Kultur 17.04.2012

Kulturfinanzierung muss "realistisch sein"

Thomas Draozda, der Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, fordert höhere Subventionen. Kürzungen führen trotz Erfolgsbilanz zu "beträchtliche Verlusten".

Die Geschäfte brummen bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Trotzdem zaubert das zweitbeste Ergebnis in der VBW-Geschichte, was die Karten-Einahmen (28, 5 Mio. €) und die Auslastung (91,3 % im Inland) betrifft, Sorgenfalten auf die Stirn von Thomas Drozda: "Wir haben zwar einem Bilanzgewinn von 750.000 Euro, verlieren den Betrag aber durch eine Subventionskürzung" (2012 auf 36,35 Mio. €, davon 21,6 Mio. € für die Oper). Durch die Kollektivvertragserhöhung öffne sich eine Kostenschere, die ein "strukturelles Defizit in der gewaltigen Dimension" von 7,5 Mio € für 2012 erwarten lasse, durch Rücklagen gerade noch abgefedert.

Also Jammern auf hohem Niveau? "Nein", so Drozda. "Ich habe es nur satt, für Erfolg mit einer Subventionskürzung bestraft zu werden. Im Moment planen wir mit exorbitanten und eigentlich nicht wiederholbaren Einnahmen." Ob sich auch künftige Long-Run-Produktionen bewähren, sei schwer kalkulierbar. "Dafür hätte ich gerne Rücklagen gehabt."

Konstant hohe Auslastung

Mit "Sister Act" befindet man sich im Ronacher "stabil auf hohem Niveau" (Aus­lastung: 98,4 %), im Raimund Theater, wo im Herbst "Elisabeth" auf die Bühne kommt, liegt "Ich war noch niemals in New York" in seinem zweiten Jahr bei 88,8 %. Die nächste Eigenproduktion ist für 2014 geplant. "Zu 90 Prozent sicher" ist die Broadway-Premiere von "Rebecca" heuer im November.

"Im Gegensatz zu den Bundestheatern, wo ich es gewohnt war, dass die Subvention fast ein Jahrzehnt lang nicht valorisiert wurde", klagt Drozda, "bin ich bei den VBW damit konfrontiert, dass die öffentlichen Gelder sogar gekürzt werden, gleichzeitig die Inflationsentwicklung weitergeht und die Schere bei den Gehältern aufgeht. Will man die VBW in der Form und Qualität, muss man sie auch auf einem realistischen Niveau finanzieren."

( Kurier ) Erstellt am 17.04.2012