Katrin Bauerfeind ist derzeit mit „Liebe: Die Tour zum Gefühl“ in Österreich unterwegs.

© Kurier/Jeff Mangione

Kultur
12/11/2018

Katrin Bauerfeind: "Männer wollen nicht über die Witze von Frauen lachen"

Katrin Bauerfeind bringt auch Männer zum Lachen – ganz zu deren Verwunderung.

von Elisabeth Mittendorfer

Schon zu Schulzeiten war Katrin Bauerfeind die Alleinunterhalterin der Klasse. Wenn sie ein Referat gehalten hat, lagen am Ende alle vor Lachen am Boden – egal, um welches Thema es ging. Naheliegend also, beruflich etwas aus ihrem humoristischen Talent zu machen; wenngleich sie damit als Frau noch immer einen gewissen Seltenheitswert hat.

Bauerfeind ist dennoch überzeugt, dass Männer Humor nicht länger für sich gepachtet haben und die Ära der lustigen Frauen angebrochen ist. Beweisen will sie das unter anderem bei ihren drei kommenden Comedy-Abenden in Österreich.

KURIER: Die Comedyszene ist männlich dominiert. Haben Frauen weniger Humor?

Katrin Bauerfeind: Lustige Frauen sind – vor allem für viele Männer – noch immer wie ein veganes Mettbrötchen (Verhackertes, Anm.), also ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist auch historisch begründet, denn bis in die 60er-Jahre stand in Etikette-Fibeln, die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück. Heißt: Humor war schon per Etikette dem Mann vorbehalten.

In Kontaktanzeigen suchen Frauen zumeist nach einem humorvollen Mann, während das andersrum selten der Fall ist…

Die gesellschaftliche Erwartungshaltung an Männer lautet auch heute noch, dass sie sich vor allem durch Humor auszeichnen sollen, während Frauen nicht wirklich lustig sein müssen. Zudem wollen Männer lieber, dass man über ihre Witze lacht, als dass sie über den Witz einer Frau lachen.

"Bis alle verstanden haben, dass es um den Witz geht und nicht darum, ob er von einem Mann oder einer Frau gemacht wird, dauert es noch ein bisschen."

Katrin Bauerfeind

Sprechen Sie aus Erfahrung?

Bei meinem letzten Programm, bei dem es um Frauen und Feminismus ging, sind danach viele Männer zu mir gekommen und haben gesagt: „Sogar ich als Mann habe über Ihre Witze gelacht.“ Und da habe ich gedacht: Ich werde mir den Tag rot im Kalender markieren; ein Mann hat über den Witz von einer Frau gelacht. Bis alle verstanden haben, dass es um den Witz geht und nicht darum, ob er von einem Mann oder einer Frau gemacht wird, dauert es noch ein bisschen.

Hat das mit Geschlechterverhältnissen zu tun?

Das ist bestimmt auch eine Macht-Geschichte. Wer jemand anderen zum Lachen bringen kann, hat für kurze Zeit die Macht über ihn. Es hat aber auf jeden Fall eine Emanzipation in diesem Bereich stattgefunden.

In den USA spielen Amy Schumer oder Tina Fey seit Jahren in der Comedy-Liga ganz oben mit. Wie finden Sie deren klare feministische Agenda?

Wenn sich Amy Schumer auf unterhaltsame Art und Weise für Frauenthemen einsetzt, erreicht sie damit mehr junge Frauen und sorgt für mehr Umdenken, als wenn darüber ausschließlich ernsthaft gesprochen wird.

In einem Interview haben Sie gesagt, dass Feminismus bei öffentlichen Auftritten ein schwieriges Thema sein kann.

Wenn man auf der Bühne Feminismus sagt, hat man das Gefühl, dass das ein bisschen wie eine Darmspiegelung ist. Alle denken, dass das total wichtig, aber auch total lästig ist und eigentlich hat niemand Lust drauf. Ich habe ein Faible dafür, solche Themen aus der unlustigen Ecke rauszuholen, weil sie dort zu Unrecht stehen.

Gelten für Frauen auf der Bühne andere Maßstäbe?

Frauen sind es gewohnt, beurteilt zu werden – und sei es nur optisch. Und Männer sind meistens in der Position zu beurteilen. Das ist ein altes Muster. Wenn man die Entscheidung trifft, auf eine Bühne zu gehen, kann man sich damit nicht aufhalten. Je mehr Leute dich gut finden, desto mehr Leute finden dich auch scheiße. Für Frauen ist es ganz gut, diesen Prozess durchzumachen. Es ist echt unnötig, von jedem gemocht zu werden.

In Ihrem aktuellen Programm geht es in Anlehnung an Ihr neues Buch um die Liebe. Ist dazu nicht schon alles gesagt?

Ja, aber noch nicht von mir. In Zeiten, in denen Supermärkte mit dem Slogan "Wir lieben Lebensmittel" propagieren, kann man die Liebe nicht der Werbung, dem Schlager und dem Zynismus überlassen. Da müssen wir uns die Liebe zurückholen. Ich habe für dieses Buch den Satz erfunden: „Man kann sich leichter am Hintern kratzen als am Herzen.“ Bedeutet, dass man ans Herz oft schwerer kommt, aber gerade jetzt müssen wir alle versuchen, dahin zu kommen. Mein Abend ist ein Versuch, das gemeinsam zu tun.

Zur Person 

Katrin Bauerfeind wurde 1982 in Schwaben geboren und vor  zehn Jahren durch die Internetfensehsendung „Ehrensenf“ bekannt. Nach einem Engagement bei Harald Schmidt moderierte sie verschiedene TV-Shows und war schauspielerisch tätig. In ihrem Podcast „Frau Bauerfeind hat Fragen“ befragt sie Promis. Ihr aktuelles Bühnenprogramm widmet sich der Liebe.

Auftritte

11. 12. in Wien (Theater Akzent)
12. 12. in Linz (Posthof)
13. 12. in Graz (Orpheum)

Karten unter www.oeticket.com

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.