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Kultur
05/29/2019

KURIER #speakout: Junge Stimmen zu großen Fragen

Beim ersten KURIER Jugendfestival sprechen junge Menschen darüber, was sie bewegt und wie sie die Zukunft gestalten möchten.

Zum ersten Mal findet das KURIER #speakout Festival am heutigen Mittwoch im Museumsquartier statt. Der KURIER möchte damit ein Forum schaffen, auf dem sich junge Menschen miteinander austauschen und sich mit drängenden Fragen befassen.

Neben ernsten Themen wie Klimaschutz und politischem Engagement soll aber auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Darum endet der Tag mit Party und Musik. Zu hören gibt es zwei junge Rapacts. Die Oberösterreicherin Hunney Pimp wird im Dialekt über langsame Trap-Beats rappen. SLAV aus Wien kommt mit seinem Debütalbum „Plusvieracht“ ins MQ.

Doch alles einmal von vorne: Eröffnet wurde das erste KURIER #speakout Festival von dem 25-jährigen Kabarettisten Christoph Fritz. In seiner humorigen Keynote sprach er darüber, wie es ist, als junger Mann mit einem "baby face" leben zu müssen.

Was die Jugend bewegt

Fritz kommt aus einem 500-Einwohnerdorf aus Niederösterreich, wo mindestens 90 Prozent der Bevölkerung miteinander verwandt sind. "Also, wenn der Pfarrer in der Messe sagt, meine Brüder und Schwestern, dann meint er das auch genauso", erzählt er augenzwinkernd. Dort werden auch Vegetarier und Veganer schief angeschaut - ",Das ist der erste Schritt zur Homosexualität', meint meine Oma immer zu meinem Bruder. ,Ich bin doch eh schon schwul', antwortet dieser", scherzt Fritz

Politisches Engagement

Die erste Session fand unter dem Motto "#machenwir - Es ist uns nicht egal!" statt. In dieser diskutierten junge Menschen mit der Moderatorin und KURIER-Redakteurin Elisabeth Hofer über ihr gesellschaftspolitisches Engagement. Dabei war unter anderem Natalie Haas, die im vergangenen Jahr als UN-Jugenddelegierte im Einsatz war. Als solche war es die Aufgabe der 23-Jährigen, sich national und international für die Rechte und Teilhabe von Österreichs Kindern und Jugendlichen einzusetzen.

Maria Mayrhofer ist geschäftsführende Gründerin der NGO #aufstehn, die Menschen aus der Zivilgesellschaft eine Möglichkeit zur Mitgestaltung bieten will. Kerstin Lechner ist Landesleiterin der Landjugend Niederösterreich, mit 20.000 Mitgliedern ist diese die größte niederösterreichische Jugendorganisation.

Von wegen politikverdrossen

Es wurde beispielsweise die Frage aufgeworfen, warum junge Menschen heute wenig Vertrauen in die Politik haben. Kerstin Lechner sieht hier die Schule in der Verantwortung, Jugendlich zu der Thematik hinzuführen. Auf die Frage von Elisabeth Hofer, welche Rolle Medien in puncto politischer Bildung von jungen Menschen spielen, gab Maria Mayrhofer zu bedenken, dass sie oft nicht dort abgeholt werden, wo sie unterwegs sind. Vor allem neue Plattformen wie Instagram oder Youtube würden kaum bespielt werden.

Insgesamt waren sich alle Diskussionsteilnehmerinnen einig, dass das Vorurteil, junge Menschen seien politikverdrossen, nicht stimmt. Natalie Haas ist aber der Ansicht, dass das Engagement heute viel weniger ideologisch ist als früher. Als Beispiel dafür nannte sie die Klimakrise, die für die gesamte Gesellschaft relevant ist. Deswegen würden sich sehr unterschiedliche Menschen gegen den Klimawandel einsetzen.

Nach einer ersten Pause und dem anschließenden Gedankenyoga mit Giulia Tamiazzo waren alle Besucher der KURIER Veranstaltung #speakout im MuseumsQuartier tiefenentspannt und bereit für neuen Input, neue Gedanken.

