Kritik: Radio Goo Goo - das Ende der Welt und noch ein paar andere Witze
Johanna Orsini, Claudia Kainberger, Aline-Sarah Kunisch, Luka Vlatković
"Radio Gaga" hieß ein Song der Band Queen aus dem Jahr 1984. Wer sich an das Video dazu erinnert: Es enthielt Szenen aus Fritz Langs 1927 erschienenem Science-Fiction-Stummfilm "Metropolis". Mehr Dystopie denn Utopie. Im Stück „Radio Goo Goo“, uraufgeführt am Donnerstag im Kosmos Theater, stellt sich die Frage von Utopie oder Dystopie gar nicht. Die Welt ist am Ende, es bleibt noch ein Jahr bis zum endgültigen Untergang.
Der Umgang der Menschheit mit dieser Tatsache ist interessant. Die endgültige Endlichkeit scheint ein Konzept zu sein, das sich unmöglich mit dem vorläufig noch Da-Sein vereinbaren lässt. Die Steinmetze seien gut gebucht, heißt es, die Menschen seien sehr daran interessiert, was auf ihrem Grabstein stehen wird. Als ob das nicht völlig unerheblich ist, wenn niemand mehr da ist, um diese Grabsteininschriften zu lesen. Weil die Liebesgeschichte zwischen Erde und Menschheit nun zu Ende ist.
Eine romantische Beziehung war’s am Anfang, bis die Menschheit begann, fremd zu flirten, allen voran mit dem Mond. Doch Erde und Menschheit kamen nicht voneinander los. Das Aus setzt schließlich der Tod: die Menschheit stirbt an Raucherhusten. Das ist die Ausgangslage für Judith Humers Stück „Radio Goo Goo“, das sich in weiterer Folge mit der Frage befasst, wie nun mit diesen buchstäblich letzten Tagen der Menschheit verfahren wird.
Der eingangs erwähnte Song und das Stück haben mehr gemeinsam als die phonetische Ähnlichkeit. Bei Queen heißt es „All we hear is / Radio Ga Ga“, und das gilt auch für dieses Stück: Vor allem hören wir hier eine aufgeregte Radioreporterin, die die letzten Momente vor dem Weltuntergang zutextet.
Die Reporterin des namensgebenden Senders „Radio Goo Goo“ grast Friedhöfe, Nagelstudios und verwaiste Geburtenkliniken ab, um Eindrücke des Umgangs mit der bevorstehenden Apokalypse zu sammeln. Die letzten Menschen haben unterschiedliche Bewältigungsstrategien, die meisten schwanken zwischen Humor und Verdrängung.
Das Bühnenbild ist nicht viel mehr als eine große Treppe, den Friedhof muss man sich eben vorstellen. Die Last der Überzeugungsarbeit tragen allein die Schauspieler, die sich tapfer durch diese langen 100 Minuten durchkämpfen. (Regie: Nehle Dick). Das Problem dieses in Zusammenarbeit mit den Wiener Wortstaetten entstandenen Stücks ist: Es ist kein Stück. Es sind Versatzstücke und Erzählminiaturen entlang eines offensichtlichen roten Fadens. Manche mehr, manche weniger gelungen. Samt Gags, Kalauern und stellenweise richtig gutem Galgenhumor.
Ein überzeugendes Ganzes ergibt es aber nicht. Da hilft auch der „Songcountdown bis zum Ende der Welt“, für den Marianne Faithfull, Joy Division oder Franz Schubert herhalten müssen, nur bedingt.
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