Namensschild an der Tür des Salzburger Hauses von Cornelius Gurlitt

© Reuters/DOMINIC EBENBICHLER

Raubkunstverdacht
04/07/2014

Kunstsammler Gurlitt einigt sich mit deutscher Bundesregierung

Cornelius Gurlitt lässt alle Bilder seiner Sammlung ein Jahr lang freiwillig auf ihre Herkunft untersuchen.

von Michael Huber

Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat sich mit der deutschen Bundesregierung über die Zukunft der rund 1300 Werke geeinigt, die 2012 in einer Wohnung in München wegen des Verdachts auf ein Steuervergehen beschlagnahmt worden waren. Gurlitt zeigt sich dabei zur Rückgabe von Raubkunst bereit.

Nun muss im Eiltempo geklärt werden, was in diese Kategorie fällt. Die 283 Werke, die in Gurlitts Salzburger Haus lagerten, sind von der Vereinbarung nicht erfasst, sie könnten aber theoretisch noch deren Kriterien unterworfen werden.

Der Deal besagt zunächst, dass Gurlitt alle Münchner Bilder, bei denen kein Raubkunstverdacht besteht, umgehend zurückbekommt.

Bilder, die einst von den Nazis geraubt oder als „entartete Kunst“ beschlagnahmt worden waren, bleiben in Gewahrsam und sind auf der Plattform www.lostart.de für potenziell Anspruchsberechtigte einsehbar.

Derzeit sind dort 590 solcher „verdächtiger“ Werke gelistet, ihre Herkunft soll von einer „Taskforce“ untersucht werden. Als Teil des Abkommens darf Cornelius Gurlitt nun selbst einen Vertreter in diese Forschergruppe entsenden. Sollte sich der Verdacht erhärten, zeigt sich Gurlitt bereit, mit den Besitzern „faire und gerechte Lösungen nach den Washingtoner Prinzipien insbesondere durch Restitution“ anzustreben, sprich die Bilder zurückzugeben. Vorausgesetzt, die Besitzer lassen sich ausfindig machen oder melden sich.

Enormer Zeitdruck

Die Task-Force, der u.a. auch die österreichische Provenienzforscherin Sophie Lillie angehört, hat großen Zeitdruck: Sie verfolgt „das Ziel, die Provenienzrecherche im Wesentlichen innerhalb eines Jahres durchzuführen“, heißt es in der Aussendung zum Abkommen. Und: „Kunstwerke, für die innerhalb der Jahresfrist die Provenienzrecherche durch die Taskforce nicht abgeschlossen wurde, werden an Cornelius Gurlitt herausgegeben.“

Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger bestätigte gegenüber dem KURIER, dass dies einer Art „Ablaufdatum“ gleichkomme: Entweder kann die Taskforce innerhalb eines Jahres beweisen, dass es sich bei einem Bild um Raubkunst handelt, oder aber die Erben vormaliger Besitzer melden innerhalb dieses Jahres ihre Ansprüche an: Dann „bleiben die Werke auch nach Jahresablauf in treuhänderischer Verwahrung“, wie es heißt.

Es gilt also, innerhalb eines Jahres sehr viele offene Fragen zu klären. Aber Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger versuchte gegenüber dem KURIER zu kalmieren: „Bei berechtigtem Anspruch werden wir uns weiterhin gesprächsbereit zeigen.“

Einblicke in den spektakulären Kunstfund

Matisse-Rückgabe noch verzögert

Dass die Besitzverhältnisse oft sehr komplex sein können, zeigt der Fall des Matisse-Werkes „Sitzende Frau“ aus Gurlitts Sammlung: Dieses hätte eigentlich an die Erbinnen des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberg retourniert werden sollen, doch im letzten letzten Augenblick meldete sich ein weiterer Antragsteller, wie Gurlitts Anwalt Christoph Edel am Montag mitteilte.

"Vor diesem Hintergrund bin ich rechtlich verpflichtet, vor Herausgabe des Bildes erst die Ansprüche des neuen Anspruchstellers zu überprüfen", betonte Edel. "Andernfalls mache ich mich als gerichtlich bestellter Betreuer persönlich schadenersatzpflichtig, sollte das Bild an die nicht berechtigte Person irrtümlicherweise herausgegeben werden."

Ende März hatten Gurlitts Anwälte mitgeteilt, eine Vereinbarung mit den Enkelinnen Rosenbergs, Marianne Rosenberg und Anne Sinclair, zu unterschreiben. Das von den Nationalsozialisten geraubte Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung des führenden Nazi-Politikers Hermann Göring und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Die Augsburger Staatsanwaltschaft, die seit der Beschlagnahmung der Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt im Februar 2012 im Besitz des Bildes ist, signalisierte ihre Zustimmung zur Einigung in diesem Einzelfall.

Bilder aus dem Salzburger Teil der Gurlitt-Sammmlung

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