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Was hat Fußball mit Kultur zu tun?

Eine Anfrage an das (fiktive) Kulturamt will das wissen. Aber: Ist ein Trainer zwingend weniger fantasievoll als ein Regisseur?
Ein Schreibtisch mit Aktenordnern, einem Stempel, einer Kaffeetasse und abgelehnten Dokumenten, über dem ein Paragraphenzeichen an einem Spinnenfaden hängt.

Sehr geehrtes Kulturamt!

Das ist ja jetzt schon nicht mehr auszuhalten. Die Fußball-Weltmeisterschaft hat noch nicht einmal richtig begonnen, und überall, auf allen TV- und Radiostationen, sieht und hört man nur noch Berichte über Fußball. Selbst auf meinen geliebten Kultursendern. Geht’s noch? Ist Fußball heutzutage auch schon Kultur? Wenn das so ist, beantrage ich bei Ihnen, dass das Burgtheater wieder für Public-Viewing-Nächte geöffnet wird und man dort Fußball statt Aufführungen sieht. Immerhin gab es das schon einmal. Dann wird man sehen, was wirklich spannender ist.

Mit offensiven Grüßen, M. H.

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Sehr geehrte M. H.,

wir danken Ihnen für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit gerne bestätigen (Geschäftszahl 20/2026). Allerdings sehen wir uns gleich aus mehreren Gründen zur Ablehnung desselben gezwungen.

Erstens erscheint uns das Burgtheater nach wie vor nicht als der richtige Ort für Sport-Übertragungen. Sie spielen auf das Jahr 2008 an, als Sponsoren im Rahmen der Fußball-EM in Österreich dies ermöglichten – es sollte allerdings bei der Einmaligkeit bleiben.

Zweitens dünkt uns der Wettkampf zwischen Fußball und Kultur in Hinblick auf die von Ihnen erwähnte Spannung nicht ungefährlich – mancherorts und nicht konkret im Burgtheater. Unser Platz bleibt dennoch zweifelsfrei im Theater, wenngleich sich manche Besucher da nicht zwingend besser benehmen als jene im Stadion.

Drittens haben wir durchaus Verständnis dafür, dass Fußball in weltmeisterschaftlichen Ausnahmezeiten auch über den Spielfeldrand hinaus wirkt. Wir finden das sogar gut, weil wir grundsätzlich wenig davon halten, Genres gegeneinander auszuspielen.

Wir gehen nicht so weit zu behaupten, Fußball sei automatisch Kunst. Das würden wir aber nicht einmal von der Kunst behaupten. Fußball kann jedoch durchaus Kunst sein, er hat dramaturgisch, konzeptionell und performativ einiges damit zu tun. Ein talentierter und gut ausgebildeter Kicker ist auf seine Art und Weise nicht weniger virtuos als der eine oder andere Opernsänger. Und ein innovativer, fantasievoller, seine Profession verstehender Trainer vermag es mit einigen Regisseuren mühelos aufzunehmen.

Vielleicht ist die Sprach- (und auch die echte) Gewalt im Stadion und im Theater etwas anders ausgeprägt. Was die Kleidung betrifft, minimieren sich die Unterschiede jedoch nach und nach.

Sie merken schon unser Anliegen: Viel Spaß zu wünschen bei dieser WM. Sie wird auch hohe Kunst bringen.

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