Kunsthistorisches Museum: Wurden Mitarbeiter zur Kündigung gedrängt?

Museum weist Vorwürfe zurück: "Nein! Natürlich nicht." Das KHM nehme aber "die Kritik sehr ernst".
Kunsthistorisches Museum: Wurden Mitarbeiter zur Kündigung gedrängt?

Gibt es im Kunsthistorischen Museum (KHM) ein Problem mit der Mitarbeiterführung? Das ist eine der Fragen, die sich aus den Mobbing-und Bossingvorwürfen der Ambras-Direktorin Veronika Sandbichler ergibt. Vorerst sind die Wahrnehmungen hier höchst unterschiedlich. 

In der "Zeit im Bild" vom Mittwochabend sagten ehemalige KHM-Mitarbeitende anonym, dass "Kolleginnen ... systematisch zur Kündigung gedrängt wurden. Das war nicht impulsiv, sondern sehr, sehr überlegt." Das KHM weist die „anonymen und diffusen Vorwürfe" zurück.

Auf KURIER-Anfrage verneint das KHM die in der "Zeit im Bild" geäußerten Vorwürfe auch im Detail. 

  • Wurden im KHM MitarbeiterInnen „systematisch zur Kündigung gedrängt“? "Nein! Natürlich nicht", heißt es vom KHM.  
  • Es sei auch nicht "mehr Druck auf weibliche als männliche Mitarbeiter ausgeübt" worden, wie es im Beitrag hieß.
  • Bei jenen 16 Personen, die vom Anwalt Sandbichlers ins Spiel gebracht wurden, gab es "einvernehmliche und vor allem formgerechte Lösungen".

„An uns ist niemand konkret herangetreten – weder direkt noch über den Betriebsrat oder über die Gleichbehandlungsbeauftragte oder unsere Whistleblower-Hotline“, hatte auch KHM-Direktor Jonathan Fine gesagt. Sollten weitere Personen betroffen sein, müssten sie sich „direkt, über den Betriebsrat oder gegebenenfalls über einen Anwalt an uns wenden“. 

Die Vorwürfe jener Person, die das getan hat - Veronika Sandbichler - weist man weiterhin zurück. Warum bezeichnet das KHM Vorwürfe als „gegenstandslos“, die von insgesamt drei Stellen geprüft werden, fragte der KURIER. "Weil wir in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung sind, die anderen Vorwürfe sind nicht gegenständlich", hieß es vom KHM.

Der KURIER hat beim Anwalt Sandbichlers nachgefragt, warum die weiteren Vorwürfe - es geht hier u.a. um Compliance - mit dem Fall der Ambras-Direktorin verknüpft sind.

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Die Frage des "Bossing"

Derweil tauchen aber auch Detailfragen aus, die vorerst nicht klar beantwortet sind. Eine Eskalation in der Form, dass er Sandbichler angeschrien habe, habe es nicht gegeben, sagte Fine. "Es waren im Herbst schwierige Diskussionen mit Frau Dr. Sandbichler, aus meiner Sicht wurden sie nie unkollegial und unprofessionell geführt", sagte der Generaldirektor.

Der Bossing-Vorwurfe, den Sandbichler erhebt, lässt sich jedoch jedenfalls nicht mit "nicht angeschrien" wegerklären. Bossing ist eine permanente Herabwürdigung und Benachteiligung von Mitarbeitenden durch den Vorgesetzten, unabhängig von der Lautstärke. Sandbichler scheint die Diskussionen sehr wohl "unkollegial und unprofessionell" empfunden zu haben. Sie spricht von "Einschüchterung, Druck und persönlicher Abwertung". Die Vorwürfe werden nun extern geklärt.

Auch Abgänge in Schloss Ambras

Auf KURIER-Anfrage wird auch bestätigt, dass es auf Schloss Ambras ebenfalls Abgänge von Mitarbeitenden gegeben hat. Drei von sechs der engsten Mitarbeiter von Sandbichler haben in den vergangenen 18 Monaten den KHM-Verband verlassen, bestätigt dieser.

Anlass für Verbesserungsmaßnahmen?

Gibt es über das Zurückweisen von Vorwürfen hinaus beim Führungsduo Überlegungen, die nun aufkommenden Stimmungsbilder als Anlass zu sehen, das eigene Führungsvermögen zu überdenken bzw. sich schulen zu lassen? 

Das KHM antwortet: "Wir nehmen die Kritik sehr ernst, lassen die Situation evaluieren und werden die interne Kommunikation verstärken und die notwendigen Veränderung noch besser kommunikativ begleiten. Aber auch das braucht Zeit. Uns ist es wichtig, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Und wir reflektieren täglich dazu – und lernen."

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