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In diesem Salon ist Österreich: Nationalbank zeigt ihre Kunstschätze

Eine Auswahl von Sammlungs-Highlights, im Leopold Museum präsentiert, erzählt heimische Kunstsystemgeschichte.
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1985 reiste Marty McFly erstmals ins Jahr 1955 und danach „Zurück in die Zukunft“.

In Österreich dachte man gleichzeitig an das Jahr 1925 zurück – jenes Jahr, in dem die Schillingwährung eingeführt worden war, um der galoppierenden Inflation Herr zu werden. Und da der Rechnungshof 1983 bei der Kunstsammlung der Nationalbank den „fehlenden strategischen Ansatz“ bemängelt hatte, entschloss man sich, einen Schwerpunkt auf die Kunstproduktion der Schilling-Urzeit zu legen: „Neue Sachlichkeit“ hieß die Kunst jener Stunde, die Ausstellung, die diesem Stil den Namen gab, fand ebenfalls 1925 statt.

Dass in Österreich alles mit der landestypischen Verspätung – und der nicht minder typischen Dämpfung der radikalen Impulse – ankam, ist eine der Einsichten aus der Schau „Premiere“ im Leopold Museum (bis 11. 10.).

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Aus der rund 2.300 Werke umfassenden Sammlung arrangierte die OeNB-Sammlungsverantwortliche Chiara Galbusera mit Museumschef Hans-Peter Wipplinger einen Parcours von 114 Exponaten, der sich eine klassisch-moderne und eine zeitgenössische Sektion teilt: In den späten 1990ern (es begann das Zeitalter des Euro) beauftragte man Klaus Albrecht Schröder, die Sammlung „zeitgenössisch“ zu erweitern. Schröder stieg parallel vom Chef des Länderbank-Kunstforums zu jenem der Albertina auf.

Geld, Macht, Kunst

Zuvor hatte die OeNB ein Drittel des Betrages aufgebracht, der nötig war, um die „Sammlung Leopold“ zu sichern: Beim Gesetzesbeschluss 1994 rechnete man noch in Schilling, die OeNB investierte in Summe 1,2 Milliarden davon. Es war übrigens nicht das erste Mal, dass die Bank angerufen wurde, um Kulturgut für Österreich zu bewahren.

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In der ersten Hälfte der Schau sind nun mit Albin Egger-Lienz und Alfons Walde, Ludwig Heinrich Jungnickel oder Oskar Laske Helden der „gemäßigten“ Moderne aus Österreich zu sehen. Mit Werken von Rudolf Wacker, Franz Sedlacek oder Herbert Reyl-Hanisch kommt jene Spielart der „Neuen Sachlichkeit“ zu tragen, die ins Surreale kippt – und an die der „Phantastische Realismus“ nach dem Krieg anschließen sollte: Hier hat die OeNB-Sammlung ein Alleinstellungsmerkmal.

In der Schau geht es allerdings mit abstrakter Kunst weiter – oder genauer: mit abstrahierender Kunst. Denn eine weitere Einsicht lautet, dass Maler wie Max Weiler, Arnulf Rainer, Wolfgang Hollegha oder Franz Grabmayr sich immer noch an der Gegenständlichkeit festhielten, statt das Bild konsequent als eigene Realität zu begreifen: „Schlampige Realisten“ nannte sie der in die USA ausgewanderte Künstler Paul Rotterdam daher einmal.

Dass sich im institutionellen Feld Österreichs damit gut Karriere machen ließ und lässt, belegt nicht zuletzt die Schau selbst. Heute sitzt Leopold-Museumsdirektor Wipplinger neben Schröder und Ex-mumok-Chefin Karola Kraus im Ankaufskomitee, man ist bestrebt, jüngere Positionen einzubinden. Schreie des Entzückens ob des kuratorischen Wagemuts werden einem aber auch hier nicht zwingend entkommen.

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