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Kultur
09/28/2021

Künstler haut mit 72.000 Euro von Museum ab - und nennt es "Konzeptkunst"

Der Däne Jens Haaning nennt das Werk "Take the Money and Run": Er will das Geld nicht zurückgeben

von Michael Huber

Bereits 2007 ließ sich der Künstler Jens Haaning ein durchschnittliches österreichisches Jahreseinkommen (damals rund 25.000 Euro) in 500-Euro-Scheinen auszahlen, rahmte die Scheine fein säuberlich und stellte sie in der Wiener Secession aus. Später, 2011, wiederholte er die Prozedur in Dänemark. Beide Werke sollten nun in einer Gruppenschau zum Thema "Arbeitswelt" im Kunsten Museum of Modern Art in Aalborg/DK noch einmal inszeniert werden.

Der Unterschied: Diesmal nahm Haaning das Geld - insgesamt rund 538.000 dänische Kronen oder 72.000 Euro * - und rahmte es nicht, sondern steckte es ein. In der Ausstellung, die vergangenen Freitag eröffnete, hingen nur leere Rahmen - es sei ein neues konzeptuelles Werk mit dem Titel "Take the Money and Run" ("Nimm das Geld und hau ab"), ließ Haaning wissen.

Wie das Art Newspaper berichtet, legt der Künstler keine Intention an den Tag, das Geld wieder zurückzuzahlen. Der Museumsdirektor will derzeit aber noch nicht die Polizei rufen: Der Vertrag, den das Haus mit dem Künstler abgeschlossen hatte, umfasse die Laufzeit der Ausstellung bis 14. Jänner 2022. Dann solle der geliehene Betrag wieder zurückerstattet werden - er sei für Bauarbeiten am Museum reserviert.

Gegenüber dem "Guardian" sagte Haaning, dass seine Arbeit als Protest gegenüber die schlechten Bedingungen intendiert sei, die Künstler und Künstlerinnen bei Ausstellungsbeteiligungen vorfinden.

Tatsächlich ist die Frage, ob Kunstschaffende ein Honorar für Ausstellungsbeteiligungen erhalten sollen, seit langem ein heiß diskutiertes Thema in der Kunstwelt. In den meisten Fällen erhalten Kunstschaffende nämlich keine Vergütung, manchmal nicht einmal Ersatz für Produktions- und Transportkosten. Argumentiert wird das damit, dass die Künstlerinnen und Künstler durch die erhöhte Sichtbarkeit und das Renomée einer Institution am Kunstmarkt indirekt auch finanziell profitieren. Sehr oft geht die Rechnung allerdings nicht auf.

* Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der Betrag mit 85.000 Euro angegeben. Die Zahl entspricht aber dem Gegenwert des Kronen-Betrags in Dollar, nicht jenem in Euro (rd. 72.000). Wir bedauern den Fehler.

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