© Robin Rhode

Porträt
03/14/2020

Künstler Robin Rhode: „Ich will Hoffnung vermitteln“

Der südafrikanische Künstler kontrastiert Trostlosigkeit mit formaler Schönheit

von Michael Huber

„Don’t sow a seed / don’t paint a wall / tomorrow it will have to fall.“

Eigentlich sollten Menschen, die in einem weißen Spielgerüst herumturnen, diese Zeilen der südafrikanischen Poetin Gladys Thomas rezitieren: „Säe nicht / bemale keine Wand / denn morgen wird sie fallen müssen.“

Doch nun sitzt Robin Rhode allein in dem Spielgerüst, das in der Kunsthalle Krems aufgebaut ist: Wie viele Kunstschaffende ist ervon der Schließung der Kulturinstitutionen betroffen, die geplante Eröffnung seiner Retrospektive wurde abgesagt. „Es ist eine massive Enttäuschung“, sagt der 44-Jährige mit hörbar belegter Stimme. „Doch ich hoffe, dass die Schau, wenn sie einmal eröffnet, Hoffnung vermitteln kann. Ich glaube nach wie vor fest daran, dass Kunst ein ganz außergewöhnliches Mittel darstellt, um mit Krisen umzugehen.“

Turnen und Malen

Rhodes Arbeit, deren bisherige Entwicklung seit dem Jahr 2000 in der bis 21. Juni anberaumten Kremser Schau, aber auch in einem ausführlichen Katalog („Memory Is The Weapon“, Hatje Cantz Verlag, 42 €) dargelegt ist, hat viel mit der Bemalung von Wänden zu tun. Markenzeichen des in Kapstadt geborenen, aber in Berlin lebenden Künstlers sind Interaktionen zwischen Menschen und Wandbildern, die fotografisch oder als Video festgehalten werden: Wie in einem Daumenkino oder einem Comic ergibt sich dabei eine Erzählung, die Witz und Rhythmus, aber auch politische Inhalte vermittelt.

Auch wenn Rhodes Arbeiten lange Zeit auf Straßen, Sportplätzen und Gebäudewänden Johannesburgs entstanden, sieht sich der Künstler nicht als „Street Artist“ im klassischen Sinn: „Die meisten Bilder werden übermalt, nachdem ich sie realisiert habe“, sagt er. „Sie sind nicht darauf ausgelegt, auf der Straße lange zu bestehen.“Die HipHop-Kultur ist in Rhodes früher Arbeit trotzdem sichtbar – ein Akteur spielt da Basketball mit einem auf den Boden gezeichneten Korb, ein anderer nutzt ein auf die Wand gemaltes Mikrofon, ein mit Kreide gezeichneter Kasten wird zum Plattenspieler. „Ich sehe mich auch als DJ“, erklärt Rhode. „Doch während sich auf dem einen Plattenteller die Welt dreht, mit der ich aufgewachsen bin, spielt auf dem anderen Gerhard Richter, Albrecht Dürer oder Max Ernst.“

Mit seinem Mix aus südafrikanischer -Realität und westlicher Kunstgeschichte fand Rhode – er zählt sich selbst zu den „Colored People“, Südafrikas Bevölkerung mit gemischter ethnischer Herkunft – Anschluss in einer Kunstwelt, die nach globalen Perspektiven förmlich giert.

Rhode zapft geometrisch-abstrakte Kunst ebenso an wie das „Action Painting“ und modernes Design. Das weiße Klettergerüst ist eine Referenz an den Minimalisten Sol LeWitt, in einer anderen Inszenierung steht der Umriss eines Stuhls des „De Stijl“-Pioniers Gerrit Rietveld vor einem (gemalten) Piano, das ein Akteur mit Farbe und Feuer traktiert: Die Genese eines Trickfilms durch ständiges Löschen und Verändern erinnert hier an einen anderen berühmten Künstler Südafrikas, William Kentridge. „Die meisten Südafrikaner sehren aber vermutlich zuerst die Gewalt“, sagt Rhode.

Ärger im Paradies

Das kunsthistorische Bildvokabular sei ein ästhetisches Sicherheitsnetz, sagt Rhode, der zwar politische Botschaften in seine Arbeit packt, sich aber nicht als Aktivist sieht. Dass dieses Netz nicht vor der Realität schützt, musste der Künstler erkennen, als er, angetrieben von zunehmdem Erfolg, bis zu 20 Assistenten für die Ausführung immer komplexerer Wandmalereien in Johannesburg beschäftigte. Manche Mitarbeiter, erzählt Rhode, wurden ausgeraubt. Andere hatten ein Suchtproblem, nahmen die Droge Crystal Meth. „Es war schmerzhaft zu erkennen, dass ich Drogenmissbrauch ermöglichte, indem ich sie bezahlte“, sagt Rhode, der die „Werkstatt“ 2018 schloss.

Zuletzt versuchte der Künstler, seinen geografischen wie auch seinen historischen Referenzrahmen zu vergrößern – in Jericho deutete er etwa den rätselhaften Kristall aus Albrecht Dürers Stich „Melencolia I“ (1514) zur Waffe um. Tatsächlich aber, sagt Rhode, habe er keine Ahnung, was er als nächstes tun soll. Was ihm aber immer Kraft gegeben habe, sei das unbeschwerte kindliche Spiel, dass er auch in seinem Gerüst beschwören möchte.

Das Gedicht dazu endet übrigens mit einer Aufforderung, die Verhältnisse zu überwinden: „Sow the seed / paint the wall/ be at home in our desert for all.“

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