Wie Wien war, als es angeblich fad war: MAK zeigt Fotos von Barbara Pflaum

Eine kleine, dichte Werkschau zeigt, wie die prominente Pressefotografin den Wiener Alltag der 1950er, 60er und 70er Jahre einfing.
Zeitungsverkäuferin

Am 10. Juli 1954 zeigte die Bildbeilage des Wiener Kurier – Vorläufer der KURIER-Freizeit – eine Fotostrecke über „Österreich auf der Biennale di Venezia“. Neben Anton Lehmden hatte die Fotografin Barbara Pflaum auch „Fritz Hundertwasser“ (sic), Josef Mikl oder Johann Fruhmann auf dem Kunst-Event abgelichtet.

Als Chronistin der 1950er- und 60er-Jahre ist Pflaum wohlbekannt: Ab Mitte der 1950er bei der Wochenpresse angestellt, porträtierte sie Politiker und Staatsoberhäupter, war bei offiziellen Anlässen ebenso präsent wie bei Opern- und Theaterpremieren.

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Die nun eröffnete, inhaltlich sehr dichte Ausstellung im Kunstblättersaal des MAK (bis 16. 8.) stellt aber andere Werkteile in den Mittelpunkt: Zu sehen sind Fotos, die Pflaum im Wiener Alltag anfertigte – spontan auf der Straße, auf Märkten wie dem Nasch- und dem Brunnenmarkt, in Kaffeehäusern, später auch bei Kundgebungen gegen den Vietnamkrieg. Manche der Bilder erschienen 1961 in dem Fotobuch „Wie ist Wien“.

Wäre dieses Buch bei einem internationalen Verlag erschienen, stünde Pflaums Stern am Foto-Himmel heute wohl höher, meint Karolina Ziębińska.

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Formal radikal

Die als externe Kuratorin beigezogene Ex-Museumschefin aus Warschau war überrascht von der Art und Weise, wie Pflaum etwa große Motive unscharf im Vordergrund platzierte und mehrere Bildebenen präzise innerhalb eines Fotos staffelte: Formal war sie in den Alltagsbeobachtungen radikaler als in der Pressefotografie, sagt die Kuratorin. 

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Ziębińska traf ihre Auswahl aus den rund 15.000 Fotos, die Pflaum noch selbst ausarbeitete. Mit der MAK-Sammlung hat dieser Bestand nichts zu tun. Museumschefin Lilli Hollein sieht die Schau dennoch als Auftakt, um den Fotografiebeständen des Hauses mehr Aufmerksamkeit zu schenken.  

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