über einen langen Zeitraum immer wieder auf andere Art relevant sein. Wenn du aber über Nixon singst, dann wird das immer ein Song über Richard Nixon und seine Zeit sein."

Verrückt

Die Kommunikation mit seinem Publikum in Bezug auf "all die Verrücktheiten, die sich zurzeit in den USA abspielen" hebt sich Wagner lieber für Konzerte auf. "Da gibt es einen direkten Austausch, in dem wir Gemeinsamkeiten und Hoffnung finden können. Wenn ich meine politische Meinung in Songs verpacke, kommt es mir so vor, als würde ich es aufschreiben, in eine Flaschenpost stecken und es wird drei Jahre später auf einer Insel angespült und dort gelesen."

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Dass der Lambchop-Sound mit "Flotus" elektronisch geworden ist, liegt aber nicht an Wagners Frau. "Meine Nachbarn haben sehr viel Hip-Hop und R&B gehört. Irgendwann gefiel mir das auch –obwohl ich immer dachte, dass man nur gerne hört, was man sich selbst aussucht. Weil ich vorher mit Freunden schon ein elektronisches Album gemacht hatte, wollte ich jetzt die Elektronik zusammen mit den R&B-Beats auch in den Lambchop-Sound einbringen."

Kann sich Wagner vorstellen, anstatt Musiker einmal selbst Politiker zu sein? "Dazu habe ich eine viel zu große Klappe. Ich glaube, da wäre ich wäre in kürzester Zeit in groben Schwierigkeiten."

INFO

Kurt Wagner kommt mir seiner Band Lambchop wieder einmal nach Österreich. Die Tourdaten:

14. 2. Wien/WUK

2. 3. Linz/Posthof

Karten für diese beiden Konzerte gibt es unter Tel: 01/96 0 96 oder www.oeticket.com

( kurier.at ) Erstellt am 09.02.2017