Kultur im Wandel (3): Playstation statt Plattenspieler

Der Wiener DJ Don Gon bei seiner Arbeit
Foto: DJ Don Gon Facebook

Musikinstrumente erleben derzeit einen Innovationsschub: DJs verwenden Handys, Spielekonsolen oder auch gänzlich ungewöhnliche Erfindungen.

Früher haben wir für unser Live-Set vier Plattenspieler, einen Sampler und drei Mann gebraucht. Jetzt steht mein MacBook Air auf der Bühne und ich steuere die Musik mit meinem Smartphone direkt vom Publikum aus", erzählt Alexander Redl, bekannt als DJ Don Gon, der für die Wiener Veranstaltungsreihe Mashup im Loft verantwortlich zeichnet.

Für DJ Don Gon ist der Einsatz von neuen Technologien beim Musikmachen selbstverständlich: "Die heutigen Entwicklungen ermöglichen es, den Platz in der DJ-Kanzel zu verlassen. Durch das drahtlose DJing habe ich wesentlich mehr Freiheiten für meine musikalischen Darbietungen als früher."

Playstation und iPad

Ähnlich sieht dies auch der englische DJ Frisk, der mit zwei tragbaren Sony-PlayStation-Modellen (PSP) auf der Bühne steht und deswegen jedes Mal aufs Neue neugierige Blicke aus dem Publikum auf sich zieht. "Man kann die PSP genauso wie einen CD-Player einsetzen. Mit einer speziellen Software lassen sich die Musikstücke problemlos steuern", erklärt Frisk, der sich damit auch von der Masse an DJs abheben will.

Doch längst haben auch große Popmusik- und Elektronik-Stars derartige "Gadgets" als Musikinstrumente für sich entdeckt. So setzen etwa Björk, Daft Punk, Modeselektor, Thievery Corporation oder M.I.A. das Interface Lemur von JazzMutant bei ihren Live-Auftritten ein. Dieser Kontroller lässt sich mit mehreren Fingern steuern (dieses System der Steuerung wird "Multitouch" genannt) und gilt am Musikmarkt als Vorreiter-Gerät.

Auch der Wiener DJ und Produzent Herwig Kusatz benutzte den Lemur, bevor er auf das iPad 2 wechselte. Ebenso wie Gon Don setzt er die Software TouchOSC (für iOS und Android erhältlich) ein, um mit dem iPad drahtlos seine Musikprogramme am Laptop kontrollieren zu können. "Multitouch-Interfaces verbreiten sich derzeit rasant, und Tablet-PCs sind dabei an der Vorderfront", erklärt Kusatz.

Trend: Steuerung per Smartphone

Ebenfalls drahtlos agiert der Tiroler Christian Alfred Narr (auch bekannt als Schalldichter) auf der Bühne. Er hat mit dem Techniker Ronald Bruckner ein Hosentanz-Modul erfunden. Die ungewöhnliche Hose, auch "Drum'n'Pants" genannt, kann man als Schlagzeug verwenden, wenn man sie mit den Händen berührt. Das Signal wird dann an das Smartphone geschickt. Dieses gibt dann ein bestimmtes Geräusch wieder. "Es macht großen Spaß damit Konzerte zu spielen", so Narr.

Der Tiroler glaubt fest daran, dass Smartphones im Musik-Bereich in Zukunft eine immer größere Rolle spielen werden. "Von der Rechenleistung ist es heutzutage kein Problem mehr. Die Steuerung von Musik-Software per Smartphone ist definitiv ein Trend, der sich durchsetzen wird".

In Teil 4 der Serie lesen Sie: Neue Ideen für Buch und Musik-Album

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