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Kultur
08/04/2020

Kunstmarkt: Sotheby's meldet 2,5 Milliarden US-$ Umsatz

Das Auktionshaus verbuchte ein Minus von 25 Prozent, konnte aber Verluste durch erfolgreiche Online-Verkäufe abmildern

von Michael Huber

Auktionshäuser sind Meister der Zahlen-Schönfärberei: Liest man die Pressemeldungen der Unternehmen, scheint es mit dem Kunstmarkt unentwegt bergauf zu gehen, bei fast jeder Auktion wird irgend ein Rekord gebrochen. Selbst in der Corona-Krise gilt diese Regel, wie die Verlautbarung der Halbjahres-Zahlen des Branchenriesen Sotheby's am Montag bewies: Mit 285 Millionen US-$ machte die Firma dreimal mehr Umsatz mit Online-Auktionen als im gesamten Jahr 2019, der Anteil der Bieterinnen und Bieter unter 40 Jahren sei um 30 Prozent gestiegen, ein dreiteiliges Gemälde von Francis Bacon habe mit 84,6 Millionen Euro den "höchsten Preis des bisherigen Jahres in New York" erzielt. Insgesamt setzte Sotheby's im ersten Halbjahr 2020 2,5 Milliarden US-Dollar um.

Dass diese durchaus stolze Zahl einen Umsatzrückgang von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet, findet sich in der Pressemeldung mit keinem Wort erwähnt: 3,3 Milliarden US-$ hatte man in der ersten Hälfte 2019 umgesetzt. Angesichts der Corona-Krise hätte der Einbruch jedoch deutlich schlimmer sein können - und die Innovationen, mit denen sich Sotheby's nun brüstet, geben tatsächlich einige Hinweise darauf, wie auch andere Player im globalen Kunstmarkt auf die geänderten Bedingungen reagieren werden.

So ist der große Umsatzanstieg bei Online-Auktionen schlicht der Tatsache geschuldet, dass die umsatzstärksten Auktionen in New York, London und Hong Kong, die sonst nicht zur "Online"-Kategorie zählen, notgedrungen im virtuellen Raum abgehalten werden mussten. Tatsächlich war die Beteiligung durch "virtuelle" Bieter - am Telefon oder im Netz - auch bei den traditionellen Saalauktionen bisher hoch gewesen, kaum eines jener Werke, die in den vergangenen Jahren zu rekordpresien versteigert wurden, ging an einen Bieter, der erkennbar im Saal war. Die entsprechenden Werke - von "Blue Chip"-Künstlern wie Bacon, Picasso oder Warhol - sind verbriefte Markenware, die nicht erst bei realen Schaustellungen inspziert und "entdeckt" werden muss. Manchmal werden diese Bilder auch hinter verschlossenen Türen gehandelt und kommen gar nicht erst zur Auktion. Dieser Bereich - "Private Sales"  genannt - brachte Sotheby's im ersten Halbjahr 2020 in Summe 575 Millionen US-$ Umsatz.

 

Dennoch forcierten die großen Auktionshäuser zuletzt ihre Bemühungen, ein jüngeres, online-affines Publikum zu gewinnen. Ein Indiz dafür ist die Zunahme von Auktionen, bei denen Kunst icht mehr in spezialisierten Sparten, sondern quer durch alle Kategorien angeboten wird. So sollen auch jene jüngeren Reichen, die nicht zwingend über Expertise in alter Kunst verfügen, für Ware abseits des Modernen und Zeitgenössischen gewonnen werden. "Rembrandt to Richter" hieß eine solche Auktion, die Sotheby's im Juli abhielt. Das Haus setzte dabei 174 Millionen US-$ um.

Sneakers und Kunst

Noch spezieller auf eine junge Käuferschicht zielt das Haus mit Sammlerstücken, die bisher kaum als große Umsatzbringer gehandelt wurden. Doch ein einziges Paar Schuhe, von US-Basketball-Legende Michael Jordan getragen und signiert, brachten im Mai 560.000 US-Dollar ein - ein Rekord für Turnschuhe. Christie's versucht sich derzeit ebenfalls in diesem Territorium und hat eine Online-Sneaker-Auktion ausgeschrieben, für die noch bis zum 13. August Gebote entgegengenommen werden. Ein Paar Nike-Schuhe, von Michael Jordan während eines Matches getragen, sollen da sogar noch den Sotheby's-Rekord toppen: Ihr Schätzwert wird zwischen 550.000 und 850.000 US-Dollar angegeben.

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