Am Programm stand die zweite Session des Tages mit dem Titel „Lifestyle und Nachhaltigkeit, wie geht das zusammen?“. Moderiert wurde die Diskussion von den beiden KURIER-Redakteurinnen Elisabeth Mittendorfer und Caroline Ferstl.

Die Frage nach der richtigen und falschen Ernährung ist ein heißes Thema und wird auf der Bühne und im Publikum auch intensiv diskutiert. Essen und Zukunft betrifft uns eben alle.  

"Unser heutiger, in Europa gelebte Lebensstil ist nicht nachhaltig und führt auf Dauer zur Klimakatastrophe. Wir müssen also etwas ändern, mit unseren Ressourcen besser haushalten", sagt Thomas Schinko, Klimaforscher und bringt die Diskussion in Gange.

Der Meinung von Schinko schließt sich Justine Siegler, die über Nachhaltigkeit und veganen Lifestyle blogt, an: „Wir brauchen ein klares Umdenken, müssen unseren Lebensstil wirklich verändern.“ Wie der aussehen kann, zeigt sie in ihren Beiträgen.  

Aber wie nachhaltig ist überhaupt ein veganer Lebensstil überhaupt? Also wie nachhaltig ist es, wenn man statt der Ziegenmilch vom Bauern ums Eck lieber das Soja-Joghurt aus dem Ausland konsumiert?

„Ein Veganer spart im Jahr zwei Tonnen an CO2. Es liegt also in unseren Händen. Mit Ernährung kann jeder schnell etwas verändern. Schon ein paar Tage ohne Fleisch können helfen. Oder nur mehr einen Tag pro Woche Fleisch“, sagt Justine Siegler.

 

Michael Mandl, der unter dem Slogan „Bock auf Ziege?“ einen Bio-Bauernhof in der Buckligen Welt in Niederösterreich leitet, spricht über die Strukturen, die es kleinen Bauern einfach unmöglich machen, zu überleben. Was bleibt ist die Massentierhaltung. Und das wollen viele nicht. Daher sollte man das Förderungssystem überdenken, um überhaupt einen respektvollen Umgang mit der Natur und den Tieren ermöglichen zu können.

Es muss sich also etwas ändern. Und genau deswegen gehen auch zahlreiche Jugendliche jeden Freitag im Rahmen der „Fridays for Future“-Bewegung demonstrieren.

"Wir gehen aber nicht nur demonstrieren und legen uns danach in den Park, sondern arbeiten auch Forderungen aus, die wir dann an die Politiker übergeben“, sagt Florian Boschek, Schüler und Teil der österreichischen "Fridays for Future"-Bewegung.

Macht Sprache Wirklichkeit?

Nach einer Pause, in der der Charly Fresh mit dem Philly Cheessteak Food Truck für Stärkung sorgte, trug Kultur-Redakteur Marco Weise einige Beispiele für sexistische und gewaltverherrlichende Rap-Texte vor. Seine Frage: Warum boomt Musik, die solcherlei Frauen- und Weltbild verbreitet?

Man kenne das ja nicht nur aus der Musik, erklärte Soziologin Laura Wiesböck. Den eigenen Erfolg auf dem Herumtrampeln auf weniger privilegierten Gruppen zu begründen, sei in erster Linie ein Zeichen für ein geringes Selbstwertgefühlt, sagte sie.

Rap-Fan Chiara Sergi und Derai Al Nuaimi von der Bundesjugendvertretung waren sich einig, dass nicht zuletzt der Sexismus, der in der Gesellschaft verankert ist, Grund für den Hype um diese Musikzeilen ist. Trotz allem sei sie aber sicher, dass  Hip-Hop viel zur Durchlässigkeit unserer Gesellschaft beigetragen hat, meinte die Musikerin und Autorin Mieze Medusa. Sie hatte auch einige Beispiele für Rap mit politisch weniger inkorrekten Texten mitgebracht.

"Wir tragen in jeden Fall als Gesellschaft die Verantwortung dafür, dass solche Texte weniger werden", sagte Derai Al Nuaimi. Denn noch gelte die Devise "Sex sells" - das müsse man hinterfragen.

Chiara Sergi betonte aber auch, dass, wer sich mit Rap und Hip-Hop auseinandersetzt, Texte auch reflektiert betrachten könne.