Kunsthistorisches Museum: Mobbingvorwurf und Streit um Ablöse
Die Vorwürfe einer "toxischen Führungskultur" im Kunsthistorischen Museum sorgten am Mittwoch für große Aufmerksamkeit. Das Museum dementierte, das Kuratorium des Hauses tagt am Nachmittag, das Kulturministerium begleitet die Prüfung.
Man habe rund um die Vorwürfe von Ambras-Direktorin Veronika Sandbichler (Artikelbild) gegen die Führung des Kunsthistorischen Museums (KHM) Stellungnahmen vom Kuratorium und der Geschäftsführung eingeholt, hieß es auf Anfrage des KURIER aus dem Kulturministerium. Man wolle zu einem laufenden Prozess darüber hinaus keine Stellungnahme abgeben.
Da für Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) "ein fairer und respektvoller Umgang in Kunst und Kultur" aber "oberste Priorität" habe und ebenso "die konsequente Einhaltung von Compliance-Grundsätzen", habe Babler "eine enge Begleitung des Prozesses durch das Ministerium veranlasst".
Sandbichler, die seit 34 Jahren im Verband des Kunsthistorischen Museums beschäftigt ist und die Innsbrucker Außenstelle Schloss Ambras seit 2010 leitet, spricht von "Einschüchterung, Druck und persönlicher Abwertung". Vor Fines Antritt habe eine "sehr gute Kritikkultur" geherrscht. "Ich arbeite sehr, sehr gern und mir liegt etwas an dieser Institution und auch an den Menschen, die da arbeiten", so Sandbichler gegenüber Ö1. "Sie können mir glauben, dass es mir nicht leicht fällt, damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen."
Die Vorwürfe, die das Museum als "haltlos" zurückweist, sollen sich dem Vernehmen nach neben Mobbing und Bossing auch auf Compliance-Verstöße und den Umgang mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Haus verlassen haben, erstrecken.
Diese haben aber einvernehmlich oder selbst gekündigt, hieß es aus dem Museum zum KURIER. 16 dementsprechende Abgänge (bei mehreren hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern) gibt es, seitdem Fine im Jänner 2025 das Haus übernommen hatte - darunter aber einige Führungskräfte.
Die Vorgeschichte
Seit Jahresbeginn war nach KURIER-Infos der Streit zwischen Sandbichler und dem Kunsthistorischen Museum (KHM) hochgeschaukelt. Vorangegangen war Kritik aus dem Museumsverband an deren Mitarbeiterführung und an den Besucherzahlen im Schloss Ambras, das zum KHM-Verband gehört, sein. Sie zeige "deutliche Schwächen in unternehmerischer Führung des Schloss Ambras", hieß es vonseiten des KHM.
Sandbichlers Seite widerspricht der Darstellung, dass hier plötzlich nach der Übernahme durch Fine die Leistung Sandbichlers nicht gestimmt habe, vehement. „Auch die langjährigen Vorgesetzen und früheren Generaldirektoren Sabine Haag und Wilfried Seipel haben bestätigt, dass die Arbeitsleistung von Veronika Sandbichler zu ihrer Zeit während mehr als 30 Jahre ausgezeichnet war und zu keinen Beanstandungen Anlass gegeben hat. Etwaige Fehler/Kritikpunkte wurden immer sofort und sehr lösungsorientiert mit ihr besprochen“, so Anwalt Martin Maxl zum KURIER.
Sandbichler spricht von "sehr, sehr vielen Kolleginnen und Kollegen, die Angst haben, ihren Job zu verlieren".
Streitpunkt Prämienzusage
Der Konflikt, der nun in den öffentlichen Vorwürfen mündete, entzündete sich formal an einer Prämienzusage, die Sandbichler einem Mitarbeiter gegeben haben soll, bevor die Faktenlage dafür vorhanden gewesen sei. Dafür wurde sie vom Museum Mitte Jänner ermahnt, heißt es.
Schon zuvor, im Herbst letzten Jahres aber, wandte sich Sandbichler an ihren Anwalt. Hintergrund sei ein Kulturbruch in der Kommunikation im Haus gewesen. Via Anwalt ließ sie am 21. Jänner eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses vorschlagen, verbunden mit der Forderung einer freiwilligen Abfertigung, bestätigen beide Seiten.
Von Sandbichlers Seite heißt es, dass die Höhe - 24 Monatsgehälter - angesichts der drei Jahrzehnte währenden Tätigkeit für das Haus angemessen sei.
Über die Höhe der Abschlagszahlung wurde man sich nicht einig, das Gegenangebot des KHM wurde ausgeschlagen. Ende Februar wurden die Vorwürfe dann an das Kuratorium des KHM übersendet. KHM-Direktor Jonathan Fine und Geschäftsführer Paul Frey haben Stellungnahmen abgegeben. Die Prüfung läuft seit 13. März.
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