Er nimmt es lächelnd: Nicolaus Schafhausen verlässt die Kunsthalle Wien vor der Zeit

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Kultur
03/12/2019

Kunsthalle Wien: Eklatanter Besucherrückgang, geringe Einnahmen

Auf Nachfrage des KURIER gab die Kunsthalle Wien Kennzahlen bekannt. 2018 wurden pro Besucher lediglich 87 Cent erlöst.

Die Kunsthalle Wien hatte 2018 unter der Leitung des nun vorzeitig abgehenden Nicolaus Schafhausen lediglich 70.429 Besucher (im Jahr zuvor waren es ungefähr 77.000). Dies gab das Ausstellungshaus auf Anfrage des KURIER bekannt. Nicht ganz freiwillig allerdings: Das Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die sich generell für Transparenz bei der Verwendung von Steuergeldern ausspricht, musste erst Druck machen.

Und: 43.383 Besucher bezahlten 2018 keinen Eintritt. Von den übrigen 27.046 nahm die Kunsthalle (an den beiden Standorten Museumsquartier und Karlsplatz) nur 61.427 Euro ein. Sprich: Im Durchschnitt wurden pro Besucher 87 Cent erlöst. Im Leopold Museum hingegen, auf dem MQ-Areal nur 100 Schritte entfernt, betrug der Erlös pro Besucher 8,70 Euro, also das Zehnfache.

Die Kunsthalle rechtfertigt den freien Eintritt mit der Motivation, vielen Menschen den Zugang zu zeitgenössischer Kunst ermöglichen zu wollen. Das Angebot wurde aber, wie man an der Besucherzahl sieht, nicht wirklich angenommen. Zudem werde die Kunsthalle, so deren Argumentation, von der Stadt subventioniert: „Insofern sollte gerade die Wiener Bevölkerung möglichst kostengünstigen Zugang haben.“

Dies ist allerdings nicht nachvollziehbar. Denn so gut wie alle größeren Kulturinstitutionen werden subventioniert. Der Mehr-oder-weniger-Gratiseintritt müsste dann auch für alle anderen Häuser gelten – vom Wien Museum bis zum Volkstheater. Auch die Intention von Nicolaus Schafhausen, mit dem Gratiseintritt für alle bis 19 Jahre ein junges Publikum ansprechen zu wollen, dürfte nicht aufgegangen sein. Zu diesem Schluss kommt der "Falter" in seiner Ausgabe vom 13. März.

Die Stadtzeitung ist zudem über die hohe Zahl der Schließtage am Standort Museumsquartier entsetzt. Die Kunsthalle Wien bespielt dort zwei Ausstellungshallen. Währed der Auf- und Abbauarbeiten in der einen Halle könnte zumindest in der anderen eine Schau zu sehen sein. Zumindest in der Theorie. Laut "Falter" gab es aber dort 66 Schließtage im Jahr 2015 beziehungsweise deren 47 im Jahr 2016.

Bedenklich ist eine weitere von KURIER abgefragte Zahl: Im Jahr 2018 betrugen die Einnahmen aus Sponsoring lediglich 123.292 Euro. Die Subvention der Stadt Wien machte 3,85 Millionen Euro aus - und wurde heuer auf 4,1 Millionen erhöht.