Er füllt Bierzelte und Stadien - auf Facebook wollen ihm aber nur 227.303 Fans folgen: Andreas Gabalier landet auf Platz 12. Heuer nominiert in der Kategorie "Volkstümliche Musik".

© BILDAGENTUR ZOLLES KG/MARTIN STE/Martin Steiger

Kernöl-Elvis
12/01/2013

„Wenn er singt, geht mein Herz auf“

100.000 Fans begeisterte Andreas Gabalier auf seiner Herbsttour. Zum Abschluss in der Stadthalle.

von Anna-Maria Bauer

Obwohl es nur einige Grad über Null hatte, pilgerten Samstagabend rund 12.000 Fans in kessen Dirndln und kurzen Lederhosen in die Wiener Stadthalle – dort gab Sänger Andreas Gabalier das Abschlusskonzert seiner Herbsttournee. Omas kamen mit der 5-jährigen Enkelin, Familien und Freundesgruppen reisten teilweise vom anderen Ende des Landes an.

Während die Kulturelite über den selbst ernannten„Volks-Rock’n’Roller“die Nase rümpft, verfällt das Publikum bei seinem Anblick regelrecht in Ekstase. „Wenn er singt, dann geht mein Herz auf“, schwärmt die gebürtige Kärntnerin Bernadette Huber. „Nach einem Konzert von ihm bin ich monatelang in guter Stimmung.“ Gemeinsam mit ihrer Fangruppe, den „Trollas“ – „Das heißt soviel wie ,narrische Dirndln‘“ – folgt die Biologiestudentin dem„Kernöl-Elvis“zu Konzerten in Wien, Villach oder Klagenfurt. „Und sein rot-weißes Schnäuztücherl habe ich auch immer dabei.“ Das karierte Stofftuch ist Fanartikel Nummer eins der Gabalier-Merchandising-Serie. Dicht gefolgt von der rot-weiß-karierten Sonnenbrille und dem Stoff-Rehlein. „Die Produkte verkaufen sich alle sehr gut“, betont Lydia Bartelmuss von Stall Records.

Bilder aus der Stadthalle:

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Tourabschlusskonzert Andreas Gabalier

Das Geheimnis seines Erfolgs? „Seine Musik ist einfach die perfekte Mischung zwischen Volksmusik und Rock’n’Roll“, bringt es Musikproduzent Thomas Rabitsch auf den Punkt. Lässiger Volks-Rock’n’Roll eben, so der Tenor der Fans – „mit traditioneller Volksmusik hat das nichts mehr zu tun“, findet Bernadette Huber.

Die Fans lieben seine Ausstrahlung, seine Bodenständigkeit und seine Heimatverbundenheit. „Er hat Schlager einfach wieder cool gemacht“, findet Andrea aus Wien. Die 45-jährige Silvia ergänzt: „Und in der Lederhose sieht er außerdem so knackig aus.“ – „Er hat es geschafft, dass Tracht wieder lässig wird“, sagt auch Biologiestudentin Huber. Theresa Meznik ergänzt: „Diese ländliche Stimmung – auch bei seinen Konzerten in Wien – finde ich faszinierend.“

Geburtstagsgeschenk

Auch der 18-jährige Martin Sallinger aus Kärnten ist eingefleischter Fan und verbringt täglich Stunden damit, seine Fanseite auf den neuesten Stand zu bringen. Auch auf Gabaliers Geburtstag vergangene Woche hat der Fan nicht vergessen.

Sallinger fertigte seinem Idol ein Lebkuchenherz – verziert mit Bildern des Musikers. Damit das Herz auch tatsächlich beim Geburtstagskind ankommt, überließ er nichts dem Zufall. „Ich habe es seiner Mutter Huberta mitgegeben, die ich bei einer Lesung in Klagenfurt getroffen habe“, erzählt der kaufmännische Angestellte. „Das war sicher nicht das letzte Geschenk, das er von mir bekommt.“

„Mir fehlt nichts für meinen großen Traum“

KURIER: Herr Gabalier, in den vergangenen drei Tagen haben Sie vor insgesamt 25.000 Fans gespielt. Wie erklären Sie sich den Hype um Ihre Musik? Wie schaffen Sie es, sich gegen internationale Popstars durchzusetzen?

Andreas Gabalier:Wie viele internationale Popstars gibt es derzeit wirklich? Da gibt es einen Robbie Williams, eine Lady Gaga oder einen Justin Bieber. Okay, wenn die alle heilige Zeiten nach Österreich kommen, dann sind die Konzerte natürlich brechend voll. Aber der Rest sind Stars, die auch schnell wieder verglühen. Ich glaube, Ö3 versucht dem Volk zu vermitteln, wer die Stars und was die Hits sind. Aber der Dialekt, der ländliche Lifestyle ist ein Teil, der uns ausmacht. Viele Menschen haben Freude an der heimischen Musik, selbst in Wien. In meine Konzerte kommen alle Generationen zwischen fünf und 85 Jahren. Das wird oft unterschätzt. Vielleicht hat auch die Wirtschaftskrise einiges dazu beigetragen. Wenn das Geld knapp ist, dann macht man wieder Urlaub im eigenen Land, und die Menschen haben wieder die schönen Seiten des Landes entdeckt.

