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Sichtbar, unsichtbar, verräumt: Berührendes Projekt in der Secession

Die US-Künstlerin Katherine Hubbard schuf als Pflegerin ihrer dementen Mutter ein bestechendes Werk.
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Aus den Augen, aus dem Sinn: Vermutlich gibt es in jeder Wohnung ein Kammerl, in das Dinge verräumt werden, mit denen man sich gerade nicht befassen will.

Dass man in den schönsten, größten Raum der Wohnung – „The Great Room“ – eine gigantische Trennwand einbaut, um dahinter Zeug zu verräumen, ist dann doch ein wenig ungewöhnlich.

„The Great Room“ heißt das gleichermaßen berührende wie durchdachte Langzeitprojekt, mit dem die US-amerikanische Künstlerin Katherine Hubbard bis zum 30. August im Souterrain der Wiener Secession gastiert. Die Bilder, die in der Schau zu sehen sind, entstanden im Haus von Hubbards Mutter, bei der 2020 – inmitten der Covid – Pandemie – eine Form der Demenz diagnostiziert wurde. Die Künstlerin, die sonst an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh lehrt, war plötzlich für die Pflege verantwortlich – und machte daraus ein Kunstprojekt.

Das Ergebnis ist viel mehr als eine Dokumentation: Die Schau verbindet eine persönliche, für viele Pflegende wohl nachvollziehbare Geschichte mit sehr grundsätzlichen Fragen: Was bleibt, was verblasst? Was ist präsent, was hinterlässt Eindruck, was wird unsichtbar?

Spiegel und Wände

Hubbard, deren künstlerisches Werk sich teils in sehr abstrakter, mit Foto- und Bildtheorie unterfütterter Weise mit solchen Fragen beschäftigte, fand in der isolierten Situation im Haus ihrer Mutter zu vielfältigen Versuchsanordnungen. Manchmal sitzt die alte Frau in zwischen rollbaren Spiegeln, die ihr Bild fragmentieren und zerteilen; dann verschwindet sie wieder in den Ansammlungen an Gerümpel, die sich hinter der besagten Wand im großen Raum stapeln.

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Es sei ihr wichtig gewesen, dass ihre Mutter nicht als passives Modell erscheine, betont Hubbard. In manchen Bildern hält die alte Dame den Auslöser oder und suggeriert damit Autorschaft – wobei die tatsächliche Rollenverteilung schwer zu beurteilen ist. Es sind jedenfalls durchdachte Konstrukte, die mit Bildern im Bild und Räumen im Raum spielen und vermeiden, dass alles auf einen einzigen Standpunkt zuläuft.

Spuren von Körpern

Mit klassischer Fotografie allein ist es allerdings noch nicht genug: Ein Teil der Exponate sind kameralose Bilder, die Körperabdrücke zeigen. Sie entstanden, indem sich Hubbard und ihre Mutter mit Vaseline eincremten und auf lichtempfindliches Papier legten. Anders als bei Yves Klein, der Frauenkörper derart als lebende Pinsel benutzte, entsteht der Abdruck selbstbestimmt – Hubbard nennt es „eine Performance in der Dunkelkammer“. Man denkt an Maria Lassnigs Körperbewusstseinsbilder.

Katherine Hubbard

Die Frage nach Präsenz, Sichtbarkeit und den Unterschieden zwischen pyhsischen und fotografischen Spuren wird von diesen Werken ebenso pointiert gestellt. Dass alles noch in ein System von Stellwandgerüsten eingebaut ist, schraubt das Komplexitätslevel um eine weitere Stufe höher. Mit den elementaren Dingen, um die es geht, kommt man dennoch sofort in Kontakt.

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