Kultur 01.02.2012

Kultur in der Krise - International

Kulturbudgets zwischen Kahlschlag und Baustopp. In Italien, Spanien und Ungarn wird massiv eingespart. Teil 2 des Schwerpunktes.

Nicht einmal 0,3% des italienischen Staatshaushaltes fließen in die Kulturförderung – so wenig wie nirgendwo sonst in den reichen Regionen der Welt. Zum Vergleich: In Österreich ist das Kulturbudget seit den 1990er Jahren von knapp unter 1% auf rund 0,6% gefallen.

Kahlschlag

Kahlschlag ist das treffende Wort für Italiens Kulturbudget, das sich in den letzten Jahren fast halbiert hat. Da sind die 80 Mio. € aus der Mineralölsteuer heuer zusätzlich für die Kultur nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Geld wäre schon allein für das baufällige Pompeij nötig. Unerwarteter Geldsegen für Pompeij – immerhin größte archäologische Grabungsstätte Italiens mit drei Millionen Besuchern jährlich – kam indes von der EU-Kommission: 105 Mio. €.

Geld ist zu Zeiten der Wirtschaftskrise allerorten knapp. Spanien hat mehr als 12%, Großbritannien 15% der Kulturgelder gestrichen. Sparen heißt bluten auch in den Niederlanden: Bei den mit rund 500 Mio. € ohnedies nicht üppigen staatlichen Kultur-Förderungen wurde eine Verringerung um 22% für das Jahr 2015 beschlossen. Seither fragt sich die Kulturszene bange, wen es am schlimmsten treffen wird.

In Ungarn hat die nationalkonservative Regierung unter Premierminister Viktor Orban die Kulturförderungen zuletzt in zwei Schritten um 5 und dann noch um 10% gekürzt. Besonders betroffen sind der Film, die bildende Kunst und der Denkmalschutz.

Aber auch das größte Kulturprojekt der Welt bekam den Sparstift zu spüren: In Abu Dhabi sollte auf Saadiyat Island, der „Insel der Glückseligen“, die Kunst zu nie gesehener Großartigkeit heranwachsen. Fünf Prachtbauten waren geplant: das Guggenheim und der Louvre Abu Dhabi, dazu das Nationalmuseum der Emirate, entworfen von Norman Foster, außerdem das Meeresmuseum von Tadao Ando und das Performance-Center von Zaha Hadid.

Baustopp

Heuer wollte man die ersten Attraktionen eröffnen. Aber ob und wie es weitergeht, ist derzeit unklar. Frank Gehry hat die Anfrage nach einer Schrumpfversion seines spektakulären Entwurfes für das Guggenheim empört zurückgewiesen. Der Louvre Abu Dhabi soll auf jeden Fall gebaut werden, auch wenn das noch lange dauern kann. Denn das per Staatsvertrag mit Frankreich beschlossene Museum ist Prestige-Sache für das Emirat. Schließlich soll sich die Welt darauf freuen, Bauklötze zu staunen.

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( Kurier ) Erstellt am 01.02.2012