Tony Conrads Installation "Über zwei Ecken", Kunsthalle Wien am Karlsplatz

© Foto: Stephan Wyckoff; Courtesy Tony Conrad und Greene Naftali Gallery

Kunst
12/03/2014

Kunsthalle Wien: Ecken, Kanten, Populismus

Direktor Nicolaus Schafhausen sieht Aufwind trotz bescheidener Besucherzahlen.

von Michael Huber

Über zwei Ecken“ heißt die eben eröffnete Ausstellung der Kunsthalle Wien (bis 8. 3. 2015), und wieder einmal ist es eine, die man entweder schulterzuckend oder begeistert verlässt.

Der US-Künstler Tony Conrad hat im Glaskubus am Karlsplatz eine Gefängniszelle und Glasscheiben installiert, die absurderweise über ein Guckloch verfügen.

Warum durchschauen, wenn man ohnehin etwas Transparentes vor sich hat, ist die unvermeidliche Frage – und die Antwort lautet, dass uns alles – ein Gemälde, ein Glas, ein Guckloch – eine gewisse Art des Sehens „aufzwingt“. Dessen möge man sich gerade angesichts der überall präsenten Überwachung bewusst werden, sagt Conrad, der überzeugt davon ist, dass sich seine Arbeit auch jenen erschließt, die mit Konzeptkunst wenig am Hut haben: „Wir brauchen heute diese Art von Intelligenz!“

Ecken & Kanten

Nun ist Über-Ecken-Denken trotzdem nicht jedermanns Sache. Auch Nicolaus Schafhausen musste bei seiner Jahrespressekonferenz eingestehen, dass die von ihm geleitete städtische Kunsthalle Probleme hat, gewisse Schichten zu erreichen.

Rund 60.000 Besucher zählte man 2014 bisher, erklärte der Direktor, davon kamen laut Befragungen 53 Prozent aus dem Ausland. Vom Rest der Besucher stammen etwa 66 Prozent (rund 19.000) aus Wien, und zwar eher nicht aus den Außenbezirken. „Zur Besuchersteigerung muss man andere Zielgruppen erreichen – das ist auch eine Aufgabe der Kulturpolitik“, so Schafhausen.

Neue Zählweise, neues Glück

Vergleiche „seiner“ Zahlen mit Vorjahren – 2011 hatte Ex-Chef Gerald Matt den „Rekord“ von 195.288 Besuchern postuliert, 2012 zählte man 103.361 Besucher – verbittet sich der Kunsthallen-Leiter. Da man nun wirklich nur mehr reine Ausstellungsbesucher registriere, läge eine „ganz andere Zählweise“ vor. Auch das Jahr 2013, in dem man wegen renovierungsbedingter Schließungen nur 40.520 Gäste zählte, taugt nicht zum Vergleich.

2015 will Schafhausen – er ist seit Oktober 2012 im Amt – jedenfalls dichtes Programm bieten: Geplant ist u. a. eine Werkschau des Franzosen Pierre Bismuth (ab 4. 2.), „Destination Wien“ (ab 17. 4.) führt die Idee einer Überblicksschau über die in Wien verankerte Kunstszene (einst: „Lebt und arbeitet in Wien“) fort. Ab November ist eine Schau zum Thema „Politischer Populismus“ vorgesehen – passend zum Wiener Wahljahr.

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