Robert Stadlober spielt Serienmörder: "Diese Figur habe ich geträumt"
Stadlober spielt zum ersten Mal einen Serienmörder.
Zuletzt waren heimische Filme an den Kinokassen vor allem dann erfolgreich, wenn sie Komödien waren. Mit „Pirker“ wendet sich die Allegro Film, die mit „Love Machine“ 2019 einen Komödienhit landete, nun dem Genre schwarze Komödie zu. Denn hier darf auch gestorben werden. Gedreht wurde das im Frühling hauptsächlich in Kärnten – aber für die letzten Drehtage standen noch Motive in Wien an.
Wenn man sich dem Set im weitläufigen Garten auf Schloss Laudon (14. Bez.) näherte, dachte man zunächst an Drehschlussparty, weil mehrere Protagonisten bunte Luftballons hielten. Noch wurde aber gedreht – eine Szene in einer Entzugsklinik.
Dort hält sich im Film Valentin „Volte“ Pirker auf, gespielt von Simon Schwarz. Er ist ein Kriminalpolizist, der seinem Glück oft selbst im Weg steht. Kollege Robert Stadlober berichtet: „Unser Hauptkommissar Pirker hat Alkoholprobleme. Als er aus der Klinik rauskommt, glaubt er, wieder normal in seinem Job weitermachen zu können. Aber er hatte auch Probleme mit Autoritäten. Und weil er sich so deppert aufgeführt hat, wird er nach Klagenfurt versetzt. Für ihn bricht eine Welt zusammen, weil er seit seiner Kindheit nicht mehr dort war.“
Simon Schwarz als Valentin "Volte" Pirker.
Dem Karma ein bisschen nachhelfen
Dort bekommt es Pirker mit einem pseudo-spirituellen Serienkiller zu tun. Und diesen spielt Stadlober. „Er wohnt noch immer bei seiner Mama und hat einige Abzweigungen im Leben verpasst, um sich aus dieser Situation zu befreien“, erzählt der Schauspieler. „Er lernt einen Yoga-Guru kennen, der mit Verve Lebensratschläge gibt, unter anderem den, dass man dem Karma manchmal ein bisschen nachhelfen muss. Und das versteht er so falsch, dass er anfängt, die Leute, die ihn seiner Meinung nach behindern, aus dem Weg zu räumen.“
Zum Handkuss kommen ein ehemaliger Lehrer oder ein Chef, der ihn gekündigt hatte. Und alles nur „aufgrund einer falsch verstandenen esoterischen Lebensberatung“, sagt der 43-Jährige.
Stadlober spielt zum ersten Mal einen Serienmörder.
„Beim ersten Mal funktioniert es relativ einfach, daher biegt er dann komplett falsch ab und denkt sich: Jetzt habe ich quasi den Schlüssel zum Universum gefunden! Möglicherweise ist es das, was jemanden zum Serienmörder machen kann. In diesem Fall geht es aber nicht um ein ernsthaftes Psychogramm.“
Gibt es eine Art Botschaft?
Stadlober: „Wenn in irgendeiner Situation irgendwer freundlicher zu ihm gewesen wäre, dann wäre das Ganze vielleicht nicht passiert.“
Simon Schwarz als heimgekehrter Ermittler Pirker am Wörthersee.
Verfolgungsjagd am See
Stadlober war in Krimis schon mehrmals der Täter. Aber es dürfte sein erster Serienmörder sein, meint er nach längerem Nachdenken. Zuletzt spielte er in Adrian Goigingers Trauerbewältigungsfilm „Vier minus drei“ und wurde dafür auch für den österreichischen Filmpreis nominiert.
Für „Pirker“ wurde in der Umgebung von Klagenfurt und am Wörthersee gedreht. Am Ossiacher See sei „auch eine wilde Verfolgungsjagd“ entstanden. „Ich fahre in einem alten Zweier-Golf und Simon Schwarz verfolgt mich in einem modernen, schnellen Auto. Wir haben fast alle Stunts selber gemacht. Zumindest hat mich Simon überholt und dann ausgebremst“, meint er lachend.
Mit von der Partie ist auch Julia Koschitz als Klangschalentherapeutin. Der Dreh verlief jahreszeitbedingt mitunter recht frisch. „Letzte Woche haben wir in Gablitz eine Frühlingsszene im Freien gedreht“, berichtet Stadlober, „da hat es dann auf einmal geschneit. Aber die Szene sollte ohnehin unangenehm wirken. Also war es fast schon Method Acting. Das hat sogar geholfen.“
Simon Schwarz mit "Crooks"-Star Christoph Krutzler
Wie es zum Hauptschauplatz Kärnten kam?
Stadlober: „Vielleicht, weil Kärnten sehr weit und groß und gleichzeitig sehr klein sein kann. Dieser Film erzählt von Konflikten, die entstehen, wenn jemand nach Klagenfurt zurückkommt, der es dort eigentlich gar nicht aushält. Der Gartenzaun ist manchmal eine ganz gute Grenze, aber oft hilft es auch, wenn man das Türlein ein bisschen öffnet. Als Humortriebfeder funktioniert es, glaube ich, ganz gut, eine Stadt zu nehmen, die nicht gerade New York ist.“
Goebbels mit Tucholsky "rausgeputzt"
Stadlober selbst kommt vom Perchauer Sattel an der Grenze zu Kärnten, auf der steirischen Seite. Nach seiner Zeit in Berlin ist er vor einigen Jahren nach Wien zurückgekehrt. 2024 spielte er im Kinofilm „Führer und Verführer“ Joseph Goebbels, den er schwer wieder herausbekam. „Wenn man sich länger mit so einer Rolle beschäftigt, bekommt man diese Gedanken nicht von einem Tag auf den anderen wieder weg. Aber ich habe dann Kurt Tucholsky für mich entdeckt und der hat mir den Goebbels rausgeputzt.“ Mit seinen Lyrikvertonungen ist Stadlober noch intensiv auf Tour. Er arbeite schon an der nächsten Platte, „da geht es um Leute mit ähnlichen Biografien. Es wird ein Potpourri aus Utopisten, die in den Kaffeehäusern Europas gesessen sind und dort in den Zehner- und Zwanzigerjahren von einer schöneren und besseren Welt geträumt haben.“
Regisseurin Catalina Molina beim Wiener Dreh vor Schloss Laudon.
Figur war plötzlich da
Zurück zu „Pirker“. Wie hat er sich diesen schwierigen Charakter eines Killers erarbeitet?
„Ich bin wirklich kein Esoteriker“, sagt Stadlober. „Aber diese Figur habe ich geträumt. Es klingt absurd, weil dieser Film die Esoterik ja auch ein bisschen aufs Korn nimmt. Ich habe lange nach einem Zugang gesucht. Und dann ist mir tatsächlich passiert, dass ich zwei Tage vor Drehbeginn träume, wie dieser Typ in einen Supermarkt geht und an der Wursttheke lange braucht, um irgendwas herauszubekommen. Und damit war die Figur plötzlich da! Das verästelt sich dann weiter und es entsteht in meiner Fantasie eine Figur.“
Regisseurin Catalina Molina lasse so etwas zu, wie er aus der früheren Zusammenarbeit (Serie „Schnee“) schon gewusst habe. Sie habe ein „relativ weites Feld aufgemacht, das zwar klar abgesteckt ist, aber man kann sich darin zuerst einmal relativ frei bewegen. Es entstehen gute Ideen, wenn man nicht gleich das Gefühl hat, dass es eine Vorstellung von richtig und falsch gibt. “
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