Wie fühlt man sich, wenn einem auf der Tournee insgesamt 100.000 Menschen zujubeln?

Es fühlt sich teilweise sehr abgefahren an, wie man die Menschen bei einem Konzert im Griff haben kann. Während eines Konzertes kannst du alle Gefühlsebenen erzeugen: Von der Mega-Party, wo die Mädels wie verrückt kreischen und in Ohnmacht fallen bis zur absoluten Stille. Wenn ich „Amoi seg’ ma uns wieder“ singe, dann sehe ich, wie die Tränen über die Wangen bis in den Busen fließen, weil bei diesem Song viele an einen Menschen denken, den sie verloren haben. Das sind Situationen, bei denen ich spüre, wie selbst bei mir die Gänsehaut aufsteigt.

Wie schafft man es, trotz des Erfolgs geerdet zu bleiben?

Der Erfolg ist schön, ich genieße ihn. Aber wenn ich nach Hause komme, die Haustüre hinter mir schließe, bin ich wieder der Andi. Das ist schön und gut so. Ich will auch nicht als Star bezeichnet werden und flüchte vor dem Stars-Sein auch manchmal. Mir fehlt nichts für meinen großen Traum. Ich brauche keinen Sportwagen, keinen Champagner, kein Schloss und keinen Butler. Ich trinke lieber Bier und fahre gerne zur Tankstelle und esse dort einen Leberkäse. Wenn ich in Graz bin, dann besuche ich mit meinen Freunden nach wie vor meine alten Stammlokale aus der Zeit als ich noch ein Jus-Student war.

Keine Angst davor, dass der Hype irgendwann einmal abreißen wird?

Ich fahre seit zwei Jahren Vollgas. Das kann natürlich nicht ewig halten, und das würde auch niemand durchhalten. Aber ich bin ein Jetzt-Mensch. Jetzt ist es lustig und schön. Ich weiß nicht, was morgen ist und schon gar nicht, was in zehn Jahren sein wird. Ich bin überzeugt, wenn man seine Sache gut macht, dann wird der Erfolg auch einige Zeit anhalten.

Sie bezeichnen sich nicht als Volksmusiker sondern als „Volks-Rock’n’Roller“ und haben sich diesen Begriff als Marke auch schützen lassen. Was unterscheidet Ihre Musik von der Volksmusik?

Der Begriff ist cooler als Volksmusik, und meine Musik ist auch kerniger. Ich baue auch funkige und elektronische Elemente in meine Songs ein, singe auch englisch. Teenager würden sich Volksmusik nicht ums Verrecken anhören, aber meine Musik ist cool. Als ich nach Deutschland ging, war ich mir unsicher, ob meine Musik nicht zu hart für die älteren Volksmusik-Fans ist. Aber das war es nicht. Da stehen die 85-jährigen Omis beim Konzert und schreiben mir dann, dass sie so ein Hochgefühl das letzte Mal bei Elvis hatten und ihren dritten Frühling erleben.

Sie haben nicht nur die Volksmusik cool gemacht, sondern auch der Tracht zu einem Revival verholfen ...

Die Lederhosen war in meiner Kindheit und auch noch zu meiner Uni-Zeit absolutes Tabu-Modestück. Heute gibt es auf der Uni Trachtenclubbings.

Ihr Markenzeichen ist ein rot-weiß kariertes Stofftaschentuch, das die Fans bei jedem Konzert schwingen. Wie viel Stück haben Sie davon verkauft?

Die genaue Zahl kenne ich nicht, aber es werden rund 400.000 Stück sein.

Andreas Gabalier im Kurz-Porträt

Familie

Der 29-jährige Steirer hat drei Geschwister. Der Vater und eine jüngere Schwester begingen Suizid – ein Umstand, den er in seinem Lied „Amoi seg’ ma uns wieder“ aufarbeitete. Seit November ist er offiziell mit Puls4-Moderatorin Silvia Schneider liiert.

Karriere

Nach einem Auftritt im Musikantenstadl nahm Gabalier 2009 beim Grand Prix der Volksmusik teil und belegte dabei den 2. Platz. Sein Debütalbum „Da komm’ ich her“ stieg auf Platz vier der österreichischen Charts.

Auszeichnungen

Bis dato erhielt Gabalier zwei Mal Gold sowie 16-mal Platin. 2012 waren drei seiner Alben unter den Top Ten der meistverkauften Alben in Österreich. Er ist derzeit wohl der erfolgreichste österreichische Interpret.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.